Gedenkbaum für NSU-Mordopfer Simsek in Zwickau abgesägt

Zwickau - Ein in Gedenken an ein Mordopfer der Terrorzelle NSU gepflanzter Baum ist in Zwickau nach Angaben der Stadt abgesägt worden.

Unbekannte haben das Glockenspiel auf dem Schumannplatz in Zwickau beschädigt.
Unbekannte haben das Glockenspiel auf dem Schumannplatz in Zwickau beschädigt.  © Ralph Koehler

"Das Absägen des Baumes zeugt von Intoleranz, mangelndem Demokratieverständnis und von Verachtung gegenüber Terroropfern und deren Angehörigen", wurde Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) in einer Mitteilung von Donnerstag zitiert.

Die deutsche Eiche im Schwanenteichpark sollte an Enver Simsek erinnern. Am 9. September 2000 feuerten die Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Nürnberg neunmal auf den Blumenhändler, der in seinem Wagen Pflanzen sortierte. Simsek starb zwei Tage später an den Folgen seiner Schussverletzungen.

Die Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatte fast 14 Jahre lang im Untergrund gelebt - zuletzt in Zwickau. Sie war 2011 aufgeflogen. In dieser Zeit ermordeten die beiden Männer neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine Polizistin. Zudem begingen sie zwei Sprengstoffanschläge mit vielen Verletzten und mehr als ein Dutzend Raubüberfälle. Am Ende nahmen sich Mundlos und Böhnhardt das Leben.

Erst Anfang der Woche haben Unbekannte das Glockenspiel auf dem Schumannplatz in Zwickau beschädigt. Sie verbogen die Buchstaben "U" und "M" des Schriftzuges "Klangraum". Auch die neu eingerichtete Büchertelefonzelle am Zwickauer Schumannplatz/Ecke Hauptstraße steht wurde am vergangenen Wochenende leer geräumt.

2016 war in Zwickau schon einmal ein Mahnmal für die NSU-Opfer geschändet worden. Die aus mehreren Bänken mit den Namen der Opfer bestehende Installation wurde mit Farbe beschmiert und das Holz beschädigt (TAG24 berichtete). Oberbürgermeisterin Findeiß kritisierte damals die Gleichgültigkeit der Bevölkerung und zog einen Vergleich zur Pogromnacht.

1938 habe die Bevölkerung auch hingenommen, dass Menschen verhaftet worden sind. "Und es gibt jetzt auch keinen Aufschrei, wenn das Andenken geschändet wird an die Opfer des NSU." Sie wolle nicht unterstellen, dass es flächendeckend rechtsextremistisches Gedankengut gebe. "Aber es ist Ignoranz, es ist Gleichgültigkeit", sagte sie damals.

Ein in Gedenken an ein Mordopfer der Terrorzelle NSU gepflanzter Baum ist in Zwickau nach Angaben der Stadt abgesägt worden.
Ein in Gedenken an ein Mordopfer der Terrorzelle NSU gepflanzter Baum ist in Zwickau nach Angaben der Stadt abgesägt worden.  © Stadt Zwickau

Titelfoto: Stadt Zwickau

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