Urban Gardening: Probiert's mal mit eigenem Gemüse auf dem Balkon

Deutschland - Gemüse, Kräuter und sogar Obst lassen sich selbst auf kleinstem Raum anbauen. Man braucht dafür nicht mal ein (Hoch-)Beet. Hier erfahrt Ihr, wie Ihr Euer eigenes Gemüse auf dem Balkon ziehen könnt. 

Gemüse auf dem Balkon anbauen? Leichter als gedacht!

Urban Gardening
Urban Gardening  © 123rf/Alexander Raths

Bereits seit einigen Jahren greift der Urban Gardening Trend um sich. Es geht darum, selbst in dicht bebauten Siedlungen auf kleinstem Raum eigenes Obst und Gemüse zu kultivieren. 

Wer selbst ausprobieren möchte, wie viel grüner Daumen in ihm steckt, kann jetzt beginnen. Gerade ist die Zeit günstig, um mit dem Vorziehen und der Aussaat der kleinen Pflanzen zu beginnen. 

Doch keine Sorge: Man braucht kein Gemüse- oder Hochbeet, um selbst aktiv zu werden. 

Auch in einfachen Gefäßen auf dem Fensterbrett, Balkon, der Terrasse oder im Hinterhof lassen sich die Genusspflanzen bestens kultivieren. 

Gemüse anbauen: Wie viel Platz steht Euch zur Verfügung?

Bevor es losgeht mit dem Anbau von Gemüse, muss zunächst die Lage geprüft werden. Hier spielt die Größe des Balkons bzw. der verfügbaren Fläche sowie Lichteinfall und Wind eine wichtige Rolle. 

Die Größe entscheidet, wie viel Ihr anpflanzen könnt. Der Standort hingegen grenzt ein, welche Gemüsesorten für Euren Balkon geeignet sind.

Damit das neuentdeckte Glück am Gärtnern nicht schwindet, sollte man den Platzbedarf der Pflanzen nicht unterschätzen. Andernfalls ist im Sommer die Enttäuschung groß, wenn Ihr selbst keinen Platz mehr unter der Sonne findet.

Beet-Planer Apps wie "Alphabeet.org" oder "Gartenplaner fürs Gemüsebeet" helfen einem dabei, selbst wenig Platz optimal nutzen.

Balkongemüse ernten: Der richtige Standort macht's

Ein Ost- bzw. Westbalkon ist für den Gemüseanbau auf dem Balkon ideal.
Ein Ost- bzw. Westbalkon ist für den Gemüseanbau auf dem Balkon ideal.  © Unsplash/Artur Aleksanian

Damit Gemüse auf dem Balkon auch wächst und gedeiht, benötigt es Licht, Wasser, Nährstoffe und angenehme Temperaturen. Während man selbst für Wasser und Nährstoffe sorgt, lässt sich der Faktor Licht nur schwer beeinflussen. Pflanzen sollten daher nur passend zum Standort ausgewählt werden. Entscheidend ist hierbei also, in welche Himmelsrichtung der Balkon oder die Terrasse ausgerichtet ist.

  • Nordbalkon

Hier geht es vor allem schattig zu. Nicht gerade optimal zum Gemüse anbauen, aber auch nicht unmöglich. Vor allem wenn gegen Nachmittag doch noch einmal die Sonne um die Ecke scheint, reicht das für viele Pflanzen aus. Sonnenverwöhntes Gemüse wie z. B. Tomaten würden hier allerdings Probleme bekommen.

Geeignetes Gemüse: Bärlauch, Rucola, Erbsen, Spinat

  • Ost- und Westbalkon

Die Himmelsrichtungen Ost und West bieten Pflanzen das, was man gemeinhin als halbschattig bezeichnet. Das sind ideale Bedingungen für die meisten Gemüsesorten.

Geeignetes Gemüse: Salate, Mangold, Busch- und Stangenbohnen, Knoblauch, Kohlrabi

  • Südbalkon

Auf dem Balkon oder der Terrasse Richtung Süden gibt es Sonne satt. Das kann allerdings für einige Pflanzen im Hochsommer zu viel des Guten sein. Im Zweifel empfiehlt es sich, ein Sonnensegel aufzuspannen.

