Zwangsferien? VW Sachsen stoppt Produktion

Um den Jahreswechsel stehen die Bänder still.
Um den Jahreswechsel stehen die Bänder still.

Von Torsten Hilscher

Zwickau/dresden - Schöne Bescherung für Sachsens VW-Werker: Um den Jahreswechsel stehen die Bänder still - bis zu drei Wochen lang! Erste Auswirkung des Abgas-Skandals?

VW-Sachsen-Sprecher Gunter Sandmann bestätigt: Der Produktionsstopp dauert vom 21. Dezember bis zum 8. Januar - zwangsfrei für knapp 10.000 VW-Kollegen.

Dieser „etwas längere Zeitraum“, so Sandmann, werde für Instandhaltungs- und Wartungsarbeiten genutzt. Schwerpunkt bilde ein turnusmäßiger Anlagen-Austausch in der Lackiererei.

Weiter sagte er: „Im Zwickauer Presswerk und im Motorenwerk Chemnitz wird die Fertigung bereits ab dem 4. Januar wieder beginnen.“

Da war die Laune noch bestens: VW Sachsen-Chef Siegfried Fiebig (re.) mit dem Betriebsratsvorsitzenden Jens Rothe (l.) und dem Vorstand der DMG Mori Seiki, Rüdiger Kapitzka, bei „25 Jahre VW-Produktion in Sachsen“ im Mai.
Da war die Laune noch bestens: VW Sachsen-Chef Siegfried Fiebig (re.) mit dem Betriebsratsvorsitzenden Jens Rothe (l.) und dem Vorstand der DMG Mori Seiki, Rüdiger Kapitzka, bei „25 Jahre VW-Produktion in Sachsen“ im Mai.

Laut VW-Mitarbeitern geht die Produktion sogar nur bis 18. Dezember - eine Woche vor dem Fest. Demnach würde drei Wochen lang kein Golf oder Passat von den Bändern in Mosel rollen. Die Mitarbeiter sind verunsichert: „Sonst haben wir nur zwischen Weihnachten und Neujahr am Stück pausiert“, so ein Belegschaftsmitglied, das nicht genannt werden will.

VW-Sprecher Sandmann dagegen: „Über den Jahreswechsel waren die produktionsfreie Zeiten in den vergangenen 25 Jahren immer sehr unterschiedlich, zwischen einer und drei Wochen.“

Allerdings: Noch diesen Sommer verzichtete VW wegen guter Auftragslage sogar auf einen Teil der Werksferien. 2012 war erst ab Heiligabend für zwei Wochen Pause. 2013 wurde bis Weihnachten jedes Wochenende gearbeitet. Die Produktion ruhte nur in den Tagen um Weihnachten und Neujahr. Ende 2014 wiederum waren an den Dezember-Wochenenden für die Golf-Fertigung sonntags Zusatzschichten nötig.

Ein VW-Mitarbeiter: „Wenn der Abgas-Skandal nicht wäre, hätten wir mehr Autos gebaut als die 301 000, die das Jahresziel sind.“

Auslaufmodell Phaeton. Ende September ist Schluss

VW-Chef Matthias Müller (62): „Wir haben alternative Ideen für die Fertigung in Dresden.“
VW-Chef Matthias Müller (62): „Wir haben alternative Ideen für die Fertigung in Dresden.“

Wie weiter mit dem Phaeton? Es wird einen Nachfolger geben, hieß es am Freitag nach der Sitzung des Aufsichtsrates.

Aber: „Ob er gekoppelt mit einem Verbrennungsmotor kommt - als Plug-In-Hybrid - wissen wir noch nicht“, so ein Sprecher in Dresden.

Und VW Sachsen aus Zwickau ergänzte: „Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu Produktzeitplänen.“ Im Zuge der Neuausrichtung zum E-Fahrzeug würden derzeit verschiedene Szenarien entwickelt.

„Die Einzelheiten dazu werden in den nächsten Wochen und Monaten festgelegt.“ Für den alten Phaeton, wie er zurzeit vom Band läuft, soll Ende September 2016 Produktions-Schluss sein.

Zur Gläsernen Manufaktur betonte VW erneut kryptisch: „Wir haben alternative Ideen für die Fertigung in Dresden.“

Fotos: dpa, Thomas Türpe (1)


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