Klartext vom Eislöwen-Boss: "Wir haben den größten Umbruch der letzten Jahre vor uns!"

Dresden - Tabellen-13. der DEL2, die Eislöwen sind weit weg von ihren Ansprüchen. Im TAG24-Interview redet Geschäftsführer Maik Walsdorf Klartext und begründete den Schritt, trotzdem die DEL-Bürgschaft abzugeben.

Ein Jahr ohne Fans. Emotional war dies eine Katastrophe, aber zum Glück wirtschaftlich nicht.
Ein Jahr ohne Fans. Emotional war dies eine Katastrophe, aber zum Glück wirtschaftlich nicht.  © Lutz Hentschel

TAG24: Was sind die Lehren aus der Saison?

Walsdorf: "Vor einem Jahr dachte ich noch, dass wir ohne Zuschauer und den damit verbundenen Einnahmen keine Saison spielen können. Die Fördergelder vom Bund kommen unkompliziert in der DEL2 an und wir haben eine sehr breit aufgestellte Sponsorenlandschaft. Sie sind uns alle treu geblieben. Das ist die positive wirtschaftliche Lehre."

TAG24: Sportlich?

Walsdorf: "Im Bezug auf neue Spieler haben wir zu vorsichtig agiert. Wir haben uns einige Fragezeichen reingeholt, von denen wir uns ein Ausrufezeichen gewünscht hätten. Spieler, die in den Jahren zuvor nicht so performt haben, hatten aus einem gewissen Grund noch keinen Vertrag. Da müssen wir ehrlich feststellen: Da haben wir nicht gut genug ausgewählt. Jetzt führt es dazu, dass wir den größten Umbruch der letzten Jahre vor uns haben."

TAG24: Was heißt?

Walsdorf: "Die jungen Spieler mal außen vor, aber mit den Leistungsträgern werden wir hart ins Gericht gehen. Ob am Ende eine Handvoll übrig bleiben, oder nur ein, zwei - das stand in den letzten Wochen zur Debatte."

TAG24: Unter welchen Prämissen soll der neue Kader zusammengestellt werden?

Walsdorf: "Seit zwei, drei Jahren ist es der Plan, dass die Mannschaft verjüngt wird, dass sie mit mehr Tempo spielt. Coach Andreas Brockmann hat es in Kaufbeuren gezeigt, dass er ein top Team aufbauen kann. Für uns sind Spieler interessant, welche noch den Willen haben, was reißen zu wollen, entwicklungsfähig sind und eine gewisse Erfahrung mitbringen. Es gilt einen guten und beständigen Kern aufzubauen."

Eislöwen brauchen mehr Konstanz in der sportlichen Leitung

Eislöwen-Geschäftsführer Maik Walsdorf hat die Saison analysiert, benennt die Fehler und die Schlussfolgerungen.
Eislöwen-Geschäftsführer Maik Walsdorf hat die Saison analysiert, benennt die Fehler und die Schlussfolgerungen.  © Lutz Hentschel

TAG24: Klingt, als ob das Projekt "Aufstieg in die DEL" angegangen wird.

Walsdorf: "Wir sind guter Dinge, dass wir die Bürgschaft von 816.000 Euro zusammenbekommen und diesen Sommer einreichen können."

TAG24: Das ist seit Jahren das Ziel. Wieso jetzt?

Walsdorf: "Es war kein Fehler. Weil auch das Umfeld für den Aufstieg vorbereitet werden muss. So braucht es zum Beispiel in der Arena Flex-Banden. Ich würde die Bürgschaft auch lieber erst legen, wenn die Mannschaft im Januar sportlich gut dasteht und die Chance auf einen Aufstieg realistisch ist. Aber die DEL-Vorgabe ist, dass wir im Mai die Entscheidung treffen müssen."

TAG24: Das schürt die Erwartung der Fans, oben mitzuspielen.

Walsdorf: "Das ist die Krux. Ich als Fan wäre begeistert, wenn mein Verein die Bürgschaft legt. Dadurch hätte ich die Hoffnung, dass mein Team unter die Top Vier kommen wird. Aber es geht um die Vision, die wir mit den Sponsoren, den Fans und der Stadt als Arena-Betreiber mit Leben füllen wollen. Der erste Schritt dafür ist, dass wir wirklich die Bürgschaft legen. Das bedeutet aber nicht gleichzeitig, im nächsten Jahr steigen wir auf. Es kann durchaus noch mehrere Spielzeiten dauern."

TAG24: Es braucht mehr Konstanz in der sportlichen Führung...

Walsdorf: "Ja, ganz entscheidend und mit der wichtigste Punkt. Es muss Ruhe einkehren. Wir haben jetzt einen Trainer, der diese Ruhe und das Know-how hat, eine Mannschaft aufzubauen. Und ich bin überzeugt, dass wir auch eine gute Lösung auf der Position des sportlichen Leiters finden, der mit dem Trainer kritisch harmoniert. Wir befinden uns in finalen Gesprächen. Ich denke, dass wir in den nächsten 14 Tagen eine Entscheidung treffen."

Titelfoto: Lutz Hentschel

Mehr zum Thema Dresdner Eislöwen:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0