Archäologen machen in Zwickau einen interessanten Fund

Die Grabungstechnikerin Cornelia Schnabel untersucht im Auftrag des Landesamtes für Archäologie einen Fund, den sie im Boden des Gewandhauses in Zwickau (Sachsen) entdeckt hat.
Die Grabungstechnikerin Cornelia Schnabel untersucht im Auftrag des Landesamtes für Archäologie einen Fund, den sie im Boden des Gewandhauses in Zwickau (Sachsen) entdeckt hat.  © DPA

Zwickau - Beinahe liebevoll streicht Cornelia Schnabel über die etwa vier mal fünf Zentimeter große Keramikscherbe.

"Das ist schon ein bisschen mein Lieblingsstück dieser Grabung", sagt die 56-Jährige lächelnd. Als Grabungstechnikerin ist sie im Auftrag des Landesamts für Archäologie seit Ende Januar damit beschäftigt, den Untergrund des Zwickauer Gewandhauses zu erkunden.

Die wichtigste Spielstätte des Theaters Plauen-Zwickau wird in den kommenden zwei Jahren für rund 14 Millionen Euro umfassend saniert. Bevor die Arbeiten im Inneren des von 1522 bis 1525 errichteten Gebäudes richtig losgehen, konnten die Archäologen auf Spurensuche gehen.

Neben den Keramik-Überresten, bei denen es sich laut Expertin vermutlich um einen Krug aus dem 15. Jahrhundert handelt, wurden Tierknochen und ein altes Fundament gefunden. "Historische Quellen belegen, dass es einen Vorgängerbau gegeben hat. Aber nun haben wir erstmals einen greifbaren Nachweis", freut sich Rebecca Wegener, Gebietsreferentin des Landesamts.

Wenn man genau hinsieht, erkennt man Farbunterschiede im Boden. Die schwarzen Stellen weisen demnach Holzkohle auf.

Die Grabungstechnikerin Cornelia Schnabel untersucht mit einer Kelle den Untergrund im Gewandhaus Zwickau.
Die Grabungstechnikerin Cornelia Schnabel untersucht mit einer Kelle den Untergrund im Gewandhaus Zwickau.  © DPA

Die Fachleute sprechen von einer Brandschutt-Schicht. Wahrscheinlich wurde der Vorgängerbau oder die Vorgängerbauten - das muss die Auswertung erst noch ergeben - beim großen Stadtbrand von 1403 zerstört, wie Steffi Haupt, Leiterin der Zwickauer Denkmalbehörde, erläutert.

Wie damals üblich wurde das neue Haus auch mit alten Baumaterialien gebaut. Cornelia Schnabel fand bei ihrer Arbeit im einstigen Theaterfoyer vier große Spolien, so nenne man bearbeitete Steine, die wiederverwendet werden. Diese sollen nach Angaben der obersten Denkmalpflegerin der Stadt geborgen, restauriert und später in geeigneter Form präsentiert werden.

Das sei dann aber außer den Scherben auch schon alles, was sie aus dem Boden herausholen würden, sagt Archäologin Wegener. Denn anders als landläufig oft angenommen, belasse ihre Wissenschaft gefundene Spuren am liebsten für die Nachwelt im Boden. "Ausgraben ist immer das letzte Mittel, denn auch das ist letztendlich eine Zerstörung", sagt sie.

Stattdessen werden alle Befunde minuziös dokumentiert, bevor sie unter einem Vlies gut geschützt wieder in der Erde verschwinden. Bei großen Bauvorhaben ist das Landesamt demnach routinemäßig eingebunden, um im Vorfeld nach Spuren zu suchen, bevor diese durch Bauarbeiten zerstört werden.

Wo die Archäologen suchen müssen, sei vor allem aus alten Dokumenten ersichtlich. So verfüge allein das Landesamt mit Sitz in Dresden über Ortsakten, die bis in die 1870er Jahre zurückreichten. Nur etwa zehn bis 30 Prozent der Denkmäler in Sachsen seien überhaupt bekannt, vieles liege nach wie vor im Dunkeln - sprichwörtlich. "Beim Stadtkern von Zwickau war allerdings klar, das wir etwas finden werden", sagt Wegener. Daher habe man die Möglichkeit genutzt, um in den Boden zu schauen.

Das allerdings läuft streng nach Bauplan ab. So durfte Cornelia Schnabel nur bis in eine Tiefe von 55 Zentimeter gehen - genauso tief wie die Arbeiten für die neue Bodenplatte ohnehin vorgesehen sind. Anfangs hätten die Bauarbeiter skeptisch bis belustigt reagiert, als sie mit ihrem Handfeger bewaffnet auf der Matte stand. "Ich sage dann immer, ich komme zum Putzen. Wir nennen das tatsächlich so", erzählt sie.

In wenigen Tagen allerdings ist die Arbeit vor Ort erledigt, dann geht es zur Auswertung ins Büro.

Im Zwickauer Theater beginnt nach Entkernung und Rückbau Anfang April die eigentliche Sanierung. Im Frühjahr 2019 soll das denkmalgeschützte Gebäude in einer Mischung aus klassischer Theateratmosphäre und offener Raumgestaltung wieder eröffnen.

Dafür werden Foyer, Treppenaufgang sowie Besuchergarderobe neu gestaltet und die etwa 370 Sitzplätze ausgetauscht. Zudem werden Dach, Fassade, Sanitäranlagen und Technik erneuert.

Die Fassade des Gewandhauses in Zwickau (Sachsen) zeigt am 09.03.2017 deutliche Risse. In den kommenden zwei Jahren soll das Theater umfassend saniert werden.
Die Fassade des Gewandhauses in Zwickau (Sachsen) zeigt am 09.03.2017 deutliche Risse. In den kommenden zwei Jahren soll das Theater umfassend saniert werden.  © DPA