80.000 Tonnen radioaktiv belasteter Straßenschutt entdeckt

Crossens Ortsbürgermeister
Stefan Kramer (70)
ahnt: Es warten noch weitere
Wismut-Überraschungen
im Boden.
Crossens Ortsbürgermeister Stefan Kramer (70) ahnt: Es warten noch weitere Wismut-Überraschungen im Boden.  © Meinhold/Zschage

Zwickau - Die Straßenbauarbeiten an der B175 bei Mosel - jetzt platzte dort die „Atom-Bombe“: Unglaubliche 80.000 Tonnen radioaktiv belasteten Straßenschutt haben die Arbeiter dort entdeckt und mussten diesen entsorgen.

Doppelt so viel, wie das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) eigentlich erwartet hatte, räumte Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert (39) auf TAG24-Anfrage ein.

Stefan Cramer (70), Ortsvorsteher des Zwickauer Ortsteils Crossen, schwant Böses: „Das wird nicht die letzte Wismut-Überraschung gewesen sein“, sagt er. In Crossen, wo einst die Uran-Wäsche der Wismut AG stand, kennt man sich mit dem Problem des radioaktiven Erbes nur zu gut aus.

„Früher haben die Leute hier ein Dosimeter bekommen, um die Strahlendosis zu messen“, sagt Kramer. Ohne Rücksicht auf Mensch und Umwelt sei gearbeitet worden: „Hier war alles tief kontaminiert.“

Kramer glaubt zwar, dass von dem ehemaligen Wismut-Werksgelände in Crossen derzeit keine Gefahr mehr ausgehe. „Aber es ist verboten, sich dort dauerhaft aufzuhalten.“

Kramers große Sorge: Die 80.000 Tonnen strahlender Straßenschutt sind nicht die letzten ihrer Art. „Nur die Wismut selbst weiß, wo überall sowas noch rumliegt.“ Zu DDR-Zeiten war es gang und gäbe, dass der Wismut-Schotter in der Region für den Straßenbau verwendet wurde oder auch in Gärten Verwendung fand.

„Erst in den 1980er-Jahren wurde verboten, den Wismut-Schotter innerhalb von Ortschaften zu verwenden“, so Kramer.

Titelfoto: Meinhold/Zschage