Zweiklassen-Gesellschaft 2. Fußball-Bundesliga: Ist das eigentlich noch fair?

Düsseldorf - Kommenden Freitag startet die zweite Liga in die neue Spielzeit. Es geht bei "Null" los, die Karten werden neu gemischt. Doch spielt der ein oder andere mit gezinkten Karten?

teuerster Verkauf der zweiten Liga. Weltmeister Benjamin Pavard verließ die Schwaben für 35 Millionen Euro zum FC Bayern.
teuerster Verkauf der zweiten Liga. Weltmeister Benjamin Pavard verließ die Schwaben für 35 Millionen Euro zum FC Bayern.  © Peter Kneffel/dpa

Gut, soweit kann man vielleicht nicht gehen. Betrug möchte und kann man mit Sicherheit keinem vorwerfen. Aber dennoch ist auffällig, dass die Aufstiegs-Aspiraten in diesem Jahr mit einem dicken Bonus in die Zweitliga-Saison starten.

Wenn man sich über die Favoritenrollen der diesjährigen Zweitliga-Saison unterhält, fallen mit hoher Wahrscheinlichkeit die Namen von Klubs wie dem VfB Stuttgart, Hannover 96, 1.FC Nürnberg oder dem Hamburger SV.

Zum einen, weil Bundesliga-Absteiger meist immer als Favoriten ins Rennen gehen, zum anderen aber, wie am Beispiel des HSV festgemacht, auch Vereine in der zweiten Liga spielen (mit Hamburg nun bereits das zweite Jahr in Folge), die kraft ihrer Historie und wirtschaftlichen Möglichkeiten, Liga zwei maximal vom Hörensagen kennen sollten.

Und da ist man dann schon beim Kern. Das finanzielle Spitzenquartett um Hamburg, Stuttgart, Nürnberg und Hannover hat vor dieser Saison satte 30 Millionen Euro in Spieler investiert. Die restlichen 14 Zweitligisten gerade mal ein Sechstel davon - zusammen versteht sich.

Sicherlich, Hamburg und Stuttgart haben auch durch Verkäufe von teuren Spielern profitiert, die Erstliga-Format haben und den Vereinen entsprechende Ablösesummen einbringen konnten.

So verkaufte der VfB beispielsweise Weltmeister Pavard für 35 Millionen Euro nach München, der Hamburger Sportverein Douglas Santos (endlich) für 12 Millionen nach Sankt Petersburg. Nicht zu vergessen sind die Fernsehgelder, die für die Bundesliga-Absteiger und den langjährigen Dino HSV deutlich höher ausfallen, als bei den anderen Klubs.

In Aue steht die lila Null

Teuerster Transfer in Liga zwei: Der HSV lässt sich die Dienste vom 23-jährigen David Kinsombi 3Millionen Euro kosten.
Teuerster Transfer in Liga zwei: Der HSV lässt sich die Dienste vom 23-jährigen David Kinsombi 3Millionen Euro kosten.  © Frank Molter/dpa

Und dennoch ist es erstaunlich, wenn man sich die nackten Zahlen ansieht:

Vereine wie Greuther Fürth haben sich ihren teuersten Neuzugang, Paul Seguin vom VfL Wolfsburg, gerade einmal 300.000 Euro kosten lassen. Bei neun Abgängen hat man lediglich bei Innenverteidiger Mario Maloca überhaupt eine Ablösesumme bekommen - 150.000 Euro vom polnischen Erstligisten Lechia Danzig.

Die Veilchen von Erzgebirge Aue haben sogar bei 17 Transfers (zehn Zu- und sieben Abgänge) nicht bei einem einzigen Spieler Ablösesummen gezahlt oder erhalten. Alle Spieler kommen aus der Jugend, werden oder wurden verliehen oder kamen bzw. gingen ablösefrei!

Der teuerste Zweitliga-Zugang ist David Kinsombi. Der HSV holte den defensiven Mittelfeldakteur vom Liga-Kontrahenten Holstein Kiel. Stuttgart verpflichteten für je 2,5 Millionen Euro Philipp Klement und Sasa Kalajdzic. Letzterer verletzte sich erst kürzlich schwer am Knie, wird dem VfB für Monate fehlen.

Man darf gespannt sein, wie sich die finanziellen Rahmenbedingungen der 18 Zweitligisten letztlich auf das Geschehen auf dem Rasen auswirken werden. Aber man erinnere sich immer an Alfred Preißler der einst sagte: "Grau ist alle Theorie – entscheidend is auf'm Platz".

Ob der VfB den erneuten sofortigen Wiederaufstieg packen Kann? Dem Stuttgarter Anhang wäre es zu wünschen.
Ob der VfB den erneuten sofortigen Wiederaufstieg packen Kann? Dem Stuttgarter Anhang wäre es zu wünschen.  © Sebastian Kahnert/dpa
Auch Hannover-Präsident Martin Kind würde sich einen direkten Wiederaufstieg wünschen.
Auch Hannover-Präsident Martin Kind würde sich einen direkten Wiederaufstieg wünschen.  © Julian Stratenschulte/dpa

Mehr zum Thema 2. Bundesliga:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0