MSV Duisburg nach Verl-Klatsche in der Vollkrise: Trainerwechsel verpufft!

Duisburg - Die Zebras trudeln dem Abgrund entgegen! Nach der peinlichen 0:4-Heimpleite am Freitagabend gegen Aufsteiger SC Verl steht der MSV Duisburg weiterhin mit dem Rücken zur Wand.

Torsten Lieberknecht (47) wurde am 10. November als MSV-Coach entlassen. Seitdem holte Duisburg aber auch nur einen Punkt in drei Spielen.
Torsten Lieberknecht (47) wurde am 10. November als MSV-Coach entlassen. Seitdem holte Duisburg aber auch nur einen Punkt in drei Spielen.  © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Nach elf Partien haben die hoch eingeschätzten Meidericher gerade mal neun Punkte auf dem Konto und ein schwaches Torverhältnis von 10:19 vorzuweisen.

Damit wird man auch nach dem 11. Spieltag auf einem direkten Abstiegsplatz stehen, mit etwas Pech rutscht man sogar auf den 20. und damit letzten Rang ab.

Die MSV-Verantwortlichen sind damit (erneut) auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Am Freitag bekamen sie nämlich eine zutiefst verunsicherte Mannschaft zu sehen, die dem frech aufspielenden Kontrahenten viel zu viele Räume ließ, nicht als echte Einheit agierte, unzählige Fehler machte und zu allem Überfluss auch noch offensiv harmlos blieb.

Damit ist der kritisch beäugte Trainerwechsel offenbar schon wieder verpufft. Am 10. November hatten sich die Zebras, einen Tag nach der 1:3-Heimniederlage gegen den FC Viktoria Köln, von Torsten Lieberknecht (47) getrennt.

Der umstrittene Sportdirektor Ivica "Ivo" Grlic (45) erklärte die Entlassung wie folgt: "Wir haben in dieser Saison auch nach acht Spielen nicht zu Konstanz und Stabilität gefunden." Er fügte hinzu: "Die Ergebnisse stimmen nicht und eine positive Entwicklung haben wir leider auch nicht erkennen können."

Gino Lettieris Start beim MSV Duisburg hätte nicht schlechter laufen können!

MSV Präsident Ingo Wald (62, l.) und Sportdirektor Ivica Grlic (M., 45) präsentierten den neuen alten Coach Gino Lettieri (53) am 11. November.
MSV Präsident Ingo Wald (62, l.) und Sportdirektor Ivica Grlic (M., 45) präsentierten den neuen alten Coach Gino Lettieri (53) am 11. November.  © Roland Weihrauch/dpa

Grlic meinte weiter: "Die Mannschaft hat Potenzial, und wir sind überzeugt davon, dass wir mit diesem Potenzial wieder in die Erfolgsspur kommen – auch wenn es das erste Ziel sein muss, wieder in ruhiges Fahrwasser zu kommen."

Nur einen Tag später wurde Gino Lettieri (53) als neuer Trainer verpflichtet. Auch diese Entscheidung stieß vielen MSV-Fans sauer auf, weil der gebürtige Züricher bereits einmal in Duisburg tätig war.

Dort wurde er vor fünf Jahren wegen Erfolglosigkeit nach dem 13. Zweitliga-Spieltag entlassen. Am Ende stieg der Traditionsverein in der Relegation nach den zwei Duellen gegen die FC Würzburger Kickers (0:2/1:2) in die 3. Liga ab.

Zuvor hatte Lettieri die Zebras allerdings von dort in die 2. Liga geführt. Offenbar erhofften sich Grlic und die anderen Verantwortlichen, dass der Italiener an diese Erfolge würde anknüpfen können.

Pustekuchen! Bei Türkgücü München wurde (noch unter Interimstrainer Marvin Compper) mit 1:2 verloren, weil Ex-Zebra Petar Sliskovic (29) doppelt traf.

Gegen den Halleschen FC gab es am Dienstag ein sehr glückliches 0:0, weil HFC-Sturmbulle Terrence Boyd (29) reihenweise Chancen ausließ und später hart über sich selbst sagte: "Halle war gut, das einzige Problem war, dass sie Terrence Boyd vorne drin hatten."

Leistungsträger des MSV Duisburg wie Moritz Stoppelkamp sind auf der Suche nach ihrer Leichtigkeit

Ratlose Gesichter bei Moritz Stoppelkamp (33, l.) und Dominic Volkmer (24). Die Zebras gingen gegen den SV Verl im eigenen Stadion mit 0:4 unter.
Ratlose Gesichter bei Moritz Stoppelkamp (33, l.) und Dominic Volkmer (24). Die Zebras gingen gegen den SV Verl im eigenen Stadion mit 0:4 unter.  © Imago Images / Norbert Schmidt

Darauf folgte dann die heftige Abreibung gegen effektive, kompakte und als Einheit agierende Verler. Dass sich Anhänger der Duisburger nach diesem Auftritt ernsthaft Sorgen machen, ist mehr als verständlich.

Schließlich wirkt ihr Team verunsichert, dazu hat jeder Akteur mit sich selbst zu tun und kann die anderen nicht mitreißen.

Kapitän Moritz Stoppelkamp (33) ist nach seinem Pfeifferschen Drüsenfieber noch auf der Suche nach seiner Fitness und Form, Goalgetter Vincent Vermeij (26) fehlt trotz drei Toren und drei Vorlagen erkennbar die Leichtigkeit und die Abwehr um Dominic Volkmer (24) und Dominik Schmidt (33) wirkt extrem anfällig. Das gilt auch für die Außenverteidiger.

Einzig Keeper Leo Weinkauf (24) erreicht durchweg Normalform und verhinderte im Saisonverlauf schon mehrfach weitere Gegentore. Doch das und die vorhandene individuelle Klasse werden Duisburg nicht retten. Lettieri muss es nun irgendwie hinbekommen, seinen durchaus guten Einzelspieler wieder Selbstvertrauen einzuflößen und sie zu einer kompakten Einheit zu formen, die füreinander kämpft, rennt und Fehler ausbügelt.

Das funktioniert allerdings nur über Erfolgserlebnisse. Diese muss sich die Mannschaft nun erst einmal hart erarbeiten. Bereits am Dienstag (19 Uhr) hat man beim SV Waldhof Mannheim die nächste Chance. Die Zweifel, dass die Trendwende zeitnah gelingen kann, bleiben nach dem Verl-Auftritt aber.

Titelfoto: Imago Images / Norbert Schmidt

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