Bangen ums Leipziger Elefantenbaby: Jungtier muss unter Narkose operiert werden

Leipzig - Als wäre es die normalste Sache der Welt, trampelte das zwei Monate alte Elefantenbaby aus dem Leipziger Zoo am Freitagnachmittag erstmals auf die Außenanlage (TAG24 berichtete). Dort warteten schon Hunderte Besucher ganz gespannt auf seine ersten Schritte an der frischen Luft. TAG24 war dabei, als Zoodirektor Prof. Jörg Junhold (54) und Zootierarzt Dr. Andreas Bernhard (56) die aktuellen Entwicklungen des Bullen bekannt gaben - und über eine Krankheit und deren Risiken aufklärten. Aber es gab auch neue, erfreuliche Baby-News.

Kurzer Ausflug zur Wasserstelle: Die Besucher bekamen das Jungtier an jeder Stelle des Außenbereichs zu sehen.
Kurzer Ausflug zur Wasserstelle: Die Besucher bekamen das Jungtier an jeder Stelle des Außenbereichs zu sehen.  © Zoo Leipzig

Punkt 14 Uhr kamen Rani (9) und Don Chung (36) aus dem Elefantentempel gelaufen. Im Schlepptau hatten sie ihren Neffen, den noch immer namenlosen Baby-Dickhäuter. Seine Mutter Hoa (33), die auch nach acht Wochen noch keine Bindung zu ihrem Jungtier aufbauen konnte, blieb wegen der hohen Gefahr im Inneren.

So schön es für den Nachwuchs bei Sonnenschein und angenehmen 18 Grad auch schien - der erste Besuch der Außenanlage war "eine große Herausforderung für den kleinen Organismus, die sich im schlimmsten Fall in Durchfall äußern könnte", erklärte der anwesende Zootierarzt Dr. Andreas Bernhard. Dennoch sei besonders das UV-Licht wichtig für die Entwicklung der Knochen.

Nach zwei Monaten konnte das Geburtsgewicht von 108 Kilogramm mit aktuell 105 endlich fast erreicht werden. Kritischer Tiefpunkt waren aber 98 Kilogramm, normal wären derzeit mindestens 120. Es sei nicht ungewöhnlich, dass das Gewicht zunächst abfällt. "Dass es aber so lang nicht aufwärts geht, ist eher ungewöhnlich", sagte Bernhard.

Problematisch ist, dass Hoa mittlerweile gar keine der sehr wichtigen Milch mehr produziert. "Das liegt auch mit am fehlenden Aufbau der Mutter-Kind-Beziehung." Der Tierarzt geht davon aus, dass das für die Milchbildung benötigte Geschlechtshormon Prolaktin bei der 33-Jährigen nicht ausreichend vorhanden ist. Dies wiederum könnte an Vorkommnissen in der Kindheit der erst später nach Leipzig gekommenen Kuh liegen, die der Zoo nicht kennt. Zudem werden dort auch einfach zu wenig Jungtiere geboren, was eine neue Situation für die komplette Herde bedeutet.

Daher wird der asiatische Baby-Elefant mit der Flasche großgezogen. Zu jeder Mahlzeit wird nach strengem Rezept eine Ersatzmilch angerührt, die wichtige Nährstoffe enthält. Die Pfleger orientierten sich dabei an einem tschechischen Zoo, der ein Jungtier ebenfalls mit Ersatzmilch ernährt hatte. Bislang ist die Aufzucht mit der Flasche bei den Asiaten jedoch nur schlecht gelungen - im Gegensatz zu den afrikanischen Artgenossen. Für feste Nahrung ist es derzeit noch zu früh.

Nabelbruch beim Elefantenbaby - riskante OP unter Narkose nötig

Das kleine Elefantenkalb soll von seinen Tanzen Don Chung und Rani aufgezogen werden.
Das kleine Elefantenkalb soll von seinen Tanzen Don Chung und Rani aufgezogen werden.  © Zoo Leipzig

Wären die Sorgen nicht schon groß genug, wurde bei dem Kleinen nun auch noch ein Nabelbruch diagnostiziert. Dieser muss in den nächsten Wochen operiert werden, bevor das Gewicht deutlich steigt. "Das hält sonst die Bauchdecke nicht aus", weiß Chef-Tierarzt Bernhard.

Zusätzlich zur Betäubung gibt es noch ein weiteres Problem. "Durch die Narkose verlieren wir zwei bis drei Mahlzeiten, was Auswirkungen auf die Entwicklung des Tiers hat."

Auch mit Hinblick darauf kann der Zoodirektor die Besucher noch nicht beruhigen. "Wir sind noch lange nicht über den Berg, können keine Vorhersage machen oder Garantie abgeben", sagt Prof. Jörg Junhold. "Das ist alles noch nicht ohne Risiko. Aber wir sind optimistisch, wir können das schaffen!"

Der 54-Jährige sprach der Pflegermannschaft und den Biologen zugleich ein großes Kompliment aus. Diese kümmern sich seit der Geburt rund um die Uhr um das Wohl des Jungtiers. Immerhin: Der Nachtdienst konnte schon reduziert werden.

Rani schwanger! Nächstes Jungtier wird 2020 geboren

Tierpfleger Thomas Günther (r.) und seine Kollegen kümmern sich seit acht Wochen 24 Stunden täglich um das Wohl des Kleinen.
Tierpfleger Thomas Günther (r.) und seine Kollegen kümmern sich seit acht Wochen 24 Stunden täglich um das Wohl des Kleinen.  © Nico Zeißler

Aber es gab auch noch erfreuliche Nachrichten im 140 Jahre alten Zoo.

Denn: Elefantenkuh Rani ist schwanger! Und das schon seit knapp einem Jahr. Bislang hielt der Zoo damit hinter dem Berg, teilte die Trächtigkeit am Freitag mit. Junhold: "Wir rechnen im Frühjahr 2020 mit der Geburt." Für die 9-Jährige wird es das erste Kind.

"Es ist jetzt wichtig, dass vor allem Rani den Umgang mit einem Jungtier lernt", sagt der Zootierarzt. "Das Ziel ist eine intakte Elefantenherde. Dafür braucht es Jungtiere, an die sich die älteren Tiere auch gewöhnen müssen."

Noch ist der acht Wochen alte Bulle übrigens namenlos. Das soll auch vorerst so bleiben, erläutert Dr. Andreas Bernhard die Pläne. Im Vordergrund stünde nun erst einmal die Operation und weitere Eingewöhnung mit den Tanten Rani und Don Chung. Wenn der Kleine weitestgehend über den Berg ist, "können die Besucher auch wieder Vorschläge einreichen und über den Name abstimmen", schaut Sprecherin Melanie Ginzel vorsichtig voraus.

Der Elefantentempel "Ganesha Mandir" bleibt für die Besucher weiterhin geschlossen. Die Dickhäuter werden aber draußen zu sehen sein. Ob und wann das Baby auf die Außenanlage kommt, hängt neben dem Wetter auch von der gegenwärtigen Situation innerhalb der Herde ab.

Und da ist der neue Star im Zoo Leipzig: Am Freitag trat er vor Hunderten Besuchern und der Presse aus dem Elefantentempel nach draußen.
Und da ist der neue Star im Zoo Leipzig: Am Freitag trat er vor Hunderten Besuchern und der Presse aus dem Elefantentempel nach draußen.  © Nico Zeißler

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