AfD-Kranz beschädigt: Tumulte überschatten Einweihung von Gedenkstätte in Zwickau

Zwickau - In Zwickau erinnern seit Sonntag zehn Bäume an die Mordopfer der Neonazi-Terrorzelle NSU. Am Rand der Gedenkveranstaltung auf der Schwanenteich-Wiese kam es zu Tumulten.

An der Gedenkveranstaltung am Zwickauer Schwanenteich nahmen rund 450 Personen teil.
An der Gedenkveranstaltung am Zwickauer Schwanenteich nahmen rund 450 Personen teil.  © Pro Picture/Ralph Köhler

Wie die Polizei mitteilt, nahmen an der Veranstaltung am Sonntagmorgen am Zwickauer Schwanenteich rund 450 Personen teil.

Es gab Redebeiträge und eine Gedenkminute für die Opfer des NSU-Terrors. "Wir zeigen, dass der NSU ein Teil der Zwickauer Geschichte ist", sagte Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) zur Einweihung des Gedenkortes. Die Gedenkbäume mit den Namen der Opfer sollen auch ein Zeichen der Hoffnung und eine Mahnung sein, sich für Toleranz und Demokratie einzusetzen.

Am Rande der Veranstaltung kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen ein paar Teilnehmern und der Polizei.

Auslöser war eine junge Frau, die einen Kranz der AfD-Stadtratsfraktion beschädigt hatte. Einige Teilnehmer verteidigten die Frau. Ihrer Ansicht nach, seien Blumen, die von einer Partei, die rechtes Gedankengut verbreite, eine Verhöhnung der Opfer.

Die Polizei hat allerdings Ermittlungen wegen Sachbeschädigung aufgenommen, da nach ersten Informationen der AfD-Schriftzug aus der Schleife des Kranzes gerissen worden sein soll. Nach der Gedenkveranstaltung stellten die Beamten die Identität der Frau fest. Etwa 100 Veranstaltungsteilnehmer bekundeten ihren Unmut über diese Maßnahme und sollen Zeugenaussagen zufolge mit Sprechchören die Polizisten als Faschisten bezeichnet haben. Die Frau wurde inzwischen aus der polizeilichen Maßnahme entlassen.

Polizei zieht positives Fazit zur Gedenkveranstaltung

Am Rande der Einweihung kam es zu leichten Tumulten zwischen den Teilnehmern und der Polizei.
Am Rande der Einweihung kam es zu leichten Tumulten zwischen den Teilnehmern und der Polizei.  © Pro Picture/Ralph Köhler

Insgesamt verlief die Veranstaltung friedlich und störungsfrei. "Zwischenfälle während der Veranstaltung die ein polizeiliches Einschreiten notwendig gemacht hätten, gab es nicht", so ein Sprecher der Polizei Zwickau.

Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe haben jahrelang in Zwickau im Untergrund gelebt. Sie sollen für neun Morde an Ausländern und die Tötung einer Polizistin verantwortliche sein. Sie sollen auch Sprengstoffanschläge und Überfälle begangen haben.

Anfang Oktober war in Zwickau ein Gedenkbaum für das erste Opfer der Rechtsterroristen abgesägt worden (TAG24 berichtete). Diese Tat hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt und eine Solidaritätswelle ausgelöst. Insgesamt gingen rund 14.000 Euro Spenden ein.

Am Montag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (65, CDU) in Zwickau erwartet, wo sie am Gedenkort Blumen niederlegen will.

Titelfoto: Pro Picture/Ralph Köhler

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