Zwei Millionen Tonnen Kriegsmunition vor deutschen Küsten: Wird jetzt aufgeräumt?

Kiel - Massenhaft rotten alte Weltkriegsbomben seit Jahrzehnten auf dem deutschen Meeresgrund vor sich hin. Ein explosives Problem, das in den kommenden Jahren zu einer konkreten Gefahr werden könnte (TAG24 berichtete).

In der Ostsee vor Mecklenburg-Vorpommern wurden 2013 bereits zwei Wasserbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gezielt gesprengt.
In der Ostsee vor Mecklenburg-Vorpommern wurden 2013 bereits zwei Wasserbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gezielt gesprengt.  © DPA

1,6 Millionen Tonnen Kampfmittel sind es schätzungsweise auf dem Grund der Nordsee und Ostsee. 300.000 Tonnen chemische Kampfstoffe kommen noch dazu.

Das Problem wurde lange ignoriert. Zu lange? Jetzt will der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Schleswig-Holsteins Ressortchef Hans-Joachim Grote, es jedenfalls offensiv angehen.

"Für mich berührt das ganz klar die innere Sicherheit", sagte der CDU-Politiker dem RedaktionsNetzwerk Deutschland am Donnerstag. Die Beseitigung der Weltkriegsmunition sei eine Aufgabe von nationaler Bedeutung.

Der Kampf gegen die Weltkriegsmunition soll Thema auf der Innenministerkonferenz Mitte Juni in Kiel werden.

Der Grund: "Vor deutschen Küsten liegen nach wie vor fast zwei Millionen Tonnen an gefährlichen Torpedos, Seeminen und Sprengstoffen", sagte Grote.

Kampfmittel aus dem zweiten Weltkrieg wurden 2016 in der niedersächsischen Nordsee geräumt.
Kampfmittel aus dem zweiten Weltkrieg wurden 2016 in der niedersächsischen Nordsee geräumt.  © DPA

"Wir haben nach Ansicht von Experten nur noch 20 Jahre Zeit, diese tickenden, rostenden Zeitbomben aus dem Meer zu holen und zu entschärfen."

Was dies kosten würde, ist erstmal ungewiss.

Er strebe an, dass Bund und Länder die gefährliche Erbschaft als gemeinsames Problem anerkennen, sagte Grote der Deutschen Presse-Agentur. "Das können die Küstenländer nicht alleine stemmen." Das Finanzierungsthema beträfe insbesondere auch den Umgang mit den Kosten für die Bergung von Munition aus nicht deutscher Herkunft.

Nach der Kartierung, die inzwischen offenbar abgeschlossen ist, muss jetzt wohl ein Konzept zum stufenweisen Umgang mit den explosiven Hinterlassenschaften her.

Zumindest, wenn es nach Grote geht, der außerdem die Frage stellt: "Was kann und muss in welcher Reihenfolge noch geborgen werden?"

Wirtschaftszweige und Strände sind in Gefahr

Nach Schätzung des früheren schleswig-holsteinischen Umweltministers Robert Habeck (Grüne) wäre rein rechnerisch ein 3000 Kilometer langer Güterzug nötig, um allein den Abtransport der 1,6 Millionen Tonnen konventioneller Munition zu bewältigen.

In ganz Europa könnte es Experten zufolge um die zehnfache Menge gehen. Bisher wurde nur punktuell Munition aus dem Meer geborgen oder gezielt gesprengt.

Schon jetzt bestehe die Gefahr, dass wegen angeschwemmter Seeminen oder austretenden Phosphors ganze Strandabschnitte gesperrt werden müssten, erklärte Grote weiter. Außerdem gefährdeten Munitionsrückstände ganze Wirtschaftszweige:

"Minen und Bomben können Leitungen auf dem Meeresgrund zerstören, Windparks beschädigen, Seeschifffahrt behindern und Tourismus mancherorts unmöglich machen."

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