Auschwitz Komitee verurteilt Zerstörung von Denkmal für NSU-Opfer in Zwickau

Berlin/Zwickau - Das Internationale Auschwitz Komitee verurteilt die wiederholte Schändung des Mahnmals für die Opfer der rechtsextremen Terrorzelle NSU in Zwickau.

Am Freitag wurde ein zum Gedenken an die NSU-Opfer gepflanzter Baum abgesägt.
Am Freitag wurde ein zum Gedenken an die NSU-Opfer gepflanzter Baum abgesägt.  © dpa/Stadtverwaltung Zwickau

Auschwitz-Überlebende seien tief besorgt über die zunehmende gezielte Zerstörungswut der rechtsextremen Szene in Deutschland, die immer wieder versuche, Erinnerungsorte für Opfer rechtsextremen Hasses aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, teilte das Komitee am Montag in Berlin mit.

Unbekannte hatten in der Nacht zum Sonntag eine erst am Freitag aufgestellte Holzbank mit einer Inschrift zum Gedenken an die NSU-Opfer zerstört (TAG24 berichtete). Am Freitag wurde ein ebenfalls zum Gedenken gepflanzter Baum von Unbekannten abgesägt. Die Eiche sollte an das erste NSU-Opfer Enver Simsek erinnern (TAG24 berichtete).

Nach Angaben der Polizeidirektion Zwickau vom Montag gibt es bislang keine neuen Erkenntnisse zu den Tätern. Die Bank sei zur Spurensuche sichergestellt worden. Der Staatsschutz ermittele.

Neue Bäume sollen gepflanzt werden

Der Baum war Teil eines Gedenkortes für Enver Simsek, dem ersten NSU-Mordopfer, und wurde von Unbekannten abgesägt.
Der Baum war Teil eines Gedenkortes für Enver Simsek, dem ersten NSU-Mordopfer, und wurde von Unbekannten abgesägt.  © dpa/Sebastian Willnow

In wenigen Wochen werden Auszubildende der Volkswagen AG aus Zwickau, Chemnitz und Wolfsburg gemeinsam mit polnischen Kollegen in Zwickau neue Bäume zum Gedenken an die Opfer rechtsextremer Gewalt pflanzen, teilte das Komitee weiter mit.

Die Azubis hatten an einem zweiwöchigen Projekt in der Gedenkstätte Auschwitz teilgenommen, das vom Internationalen Auschwitz Komitee initiiert worden war.

Der NSU hatte jahrelang unerkannt in Zwickau im Untergrund gelebt. Die Gruppierung, zu der außer Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt noch Beate Zschäpe gehörte, wird für neun Morde an Ausländern, für die Tötung einer deutschen Polizistin sowie für zwei Sprengstoffanschläge und diverse Raubüberfälle verantwortlich gemacht.

2016 war in Zwickau schon einmal ein Mahnmal geschändet worden (Tag24 berichtete) - eine aus mehreren Bänken mit den Namen der Opfer bestehende Installation.

Update 14.30 Uhr: Mit Blumen und einer Schweigeminute gegen den Hass: In Zwickau haben sich am Montagmittag rund 120 Menschen an dem von Unbekannten abgesägten Gedenkbaum für Enver Simsek versammelt.

Dazu aufgerufen hatten Schüler eines Gymnasiums in unmittelbarer Nähe des Gedenkortes. "Wir wollen keine Nazi-Stadt sein und wir sind auch keine Nazi-Stadt, doch wir haben ein Problem mit Rechtsextremismus", sagte Jakob Springfeld, Mitinitiator des spontanen Gedenkens an Simsek, das erste Mordopfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU).

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