Silvester mit Hund: So bekommt man die Angst vor Böllern in den Griff

Silvester ist für Hunde nicht ganz unproblematisch, denn die Tiere haben sehr feine Sinnesorgane, sodass die Böllerei sowie die Geruchs- und Lichteinwirkung der Feuerwerkskörper Hunde unter enormen Stress setzen kann.

Dieses Jahr wird Silvester wohl etwas ruhiger, für Hunde aber kann es wegen ihrer scharfen Sinne trotzdem stressig werden.
Dieses Jahr wird Silvester wohl etwas ruhiger, für Hunde aber kann es wegen ihrer scharfen Sinne trotzdem stressig werden.  © 123RF/nunataki

Der kommende Jahreswechsel wird in Deutschland voraussichtlich ruhiger wegen der zahlreichen Böller-Verbotszonen und dem Verkaufsverbot bestimmter Feuerwerkskörper. Allerdings gab es die auch schon letztes Jahr und insgesamt dennoch ganz schön viel Gerummel am Himmel.

Viele haben noch Böller-Reste zu Hause, beschaffen sich auf illegalem Wege Knaller, die Verbote unterscheiden sich regional und werden auch nicht immer eingehalten.

Auch wenn die Verbote eine Erleichterung für Tiere generell bedeuten, können Hundefreunde also nur bedingt aufatmen und sollten sich und ihren vierbeinigen Liebling vorbereiten. Denn Hunde reagieren mitunter sehr gestresst an Silvester.

Der Hunderatgeber klärt auf, woran das liegt und was man tun kann, um Silvester mit einem möglichst angstfreien Hund verbringen zu können.

Auch ein eingeschränktes Feuerwerksspektakel kann den Hund stressen – er nimmt viel mehr wahr

Ihr Gehör ist sehr empfindlich, es kann Frequenzen zwischen 10.000 bis über 50.000 Hertz wahrnehmen und somit viel mehr hören als Menschen. Die Geräuschkulisse zum Jahreswechsel kann also ganz schön nervenaufreibend für die Tiere sein, selbst wenn die Knaller nicht direkt vorm eigenen Haus hochgehen.

Auch der feine Geruchssinn mit über 200 Millionen Sinneszellen kann ihnen zu schaffen machen, denn Hunde können auch kleine Partikelwolken z. B. mit Schwefel in der Ferne riechen – kein angenehmer Duft!

Einige Hunde reagieren verängstigt oder sogar panisch, wenn die Böllerei losgeht. Hundehalter und -halterinnen sollten mit ihrem Hund an Silvester daher sehr umsichtig umgehen, um ihrem Vierbeiner die Situation so stressfrei wie möglich gestalten zu können.

Woran erkennt man, dass der Hund an Silvester Angst hat?

Viele Hunde sind schon tagsüber unruhig, da dann meist schon geböllert wird. Fängt der Hund an zu zittern, klemmt seinen Schwanz ein und winselt bei angelegten Ohren, wird schnell klar, dass er sich nicht wohlfühlt und Angst hat. Es gibt aber noch weitere Anzeichen, die darauf hinweisen wie:

  • aufgerissene Augen
  • weit nach hinten gezogene Lefzen
  • Hecheln

Darüber hinaus kann der Hund weitere Auffälligkeiten zeigen, zum Beispiel, wenn er nicht mehr frisst.

Hundehalter und -halterinnen sollten daher sehr aufmerksam sein und bei einem ungewohnten Verhalten reagieren.

Verkriecht sich der Hund an Silvester, fühlt er sich offensichtlich nicht wohl.
Verkriecht sich der Hund an Silvester, fühlt er sich offensichtlich nicht wohl.  © 123rf/lusya

Silvester mit Hund: Tipps und Hinweise zur Vorbeugung

Am besten ist es, man sorgt für eine ruhige Umgebung, bevor der Hund es mit der Angst bekommt. Neben einem speziellen Training und Akut-Maßnahmen helfen folgende Tipps, damit Silvester für den Hund nicht zur Tortur wird:

1. Tipp: Spaziergang an ruhigen Orten

Wer an Silvester mit dem Hund Gassi geht, sollte belebte und vor allem laute Plätze meiden, damit der Hund möglichst gar nichts von der Böllerei mitbekommt.

2. Tipp: Anleinen beim Gassigehen

Sobald man das Haus verlässt, sollte man den Hund immer anleinen. Erstens kann es so nicht passieren, dass der Hund panisch wegläuft, falls ein Knaller in der Nähe losgeht, zweitens sind einige Tiere beruhigter, wenn sie von Herrchen oder Frauchen sicher geführt werden.

3. Tipp: Souveränität ausstrahlen

Der vorherige Tipp geht mit diesem einher, denn wer ein sicheres "Leittier" für den Hund darstellt, strahlt Sicherheit aus, was den Hund beruhigt.

