Drittliga-Abstiegskandidaten: Trifft es Türkgücü München und den SC Verl?

Deutschland - Nach den Aufstiegskandidaten der 3. Liga stellt Euch TAG24 natürlich auch die Abstiegskandidaten vor. Für wen wird es besonders eng? Alles dazu in unserer Vorschau.

Der SC Verl wird die 3. Liga nur über mannschaftliche Geschlossenheit halten können. Denn die individuelle Klasse ist bei keinem anderen Team so gering,
Der SC Verl wird die 3. Liga nur über mannschaftliche Geschlossenheit halten können. Denn die individuelle Klasse ist bei keinem anderen Team so gering,  © Picture Point / Sven Sonntag

Der größte Kandidat ist der SC Verl. Die Mannschaft von Trainer Guerino Capretti, die sich in den Aufstiegsspielen mit viel Glück gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig durchsetzte, hat die geringste individuelle Klasse aller 20 Mannschaften von denen bekanntlich vier Teams am Ende absteigen. 

Verl verfügt zwar mit dem 34-jährigen Zlatko Janjic über einen bekannten Akteur, davon abgesehen sind Spieler wie Leander Siemann, Kasim Rabihic oder Patrick Schikowski aber hauptsächlich Insidern bekannt. Dazu verließ mit Jan Schöppner (zu Zweitligist 1. FC Heidenheim 1846) auch noch ein entscheidender Mittelfeldmann den Klub. 

All das soll aber nicht heißen, dass der SC nicht auch über Qualität verfügt. Die hat er im Kader. Nur schlichtweg keine so große, wie die 19 anderen Drittligisten. Deshalb führt der Weg zum Klassenerhalt für den Dorfklub nur über mannschaftliche Geschlossenheit, taktische Disziplin und den Glauben an die eigene Stärke. Dazu wird Capretti sein Team auch darauf einschwören müssen, Rückschläge gut wegzustecken und mutig weiterzumachen. 

Sollte all das gelingen und Konkurrenten schwächeln, dann hat Verl eine Chance auf den Klassenerhalt. Ansonsten trifft es den Sport-Club mit großer Wahrscheinlichkeit. 

Türkgücü München nach dem Drittliga-Aufstieg mit gewaltigem Umbruch

Wandervogel Petar Sliskovic soll für Türkgücü München die nötigen Tore schießen.
Wandervogel Petar Sliskovic soll für Türkgücü München die nötigen Tore schießen.  © imago images/Passion2Press

Auf dem Papier wirkt Türkgücü München gut besetzt und konnte sich namhaft verstärken. Allerdings hat der Aufsteiger aus der Regionalliga Bayern einen riesigen Umbruch hinter sich. Gleich 13 (!) Spieler verließen den Verein, 15 Neue kamen. Ob das gut gehen kann? 

Die individuelle Klasse wurde mit Akteuren wie den Stürmern Petar Sliskovic (vom MSV Duisburg), Tom Boere (KFC Uerdingen) und Daniele Gabriele (FC Carl Zeiss Jena), Keeper René Vollath (Uerdingen), Innenverteidiger Aaron Berzel (TSV 1860 München) und Atakan Akkaynak (Caykur Rizespor) zweifelsohne erhöht. 

Doch ergeben all diese Kicker ein funktionierendes Gebilde? Das darf zumindest bezweifelt werden. Und sollte das so sein, dann steigt Türkgücü direkt wieder ab. Denn um mit einigen soliden bis guten Einzelkönnern die Klasse zu halten, ist deren Qualität in der ausgeglichenen Liga, in der nahezu jeder Klub über einen ähnlich guten oder sogar besseren Kader verfügt, schlichtweg nicht groß genug.

So könnte es auch für die Münchner ganz eng werden. Denn sollte es nicht laufen, ist auch mit Unruhe im Vereinsumfeld zu rechnen. Sich aus diesem Teufelskreis zu befreien, dürfte für die Mannschaft dann sehr schwer werden.

