Hat sie noch ein zweites Baby sterben lassen?

Zwickau - Im Prozess um einen toten Säugling in Wilkau-Haßlau nahe Zwickau steht die Angeklagte im Verdacht, für den Tod eines weiteren Babys verantwortlich zu sein.

Anja G. beim Prozessauftakt in Zwickau.
Anja G. beim Prozessauftakt in Zwickau.  © Maik Börner

Wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag bei der Verhandlung am Landgericht Zwickau auf Frage des Vorsitzenden Richters bestätigte, ist gegen die 33-jährige Frau ein weiteres Ermittlungsverfahren eröffnet worden. Es gehe um den Verdacht auf Totschlag, sagte Staatsanwältin Ines Leonhardt im Anschluss auf Nachfrage.

"Es könnte in Betracht gezogen werden, dass die Angeklagte Mitte 2015 ein weiteres Kind zur Welt gebracht hat", sagte der Vorsitzende Richter Klaus Hartmann. Der Verdacht gründet sich auf neue Erkenntnisse durch zusätzliche Untersuchungen von Internetverläufen auf dem Handy der Angeklagten.

Tiefer gehende Auswertungen von sogenannten Usage-Reports hätten ergeben, dass die Angeklagte zwischen dem 1. März und dem 6. Mai 2015 wiederholt Seiten mit Verweisen auf Babyklappen, Hausgeburten oder auch Medikamente für Beschwerden während und nach einer Schwangerschaft aufgerufen hatte.

Auf dieser Wiese in Culitzsch wurde das tote Baby im Sommer 2017 gefunden.
Auf dieser Wiese in Culitzsch wurde das tote Baby im Sommer 2017 gefunden.

Nach Aussagen des sachverständigen Kriminaltechnikers vor Gericht seien die Verläufe im normalen Ordner gelöscht worden, nicht jedoch in diesem speziellen Ordner des benutzten Browsers, auf den Nutzer keinen Zugriff hätten.

Die Dateien seien bei der vorherigen Auswertung des Handys nicht gefunden worden, weil die Untersuchungssoftware einen eklatanten Fehler habe, sagte der Sachverständige.

Die Angeklagte wollte sich zu den neuen Erkenntnissen nicht äußern. Ihr Anwalt kündigte für den nächsten Verhandlungstag am 25. April eine Erklärung an. Die Mutter von vier Kindern, von denen sie eins anonym zur Welt gebracht und zur Adoption freigegeben hatte, ist wegen Totschlags durch unterlassen angeklagt.

Der Frau wird vorgeworfen, Anfang August 2016 ein Kind geboren, anschließend nicht versorgt und dann auf einer Wiese in Ortsteil Culitzsch abgelegt zu haben. Dort war der Leichnam rund zehn Monate später gefunden worden. Zum Prozessauftakt hatte die Angeklagte die Tat gestanden.


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