Klartext-Richter Zantke will nicht für politische Meinungsmache herhalten

Hamburg/Zwickau - Er wurde als "Klartext-Richter" und "Richter Gnadenlos" bekannt: Stephan Zantke (57), Richter am Zwickauer Amtsgericht, sorgte mit seinem Buch "Wenn Deutschland so scheiße ist, warum sind Sie dann hier?" für Schlagzeilen (TAG24 berichtete).

Das Buch ist im Riva-Verlag erschienen.
Das Buch ist im Riva-Verlag erschienen.

In der Talkrunde bei Markus Lanz (50) stellte Zantke aber klar, dass er sich nicht für politische Meinungsmache instrumentalisieren lassen will.

"Die Justiz ist weder auf dem linken, noch auf dem rechten Auge blind. Wir sind Richter und wenden das Gesetz an", erzählte Zantke. "Ob eine linke Demonstrantin einen Stein auf einen Polizisten wirft oder ein rechter Demonstrant mit einer Eisenstange auf den Polizisten losgeht. Es sind beides gefährliche Körperverletzungen und beide haben dasselbe Strafmaß."

In der sachlichen Diskussion, neben Moderator Lanz unter anderem auch mit der ehemaligen Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (67, FDP), forderte Richter Zantke vor allem mehr Konsequenz von seinen Kollegen. "Es müsste mehr Konsequenz angewandt werden bei der Rechtssprechung", sagte er. Zur Sprache kam ein Fall den er verhandelte, bei dem der Angeklagte bereits dreimal eine Bewährungsstrafe erhalten hatte. "Und dann fragte die Verteidigerin mich, ob man diesmal nicht doch noch nochmal eine Bewährung machen könnte."

Letztendlich könne auch Zantke nicht sagen, warum manche seiner Richter-Kollegen milde Urteile verhängen. "Was ich aber nicht akzeptieren will, ist, dass eine generelle Regel existiert, dass Urteile der ersten Instanz immer milder werden müssen."

© Klaus Jedlicka

Zantke erzählte auch noch einmal, wie es eigentlich zu seinem folgenschweren Satz kam, der ihm so viel Aufmerksamkeit beschwerte.

"Es war so, dass der Angeklagte seine Opfer beschimpft hat. Er sagte zu einer Dame 'Nazihure' und 'Nazideutschland' gleich hinterher. Dann kam es zu einer Auseinandersetzung mit Zeugen, die er als 'scheiß Deutsche' beschimpfte. Und in anderen Situationen schimpfte er auf dieses 'scheiß Deutschland'. Und nachdem ich so oft von den Zeugen gehört hatte, wie der Angeklagte über dieses Land schimpfte, er hatte in seiner Asylunterkunft mehrfach randaliert, Schäden von 8000 Euro verursacht, da hatte ich dann das Bedürfnis ihn zu fragen, wenn es denn hier wirklich so schlimm ist, warum ist er dann hier in diesem Land, das ihm eine Unterkunft gibt, das ihm Essen, Trinken, Heizung gibt."

Vom Täter gab es darauf übrigens keine Antwort. Am Ende verhängte Zantke eine Strafe von zwei Jahren und sechs Monaten.

In der Talkrunde bei Markus Lanz (50) stellte Zantke aber klar, dass er sich nicht für politische Meinungsmache instrumentalisieren lassen will.
In der Talkrunde bei Markus Lanz (50) stellte Zantke aber klar, dass er sich nicht für politische Meinungsmache instrumentalisieren lassen will.  © DPA

Der Angeklagte ging dagegen in Berufung. "Soweit ich weiß, ist er zum Prozess aber nicht erschienen, insofern wurde die Berufung verworfen. Aber das Urteil ist noch nicht vollstreckt. Ob das jemals der Fall sein wird, weiß ich nicht. Er hatte schon bei meiner Verhandlung mehrere Identitäten. Ich weiß nicht, war es ein Libyer, Marokkaner oder Algerier, der da vor mir saß."

Für seine Aussagen gab es vom Studiopublikum immer wieder Applaus. Wichtig war Zantke aber auch klarzustellen, dass nicht alle Flüchtlinge kriminell sind. "Aber die, die es sind, sind ein echtes Problem, weil wir hier Intensivtäter haben. Die machen nicht einen Diebstahl, sondern fünf. Das versaut natürlich auch die Statistik, denn dann haben wir, so wie jetzt in Sachsen, rund 30 Prozent ausländische Straftäter."

Titelfoto: Klaus Jedlicka

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