Geeignetes Gemüse: Tomaten, Zucchini, Paprika, Peperoni, Chili, Gurken, Kartoffeln

Tipp: Verlasst Euch nicht allein auf das Steck-Etikett an der Pflanze! Denn dieses ist in der Regel viel zu allgemein gehalten. Um Pflegefehler zu vermeiden, lohnt es sich, die einzelnen Pflanzenporträts in Fachbüchern nachzuschlagen oder im Internet zu recherchieren. 

Gemüse auf dem Balkon: Welche Pflanzgefäße eignen sich?

Was die Wahl von Pflanzgefäßen angeht, sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Die Bedingung: Jede Pflanze muss genügend Wurzelfreiheit haben, um optimal zu wachsen. Außerdem muss dafür gesorgt werden, dass zu jeder Zeit überschüssiges Wasser ablaufen kann. 

Hier sind einige Beispiele, welche Pflanzgefäße man zum Anbau von Gemüse auf dem Balkon nutzen kann: 

  • Holz- und Weinkisten
  • Balkon- und Fensterkästen
  • Tontöpfe
  • Säcke und Pflanztaschen
  • Paletten
  • ausrangierte Töpfe und Schüsseln
  • Holztröge und Hochbeete

Dabei kann man bei der Planung auch in die Höhe gehen. Ordentlich arrangiert auf Pflanzregalen oder Leitern lassen sich zusätzliche Pflanzen unterbringen.

Saatgut vorziehen oder direkt aussäen

Viele Gemüsepflanzen lassen sich leicht in der Wohnung vorziehen.
Viele Gemüsepflanzen lassen sich leicht in der Wohnung vorziehen.  © Unsplash/Francesco Gallarotti

Normalerweise lassen sich kleine Gemüsepflanzen in Gartencentern und Baumärkten kaufen. Da dies momentan vielerorts nicht möglich ist, bietet es sich an, das Gemüse für den Balkon mit Saatgut selbst zu ziehen. 

Beachtet, dass sich qualitativ hochwertiges Saatgut definitiv bezahlt macht!

Je nach Gemüsesorte beginnt die Aussaat ins Beet bereits ab März, manchmal aber auch erst ab Mai, nach den Eisheiligen. Wer seine Pflanzen jedoch schon vorher aussät und in der Wohnung vorzieht, kann folglich auch schon mit einer früheren Ernte rechnen. 

Für die Aussaat eignen sich entweder Kokosquelltabletten oder kompostierbare Töpfchen. 

Die Low-Budget-Variante wären ausgewaschene und halbierte Milchkartons Joghurtbecher oder auch Eierpappen und Toilettenpapierrollen. 

Bei Gefäßen aus Kunststoff ist auch hier wichtig, dass überschüssiges Wasser gut ablaufen kann, damit sich keine Staunässe bildet. 

Bei der Aussaat ist darauf zu achten, dass die Samen nicht zu dicht verteilt werden und entsprechend der Anleitung auf der Verpackung in die Erde gelangen. Nach dem Verteilen wird die Erde leicht angedrückt und gut mit etwas Wasser befeuchtet. 

Anschließend solltet Ihr Etiketten anfertigen, da es sonst schnell zu Verwechslungen kommen kann. 

Ab Mitte Mai können die Setzlinge langsam umgepflanzt und ins Freie gesetzt werden.

Gemüse auf dem Balkon pflegen: Tipps zum Gießen

Hier kommen fünf Tipps, was Ihr beim richtigen Gießen beachten solltet:

  • Gießt möglichst am Morgen oder frühen Abend
  • Überprüft täglich, ob Euer Gemüse auf dem Balkon frisches Wasser benötigt
  • Gießt Eure Pflanzen nicht in der prallen Sonne
  • Verteilt das Wasser gezielt und nah an der Erde und spart das Blattwerk aus
  • Informiert Euch gezielt über den Wasserbedarf Eurer Pflanzen

Tipp: Rindenmulch und Stroh auf der Erde sorgen dafür, dass diese langsamer austrocknet.

5 einfache Gemüsesorten für den Balkon

Radieschen sind auch für Kinder gut geeignet, da sie schnelle Ernteerfolge liefern.
Radieschen sind auch für Kinder gut geeignet, da sie schnelle Ernteerfolge liefern.  © Unsplash/Skyla Design

Radieschen mögen es sonnig und können ab März direkt im Freien ausgesät werden. 

Wichtig ist, dass die Radieschen genügend Platz erhalten, um dicke Knollen auszubilden. Die Keimlinge selbst kann man auch schon essen. Mit ihrer leichten Würze verfeinern sie jeden Salat. 

