Zwischen Kult und Kindergarten - ein Rückblick auf die Kuppelshows 2018

Berlin - Das Fernsehjahr 2018 neigt sich dem Ende zu und wenn wir es Revue passieren lassen, fallen uns sofort die Kuppel-Shows ein, die uns die Schamesröte ins Gesicht trieben.

Nackte Tatsachen, Ohrfeigen, sinnfreie Konversation - kaum ein Format scheint so wenig vor Peinlichkeiten gefeit zu sein wie die Sendungen, in denen zwei Menschen zueinander finden sollen.

Großartige Dialoge gibt es in den Kuppel-Shows freilich schon. Es ist nur eine Frage der Sichtweise und Erwartungshaltung. Und was erwarten wir etwa von 22 Frauen, die um den Bachelor buhlen? Sicher keine geistigen Hochleistungen, sondern eher Aussagen wie “Ich arbeite zur Zeit als Hostess, freiberuflich (…) Ich habe keine Lust, die ganze Zeit von Montag bis Freitag komplett den ganzen Tag zu arbeiten”.

Das macht natürlich Eindruck. Doch es geht auch ambitionierter: Eine Kandidatin der 2018er-Ausgabe will “ein Imperium aufbauen wie Walt Disney” und wer rausfliegt, bedankt sich beim Bachelor auch schon mal mit einer Ohrfeige. Wahnwitz vs. Größenwahn.

© Katarzyna Białasiewicz / 123RF

Die Bauern suchen noch immer

Als 2005 die erste Staffel von “Bauer sucht Frau” über den Äther lief, saßen viele Zuschauer staunend vor dem TV und wunderten sich über Männer, denen fernab der nächsten Stadt offensichtlich außer der eigenen Mutter noch nie eine Frau über den Weg gelaufen ist.

Nun, mit Ende 40, soll endlich jemand her, der Mama als Köchin ablöst und möglichst gut mit Tieren kann. Mehr als fünf Millionen Deutsche finden das offenbar so spannend, dass sie jeden Montagabend gebannt vor dem Fernseher sitzen. Immerhin scheint die Sendung ihren eigentlichen Zweck zu erfüllen: Einige Paare sind noch immer zusammen und haben sogar geheiratet.

Seitdem ist viel passiert und wir erwischen uns immer wieder dabei, wie wir uns die ländliche Idylle der jungfräulichen Bauern herbeisehnen. Stattdessen sehen wir nackte Prolls, die barbusigen It-Girls den Hof machen und dabei teilweise noch unbeholfener wirken als die Protagonisten in “Bauer sucht Frau”.

Ums Heiraten scheint es in Dating-Reality-Shows wie “Adam sucht Eva” oder “Naked Attraction” weniger zu gehen als vielmehr um die Präsentation übermächtiger Egos und mindestens genauso großer Silikonbrüste.

Das störte auch Cathy Lugner nicht, die Anfang 2018 mit der Fleischbeschau die Erinnerungen an ihren 86-jährigen Ex, Baulöwe Mörtel Lugner, auslöschen wollte.

Es geht auch anders

Bei so viel nackten Tatsachen freut man sich immer wieder über neue Kuppel-Shows mit Niveau wie “First Dates - Ein Tisch für zwei”, bei denen Singles von Starkoch Roland Trettl zum gemeinsamen Dinner empfangen werden.

Sat1 hat in diesem Jahr sein Herz für Rentner entdeckt und das “Hotel Herzklopfen” gestartet. Statt Zynismus und Klischees setzt man hier auf Seriosität und Mitgefühl. Ist das die Zukunft der Kuppel-Shows? Sicher nicht. Man muss sich nur die Einschaltquoten anschauen - viel Fremdschämen heißt gute Quote.

Und so dürfen wir uns auch das TV Programm 2019 sicher wieder auf kultige Dialoge, nackte Inselbewohner und liebesbedürftige Randgruppen freuen, die auf der Suche nach dem perfekten Partner sind. Der muss ja nicht immer intelligente Aussagen von sich geben oder gut kochen können.

Manchmal scheint es auch schon zu reichen, mit peinlichen Sprüchen aufzufallen und sich damit für eine Karriere als Instagram-Influencer zu empfehlen.


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