FSV Zwickau muss sich nach Abgängen von Elias Huth und Fabio Viteritti unten orientieren

Der ehemalige Carl-Zeiss-Profi und namibische Ex-Nationalspieler Manfred Starke kam vom 1. FC Kaiserslautern zum FSV Zwickau und soll die Offensive beleben.
Der ehemalige Carl-Zeiss-Profi und namibische Ex-Nationalspieler Manfred Starke kam vom 1. FC Kaiserslautern zum FSV Zwickau und soll die Offensive beleben.  © Picture Point / Gabor Krieg

Den Schwänen gelang der Klassenerhalt nur gerade so. Dennoch hat man nicht das Gefühl, dass der finanziell klamme FSV Zwickau aufgerüstet hat. Zu schwer wiegen die Abgänge von Top-Torjäger Elias Huth, Edeltechniker Fabio Viteritti und auch René Lange. 

Zwar kamen mit Manfred Starke, Maximilian Wolfram und Marco Schikora gute Leute hinzu, dennoch könnte es für Zwickau am Ende richtig eng werden. 

Für die Westsachsen spricht, dass sie auf dem Rasen eine verschworene Einheit sind, die kampfstark und diszipliniert agiert und sich darüber hinaus auch spielerisch entwickelt hat.

Doch gerade hinsichtlich der defensiven Stabilität (61 Gegentore in 38 Spielen in der vergangenen Saison) und der Abgezocktheit muss die Mannschaft von Trainer Joe Enochs den nächsten Schritt gehen, wenn sie nicht dauerhaft unten drinstecken will. Gelingt ihr all das, ist auch eine sorgenfreie Saison im Mittelfeld möglich.

Wenn nicht, wird es für den FSV aber ganz, ganz eng.

VfB Lübeck setzt auf höherklassig erfahrene Leute wie Soufian Benyamina und Mirko Boland

Der ehemalige Dynamo-Dresden-Stürmer und Hansa-Kicker Soufian Benyamina läuft in der neuen Saison für den VfB Lübeck auf.
Der ehemalige Dynamo-Dresden-Stürmer und Hansa-Kicker Soufian Benyamina läuft in der neuen Saison für den VfB Lübeck auf.  © Lutz Hentschel

Gleiches gilt auch für den nächsten Aufsteiger. Für viele ist auch der VfB Lübeck ein krasser Außenseiter. Doch die Mannschaft von Trainer Rolf-Martin Landerl hat die Qualität, um in der 3. Liga zu bestehen. 

Mit Soufian Benyamina, Mirko Boland, Martin Röser, Nico Rieble und Sebastian Hertner wurden gleich fünf höherklassig erfahrene Spieler verpflichtet. 

Einzig der Abgang von Top-Scorer Ahmet Arslan (23 Torbeteiligungen in 28 Einsätzen) zum Erzrivalen Holstein Kiel wiegt richtig schwer. Ansonsten konnten Leistungsträger wie Goalgetter Patrick Hobsch, der torgefährliche Mittelfeldspieler Yannick Deichmann, Abwehrchef Tommy Grupe, Vorlagengeber Florian Riedel, Keeper Lukas Raeder und Innenverteidiger Ryan Malone gehalten werden.

Die Basis bei den Grün-Weißen ist weiterhin vorhanden. Dennoch muss man erst einmal gucken, ob die Mannschaft ähnlich gut harmoniert wie in der Vorsaison und ob sie mit zu erwartenden Rückschlägen umgehen kann. 

Schafft sie das, ist eine sorgenfreie Saison auf einem zweistelligen Tabellenplatz im Mittelfeld möglich. Wenn nicht, wird es bis zum Schluss ein enger Kampf um den Klassenverbleib.