Das Schöne an Radieschen ist, dass sie auch im Hochsommer noch ausgesät werden können und bis zum Spätherbst eine gute Ernte garantieren.

Zu lange sollte man Radieschen jedoch nicht in der Erde auf dem Balkon lassen. Da sie leicht verholzen, schmecken sie sonst bald nicht mehr so gut. 

Pflücksalat, aber auch Rucola oder Feldsalat eignen sich ebenfalls gut für den Balkon.
Pflücksalat, aber auch Rucola oder Feldsalat eignen sich ebenfalls gut für den Balkon.  © Unsplash/Stephanie Moody

Pflücksalat ist für den Anbau auf dem Balkon ebenfalls eine feine Sache.

Da er es sonnig bis halbschattig mag, kommt er auch mit vielen Standorten zurecht. Die Direktaussaat kann ab April stattfinden und der Salat von Mai bis Oktober geerntet werden. 

Das gute an Pflücksalat ist, dass er einfach immer weiter wächst, wenn man lediglich die äußeren Blätter erntet. 

Um dennoch genügend für einen Gartensalat zusammenzubekommen, sollte man daher gleich mehrere Pflänzchen heranziehen.

Erbsen lassen sich im Laufe des Sommers immer wieder ernten.
Erbsen lassen sich im Laufe des Sommers immer wieder ernten.  © Unsplash/Jessica Ruscello

Erbsen sind besonders für Kinder ein kleines Erlebnis, wenn sie die zarten Schoten von der Pflanze ernten. 

Um gut zu gedeihen, benötigen Erbsen allerdings eine Stütze, um sich gut in die Höhe zu ranken. Stäbe, Netze oder spezielle Rankgitter sind hierbei notwendig. 

Wer die Erbsen vorzieht, sollte dies in kompostierbaren Förmchen oder Klopapierrollen tun. So kann man sicherstellen, dass die Wurzeln beim Auspflanzen nicht beschädigt werden. 

Treibt die Erbsenpflanze kräftig, lassen sich zur Hochsaison jede Woche frische Schoten ernten. 

Frische Tomaten sind unheimlich lecker, aber auch pflegebedürftiger.
Frische Tomaten sind unheimlich lecker, aber auch pflegebedürftiger.  © Unsplash/Elaine Casap

Tomaten sind zugegeben nicht die pflegeleichteste Gemüseart für den Balkon. 

Dennoch ist die Auswahl an Tomatensorten mittlerweile so groß, dass sich der Versuch allemal lohnt. 

Tomaten lassen sich hervorragend in der Wohnung vorziehen, benötigen jedoch schon bei Zeiten viel Platz. 

Neben ausreichend Wurzelfreiheit benötigen Tomaten zudem sehr viel Wasser. Hierbei ist es unbedingt wichtig, dass die Tomaten von oben geschützt werden. Kommt Wasser auf die Blätter, setzt andernfalls schnell eine Pilzerkrankung ein.

Da Tomaten einen hohen Nährstoffbedarf haben, sollten sie wöchentlich gedüngt werden.

Gurken benötigen eine Rankhilfe sowie viel Wasser und Nährstoffe.
Gurken benötigen eine Rankhilfe sowie viel Wasser und Nährstoffe.  © Unsplash/Harshal S. Hirve

Freilandgurken eignen sich vor allem für Südbalkone, denn sie vertragen viel Licht und Wärme. Allerdings haben auch sie wie Tomaten einen hohen Wasser- und Nährstoffbedarf und mögen es windgeschützt. 

Auch Gurken zieht man am besten drinnen vor und pflanzt sie später aus. Da die Pflanze rankt, werden die Triebe an Stützen gebunden, damit sie nicht zu viel Platz in der Breite in Anspruch nimmt.

Die Ernte der Freilandgurken erfolgt dann im Hochsommer bis Spätherbst.

Auch bei Gurken gibt es aktuell viele verschiedene Sorten zum Ausprobieren. 

Gemüse auf dem Balkon zu pflanzen, ist einfacher, als man zunächst annehmen möchte. Die Arbeit, die man in die Pflege der Pflanzen steckt, macht sich spätestens zur Ernte jedoch mehr als bezahlt. Besonders für Kinder in jungen Jahrenist das Anpflanzen von eigenem Gemüse ein kleines Erlebnis.

Titelfoto: 123rf/Alexander Raths

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