Trend E-Bikes: Nachrüster aus Zwickau fährt ganz vorn mit

Zwickau/Crottendorf - Überzeugte Enthusiasten, die bei Wind und Wetter aufs Rad steigen, sind die fünf Gründer von Pendix nicht unbedingt.

Ein Fahrrad-Akku der Pendix GmbH ist an einem Fahrrad montiert. Das Zwickauer Unternehmen ermöglicht mit einem Nachrüstantrieb bestehend aus einem Scheibenmotor und Akku das Aufrüsten von Fahrrädern zum E-Bike.
Ein Fahrrad-Akku der Pendix GmbH ist an einem Fahrrad montiert. Das Zwickauer Unternehmen ermöglicht mit einem Nachrüstantrieb bestehend aus einem Scheibenmotor und Akku das Aufrüsten von Fahrrädern zum E-Bike.  © dpa/Sebastian Kahnert

Die Entwickler eines nachrüstbaren Elektroantriebs für Fahrräder kommen aus dem Automobilbau. "Aber auch wir sind auf den Geschmack gekommen und fahren deutlich mehr Rad", sagt Thomas Herzog.

Das Rad als Alternative zum Auto - zur Gründung 2013 seien sie für diese Idee noch belächelt worden. Inzwischen ist Mikromobilität in aller Munde, mehr Radverkehr nicht zuletzt mit Blick auf den Klimawandel erwünscht.

2018 wurden knapp eine Million Stück verkauft, doppelt so viele wie vor vier Jahren (2014: 480.000) und 36 Prozent mehr als 2017 (720.000). Insgesamt sind es demnach aktuell rund 4,5 Millionen E-Bikes.

Auch Pendix - im Namen klingt es an - hat die Pendler im Blick. Am Morgen mit Unterstützung ins Büro radeln, abends ein Workout mit ausgeschaltetem Antrieb, so die Idee der Zwickauer Ingenieure. Mittlerweile produziert das einstige Start-up mit Sitz in der Automobilstadt Zwickau und Produktionsstandort im nahe gelegenen Wilkau-Haßlau vierstellige Stückzahlen und erwirtschaftet mit 35 Mitarbeitern einen mittleren Millionenbetrag. Nach eigenen Angaben ist Pendix Markführer in diesem Segment, laut ZIV der derzeit bekannteste Nachrüster.

Auch andere Firmen spielen in der Nachrüst-Branche mit

Monteur Uwe Pommer prüft in der Produktion der Pendix GmbH einen Scheibenmotor auf Dichtigkeit.
Monteur Uwe Pommer prüft in der Produktion der Pendix GmbH einen Scheibenmotor auf Dichtigkeit.  © dpa/Sebastian Kahnert

Die Binova GmbH aus Dresden hat sich auf das Umrüsten von Trikes, Hand- und Liegerädern spezialisiert.

Von knapp 2000 Euro an sind diese zu haben. Das kleine Unternehmen liefert nicht nur die elektrischen Antriebe, sondern auch die Software dazu. Damit können die Räder so umgerüstet werden, dass sie auch bei Lähmungen und Behinderungen bedient werden können.

"Nachrüsten ist sicher noch immer eine Nischenlösung", räumt Pendix-Technikchef Christian Hennig ein. Doch es sei nachhaltiger, weil man sich kein neues Fahrrad kaufen müsse. Möglich machen das ein kleiner Elektromotor und ein rund 30 Zentimeter hoher Zylinder in mattem Schwarz, der mit seinem Design eher an eine Trinkflasche als an einen Akku erinnert. Der Motor wird am Tretlager eingebaut, die Lithium-Ionen-Batterie treibt ihn an. Je nach Ausführung bietet er zwischen 105 und 160 Kilometern Reichweite. Kosten: von 1500 Euro aufwärts.

Der nachrüstbare Antrieb ist längst nicht die einzige aktuelle Fahrrad-Entwicklung "Made in Sachsen": Im Erzgebirge wird am ersten Kunststoffrad aus einem (Spritz-)Guss getüftelt. Gemeinsam mit der TU Chemnitz arbeitet die Firma Hugo Stiehl aus Crottendorf daran, einen Sensor direkt in den faserverstärkten, ultraleichten Rahmen einzuspritzen.

Mit dem smarten Rad betritt der Familienbetrieb Neuland. Mithilfe des Sensors soll das Rad Auskunft über Stürze geben und zum Beispiel melden, wenn der Rahmen gebrochen oder verzogen ist. Die Serienproduktion soll noch 2019 beginnen.

Titelfoto: dpa/Sebastian Kahnert

Mehr zum Thema Zwickau:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0