SV Meppen verlor Top-Scorer Deniz Undav und Abwehrspieler Marco Komenda

Ex-Nationalspieler Torsten Frings ist der neue Trainer des SV Meppen.
Ex-Nationalspieler Torsten Frings ist der neue Trainer des SV Meppen.  © Friso Gentsch/dpa

Beim SV Meppen bleibt abzuwarten, wie der Verlust von Torjäger Deniz Undav (30 Scorerpunkte in der Liga), vom starken Innenverteidiger Marco Komenda und dem schussgewaltigen Marius Kleinsorge (13 Scorerpunkte) durch Neuzugänge wie Christoph Hemlein, Dejan Bozic, Lukas Krüger, Jeron Al-Hazaimeh und Lars Bünning wieder aufgefangen werden kann. 

Der neue Trainer Torsten Frings muss einen kleinen Umbruch moderieren, kann aber weiterhin auf Leistungsträger wie Keeper Erik Domaschke, Innenverteidiger Steffen Puttkammer, die Mittelfeldzentrale Florian Egerer und Willi Evseev, die Angreifer Valdet Rama, René Guder, Julius Düker und Hilal El-Helwe setzen.

Das Grundgerüst hat also Bestand. Doch weder dürfen viele Spieler ein Leistungstief haben, noch ausfallen wie momentan Kapitän Thilo Leugers (Fersenverletzung).

Nur dann dürfte den Emsländern erneut eine sorgenfreie Saison im Tabellenmittelfeld gelingen. 

Gibt es in dieser Hinsicht jedoch Probleme, kann der SVM ganz schnell unten reinrutschen.

SpVgg Unterhaching, Hallescher FC und KFC Uerdingen wirken gut gerüstet, könnten aber unten reinrutschen

Der Hallesche FC will Terrence Boyd (vorne) unbedingt halten. In der Vorsaison hatte er mit 14 Toren und elf Vorlagen in 33 Liga-Einsätzen großen Anteil am Klassenerhalt seines Vereins.
Der Hallesche FC will Terrence Boyd (vorne) unbedingt halten. In der Vorsaison hatte er mit 14 Toren und elf Vorlagen in 33 Liga-Einsätzen großen Anteil am Klassenerhalt seines Vereins.  © Picture Point / Gabor Krieg

Weniger gefährdet, aber dennoch im erweiterten Kreis sind die SpVgg Unterhaching, die den spielerisch exzellenten Kader zusammengehalten hat, der aber verletzungsbedingt zu Saisonbeginn gleich vier erfahrene Leader fehlen. Wenn die auf vielen Positionen blutjunge Truppe in einen Negativstrudel gerät, muss sich auch der Münchner Vorortklub nach unten orientieren.

Selbiges gilt für den Halleschen FC, der mit Spielern wie Sebastian Mai, Pascal Sohm und Bentley Baxter Bahn schwerwiegende Abgänge zu verkraften hat. Mit Marcel Tisch Rivero, Fabian Menig, Julian-Maurice Derstroff, Lukas Boeder, Michael Eberwein, Selim Gündüz und Sören Reddemann hat sich der HFC andererseits aber auch gut verstärkt.

Dazu sind Terrence Boyd (sofern er bleibt), Jonas Nietfeld, Julian Guttau, Anthony Syhre, Dennis Mast und Toni Lindenhahn weiterhin an Bord, weshalb Halle überdurchschnittlich besetzt ist. Doch wie schnell es nach unten gehen kann, zeigte die vergangene Saison. Im Normalfall spielt der HFC eine solide Runde. Gibt es jedoch Unstimmigkeiten innerhalb der Truppe, wird auch der HFC (erneut) ins Schwimmen kommen.

Dazu wird vermutlich noch ein Überraschungsteam im Tabellenkeller zu finden sein, das man hier normalerweise nicht vermutet hätte, aber für die leistungsmäßig dicht beieinander liegende Spielklasse spricht. Dies könnte etwa für den KFC Uerdingen gelten, bei dem die nächste Unruhe schon vorprogrammiert zu sein scheint. Drittliga-Meister FC Bayern München II dürfte trotz des schwerwiegenden Verlustes von sechs (!) Leistungsträgern dank der Neuzugänge und des stetigen Talentestroms aus dem eigenen Nachwuchs eine solide Runde spielen.

Titelfoto: PICTURE POINT / Sven Sonntag/imago images/Passion2Press

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