4. Tipp: vertraute Geräuschkulisse schaffen

Läuft bei Dir oft das Radio, generell Musik oder gibt es andere Geräusche, die typisch für den Alltag sind? Dann lass diese Geräusche auch an Silvester laufen – leg Deine Lieblingsplatte auf, mach die Waschmaschine an etc. Das kann Hunde an Silvester beruhigen.

5. Tipp: Fenster und Vorhänge schließen

Sobald es dunkel wird bzw. anfängt zu knallen oder Feuerwerk den Himmel zum Leuchten bringt, sollte man die Fenster geschlossen halten und die Vorhänge zuziehen, damit möglichst wenig von dem Spektakel zum Hund vordringt.

Der Hund hat an Silvester Angst: Was kann man tun?

1. Ablenkung: Zeigt der Hund schon erste Anzeichen dafür, dass er unentspannt ist oder sogar schon Angst hat, kann es helfen, ihn mit Spielen, dem Erlernen neuer Tricks und Leckerlis abzulenken – zum Beispiel einem Suchspiel mit Hundekeksen als Belohnung, sodass er hoch konzentriert ist und wenig vom Licht und der Knallerei mitbekommt.

Natürlich sollte man den Hund aber nicht überfordern, sondern für ausreichende Pausen sorgen, sonst sorgt man selbst für eine Reizüberflutung.

2. Für den Hund da sein: Lasse Deinen Hund möglichst nicht alleine, wenn er an Silvester Angst hat. Streichele ihn viel, lasse ihn neben Dir liegen, wenn Du liest oder einen Film schaust. So fühlt er sich sicherer. Auch dabei solltest Du aber Souveränität ausstrahlen, das gibt ihm das Gefühl, dass alles in Ordnung ist.

3. Medikamente & Arzneien: Es gibt Substanzen wie beispielsweise Pheromone, die den Hund beruhigen. Die sollten aber nur eingesetzt werden, wenn es keine Alternativen gibt, und nur nach vorheriger Absprache mit einer Tierarztpraxis. Denn eine Vergabe auf eigene Faust kann richtig nach hinten losgehen:

Es gibt Wirkstoffe, die Hunde lähmen und vermeintlich ruhiger machen, doch dafür sorgen können, dass das Tier trotzdem geschärfte Sinne hat, die Folge:

Das Leid des Hundes ist noch größer, doch er kann nicht auf sich aufmerksam machen, weil er körperlich beeinträchtigt ist.

Mit einem Schnüffelspiel kann man den Hund an Silvester eine Weile von den Geräuschen ablenken.
Mit einem Schnüffelspiel kann man den Hund an Silvester eine Weile von den Geräuschen ablenken.  © 123RF/alexeitm

Hunde-Training vorab verringert Angst an Silvester

Es gibt spezielle CDs oder auch YouTube-Videos mit Feuerwerks- oder anderen lauten Geräuschen, mit denen man den Vierbeiner daran gewöhnen kann.

Damit sollte man einige Wochen vorher beginnen – und zwar Schritt für Schritt und darauf achten, wie der Hund reagiert. Erst wenn eine Entspannung spürbar ist, sollte man die nächste Stufe einleiten, also z. B. das Feuerwerksvideo lauter drehen.

Silvester mit Hund ohne Feuerwerk? Böllerfreien Urlaub machen!

Eine super Lösung, um dem ganzen Theater an Silvester aus dem Weg zu gehen, ist ein böllerfreier Urlaub – davon haben alle etwas.

Böllerfreie Zonen: Neben öffentlichen Plätzen, wo Verbote herrschen, gibt es zum Beispiel auf vielen Nordseeinseln und auch an der Ostsee-Küste Böllerverbote, denn dort gilt erhöhter Brandschutz wegen der zahlreichen reetdachbedeckten Häuser.

Hin, wo eh nichts los ist: Gerade für Hundemenschen in dicht besiedelten Städten, wo es trotz Verbote mächtig knallt, kann ein langes Wochenende ein guter Ausweg sein. Gerade in wenig besiedelten, naturreichen Gebieten ist meist kaum etwas los in der Silvesternacht.

Urlaub im Ausland: Auch ein Blick ins Ausland kann sich lohnen, in einigen europäischen Ländern gelten seit jeher Verbote, zudem sind viele Menschen gar nicht so sehr am Silvesterfeuerwerk interessiert wie Deutsche.

Je nachdem, wo Du wohnst, solltest Du also auch dieses Jahr trotz zahlreicher Böller-Verbote daran denken, dass es zu lautstarkem Geknalle kommen kann und Silvester für Hunde eine Herausforderung ist, auf die man vorbereitet sein sollte.

Dann klappt's auch mit dem guten Rutsch für Mensch und Tier!

Titelfoto: 123RF/nunataki

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