"Den töte ich"! MSV Duisburg wehrt sich gegen vermeintliche Aussage: "Das ist Rufmord"

Magdeburg - Hier war mächtig Pfeffer drin! Bei der umkämpften Drittliga-Partie des 1. FC Magdeburg gegen den MSV Duisburg (3:2) kochten die Emotionen in einer Szene hoch.

Wer sonst? Natürlich traf auch Baris Atik (26, r.) wieder für den 1. FC Magdeburg. Er legte auch noch das erste Tor des FCM auf und hat in 13 Einsätzen nun sieben Treffer selbst erzielt und acht Assists gegeben - klasse!
Wer sonst? Natürlich traf auch Baris Atik (26, r.) wieder für den 1. FC Magdeburg. Er legte auch noch das erste Tor des FCM auf und hat in 13 Einsätzen nun sieben Treffer selbst erzielt und acht Assists gegeben - klasse!  © imago images/Eibner

Doch was war überhaupt passiert? An sich war die Szene in der 44. Minute handelsüblich. FCM-Verteidiger Alexander Bittroff (32) stoppte einen Angriff der Zebras und geriet verbal mit MSV-Stürmer Aziz Bouhaddouz (34) aneinander.

Erst sah es so aus, als würde sich die Szene schnell beruhigen, ehe sie kurz vor der Eskalation stand. Offenbar hatte Bittroff eine Beleidigung der untersten Schublade ausgepackt, weshalb der marokkanische WM-Teilnehmer von 2018 mit weit aufgerissenen Augen und geballter Faust auf den Abwehrspieler zulief.

So entwickelte sich eine Rudelbildung, die viele unbeteiligte Akteure aber schnell beruhigten und auch ein Aufeinandertreffen der Streithähne verhinderten, was gut und wichtig war.

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Der Bild zufolge soll Bittroff die vor wenigen Jahren verstorbene Mutter von Bouhaddouz beleidigt haben, was auch dessen extreme Reaktion erklären würde. Der erfahrene Stürmer soll anschließend laut hörbar gesagt haben: "Was hat der gesagt? Den töte ich."

Schiedsrichter Tom Bauer hatte von alldem offenbar wenig mitbekommen, weil er den Magdeburger ohne Verwarnung davonkommen ließ und auch Bouhaddouz nur Gelb zeigte. Pavel Dotchev (55) sagte nach der Begegnung im Interview bei MagentaSport: "Ich weiß genau, was vorgefallen ist. Aber ich kann und möchte es nicht sagen. Da müssen Sie Bittroff fragen. Wenn er ein bisschen Mut hat, soll er ehrlich sein."

Tore der Drittliga-Partie 1. FC Magdeburg gegen MSV Duisburg

Aziz Bouhaddouz hatte laut Duisburgs Coach Pavel Dotchev Tränen in den Augen

Alexander Bittroff (32, l.) soll Aziz Bouhaddouz (34, 2.v.l.) übel beleidigt haben. Doch nur dem MSV-Stürmer wurde von Schiedsrichter Tom Bauer die Gelbe Karte gezeigt.
Alexander Bittroff (32, l.) soll Aziz Bouhaddouz (34, 2.v.l.) übel beleidigt haben. Doch nur dem MSV-Stürmer wurde von Schiedsrichter Tom Bauer die Gelbe Karte gezeigt.  © imago images/Eibner

Dennoch meinte auch der Duisburger Coach: "Die Emotionen sind hochgekocht, aber die Spieler müssen sich beherrschen können. Das gehört nicht auf den Platz. Dennoch kann ich definitiv verstehen, dass er emotional war."

Aus Schutzgründen wechselte Dotchev seinen Schützling auch zur Pause aus: "Ich habe ihn rausgenommen, weil er emotional war, Tränen in den Augen hatte und durch die Gelbe Karte gefährdet war."

Nach der Partie führten die Verantwortlichen die beiden Spieler auf dem Feld zusammen, um die Sache auszuräumen. Es habe zwar kein Handshake gegeben, doch immerhin sei das Gespräch friedlich abgelaufen. Dennoch könnte diese Auseinandersetzung noch ein Nachspiel haben.

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Von diesem Aufreger abgesehen hatte die Begegnung auch sportlich einiges zu bieten und mal wieder stand dabei Baris Atik (26) im Mittelpunkt. Das 1:0 von Sturmbulle Kai Brünker (26) bereitete er mit einem klasse Doppelpass vor (8. Minute), das 3:1 erzielte er mit einem platzierten Schuss in die lange Ecke selbst (58.).

Zwischendurch hatte Dominik Ernst (30) zum 2:0 für den FCM getroffen, während David Tomic (23) und Vincent Vermeij (26) jeweils für die Zebras verkürzten. Magdeburg hat nun aus den vergangenen elf Partien neun Siege und zwei Unentschieden bei einem überragenden Torverhältnis von 21:6 geholt.

Update 22 Uhr: MSV Duisburg bezeichnet die Bild-Darstellung als "Rufmord"

Im Statement der Zebras hieß es: "Der MSV Duisburg und sein Spieler Aziz Bouhaddouz weisen vehement von sich, der Stürmer habe beim Spiel beim 1. FC Magdeburg auf dem Platz gerufen: 'Den töte ich'. Das behauptet in Zitat-Form die Bild-Zeitung. Ein solcher Satz ist nie gefallen."

Der Drittligist führte weiter aus: "Der MSV verwehrt sich gemeinsam mit seinem Spieler auf das Entschiedenste gegen diese infame Unterstellung. Das ist Rufmord. Der Verein prüft rechtliche Schritte, denn hier soll offenbar das Opfer zum Täter gemacht werden."

Dafür bestätigte Bouhaddouz die Kränkung: "Ich habe im Fußball schon viele Rangeleien und auch Wortgefechte erlebt. Aber hier ist meine tote Mutter auf das Übelste beleidigt worden, und obwohl ich auf den Spieler zugegangen bin und ihm gesagt habe, dass meine Mutter verstorben ist, hat er das sogar wiederholt."

Der erfahrene Profi erklärte weiterhin: "Das hat mich sehr getroffen, und ich konnte das im ersten Moment auch nicht wahr haben. Ich habe dabei lediglich gefragt 'Meine tote Mutter?', aber trotz aller Aufregung nie den Satz 'den töte ich'. So etwas habe und hätte ich nie gesagt!"

Die Duisburger untermauerten ihre Darstellung wie folgt: "Auch Ton-Aufnahmen von Magenta Sport aus der Szene belegen, dass ein solcher von der Bild zitierte Satz nicht gefallen ist."

Titelfoto: imago images/Eibner

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