Drama nach 80 Tagen: Deutscher Weltumsegler kollidiert kurz vorm Ziel mit Fischerboot!

Les Sables-d'Olonne/Frankreich - Den Schreck über den Zusammenstoß mit dem Fischerboot hatte Boris Herrmann (39) nach einigen Stunden überwunden.

Segler Boris Herrmann (39) in seiner Rennyacht "Seaexplorer – Yacht Club de Monaco".
Segler Boris Herrmann (39) in seiner Rennyacht "Seaexplorer – Yacht Club de Monaco".  © Boris Herrmann/Team-Malizia.com/dpa

Doch war dem Solo-Weltumsegler am Donnerstagmorgen bewusst, dass die Chancen bei der Vendée Globe auf einen Podiumsplatz oder sogar den Sieg dahin waren. "Das war der schlimmste Albtraum", erzählte der Hamburger über die Kollision mit dem Trawler am Mittwochabend.

Herrmanns unheilvolle Begegnung mit dem Fischerboot geschah etwa 90 Seemeilen vor dem französischen Küstenort. "Ich habe an einer riesigen Wand hochgeschaut", schilderte Herrmann die bangen Momente später.

Unter anderem verfing sich ein Vorsegel in den Kränen des Trawlers, eines seiner Foils (Tragflügel) brach. Dazu hörte er seinen Ausleger mehrfach in die Bordwand des anderen Bootes hämmern. "Es waren echte Schockmomente", erzählte er.

Zu seinem Glück schob sich die Rennyacht am anderen Boot vorbei, der Mast blieb stehen. Herrmann und die Besatzung des Trawlers blieben bei dem Unfall unverletzt. Zu dem Zeitpunkt des Vorfalls war er Dritter und hatte ebenfalls wegen einer Zeitgutschrift von sechs Stunden sogar noch Chancen auf den Sieg.

Herrmann und der Franzose Yannick Bestaven hatten die Gutschriften von der Wettfahrtleitung wegen ihrer Beteiligung an der Rettungsmission für den schiffbrüchigen Kevin Escoffier in der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember erhalten.

Hermann nur noch mit reduzierter Geschwindigkeit unterwegs

Etwa 90 Seemeilen vor dem Ziel ist Solo-Weltumsegler Boris Herrmann mit seiner Rennyacht mit einem Fischerboot kollidiert. (Archivbild)
Etwa 90 Seemeilen vor dem Ziel ist Solo-Weltumsegler Boris Herrmann mit seiner Rennyacht mit einem Fischerboot kollidiert. (Archivbild)  © Boris Herrmann/Team-Malizia.com/dpa

Statt bei seiner Vendée-Globe-Premiere gleich Historisches zu schaffen und bei der neunten Auflage des Rennens als erster in die Sieg-Phalanx der Franzosen einzubrechen, segelte der 39-Jährige am Donnerstagmorgen mit seiner Yacht "Seaexplorer - Yacht Club de Monaco" nur noch um Platz vier.

"Ich habe in den Tagen zuvor wie ein Löwe gekämpft. Vielleicht komme ich nie wieder so dicht an einem Podiumsplatz heran?", sagte er.

Mit reduzierter Geschwindigkeit wegen der Schäden an seinem Boot kam Herrmann dem Ziel in Les Sables-d'Olonne näher. Als Ankunftszeit wurde der Vormittag errechnet. "Es ist ziemlich herzzerreißend, aber wir werden es schaffen", sagte Herrmann.

Als er noch auf dem Wasser war, wurde der Franzose Yannick Bestaven zum Sieger erklärt. Zwar hatte der 48 Jahre alte Skipper der "Maître Coq IV" in der Nacht 7:43 Stunden nach seinem Landsmann Charlie Dalin ("Apivia") das Ziel erreicht. Doch reichte ihm eine Zeitgutschrift von 10:15 Stunden auf die Gesamtsegelzeit zum Erfolg.

Dalin hatte am Mittwochabend die Ziellinie gekreuzt. Der 36-Jährige beendete das Rennen über 28.267,88 Seemeilen nach 80 Tagen, 6 Stunden, 15 Minuten und 47 Sekunden. Als Zweiter kam Louis Burton ("Bureau Vallee 2") an.

Warum Herrmanns bis zum Mittwochabend gut funktionierenden Alarmsysteme versagten und ihn nicht rechtzeitig aus dem Schlaf rissen, wusste er sich zunächst nicht zu erklären. Nach ersten schnellen Reparaturen erklärte er einigermaßen gefasst, er segle dem Ziel nun langsamer entgegen. Dort warteten schon seine Frau Birte Lorenzen-Herrmann, die sieben Monate alte Tochter Malou und Familienhund Lilli.

Update 13.24 Uhr: Herrmann unter den ersten Fünf

Boris Herrmann hat bei seiner Premiere bei der Vendée Globe einen Platz unter den ersten Fünf belegt. Der Hamburger kreuzte am Donnerstagvormittag mit seiner Yacht nach 80 Tagen, 20 Stunden, 59 Minuten und 45 Sekunden Stunden die Ziellinie vor dem französischen Les Sables-d'Olonne.

Wegen einer Zeitgutschrift von sechs Stunden rückte der 39-Jährige im noch vorläufigen Klassement auf Rang vier vor. Der Franzose Jean Le Cam ("Yes We Cam") könnte ihn mit einer Zeitgutschrift von 16:15 Stunden noch verdrängen, müsste dafür am Donnerstag vor 20.34 Uhr ankommen.

Titelfoto: Boris Herrmann/Team-Malizia.com/dpa

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