DAZN-Wahnsinn: Kostenexplosion trifft mit den Fußballfans die falschen Leute!

Deutschland - Preisverdoppelung! Neu- oder Bestandskunden, die ihren Vertrag reaktivieren wollen, müssen beim Sport-Streamingdienst DAZN ab dem 1. Februar statt bisher 14,99 Euro satte 29,95 Euro zahlen. Aktuelle Abonnenten dürfte selbiges Szenario ab dem 1. August treffen - eine schlechte Entwicklung. Ein Kommentar.

DAZN-Co-Founder James Rushton ist zwar nicht mehr für das Unternehmen tätig, versprach aber vor einigen Jahren in einem Interview, dass es eine solche Preisentwicklung nicht geben würde.
DAZN-Co-Founder James Rushton ist zwar nicht mehr für das Unternehmen tätig, versprach aber vor einigen Jahren in einem Interview, dass es eine solche Preisentwicklung nicht geben würde.  © dpa/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild

Zwar wird den Fans einiges für ihr Geld geboten, doch viele werden die immer weiter steigenden Kosten nicht mitmachen. Wer sich alleine auf die 1. und 2. Bundesliga konzentriert, der muss zukünftig rund 60 Euro pro Monat zahlen (je nach Vergünstigungen bei Konkurrent Sky).

Möchte man dann aber beispielsweise noch die 3. Liga bei MagentaSport gucken, müsste man theoretisch noch mal draufzahlen (16,95 Euro im Monatsabo, 9,95 Euro pro Monat im Jahresabo).

Falls dann noch jemand so "verrückt" ist und sich für Filme bzw. Serien interessiert, der kann obendrein noch für Netflix, Amazon Prime Video, Disney+, Apple TV und/oder Sky zahlen.

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Kosten, die sich normal verdienende Menschen neben hohen Mieten (in vielen Städten) und auch sonst steigenden Lebenshaltungskosten nicht leisten können und vor allem wollen. Irgendwann ist ja auch wirklich mal gut.

Gerade dann, wenn man all das mal aufs Jahr hochrechnet und sich überlegt, wie oft man überhaupt Zeit hat, ein Fußballspiel in Ruhe über 90 Minuten zu sehen. Ein weiteres Gegenargument: Die meisten Zusammenfassungen werden weiterhin frei verfügbar bei YouTube zu gucken sein - auch aus ausländischen Ligen.

Durch die DAZN-Preiserhöhung dürften sich mehr Fußballfans von "ihrem" Lieblingssport entfernen

Laura Wontorra (32) zählt zu den Gesichtern von DAZN. Wie viele Fans sie in Zukunft sehen können und wollen, bleibt abzuwarten, meint TAG24-Fußballredakteur Stefan Bröhl.
Laura Wontorra (32) zählt zu den Gesichtern von DAZN. Wie viele Fans sie in Zukunft sehen können und wollen, bleibt abzuwarten, meint TAG24-Fußballredakteur Stefan Bröhl.  © dpa/Soeren Stache/dpa-Zentralbild

Trotzdem ist die Preiserhöhung von DAZN aus deren wirtschaftlicher Sicht völlig verständlich. Immerhin sichert man sich immer mehr Rechte und hat deshalb steigende Kosten. Alles logisch und schlüssig.

Aber eine Verdoppelung statt einer vergleichsweise milden und besser zu verkaufenden Erhöhung um beispielsweise fünf Euro im Monat ist schlichtweg überzogen und zeugt von fehlendem Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl.

Das wiederum führt zu einem weiteren Problem. Gerade junge Menschen werden wohl immer mehr auf Distanz gehen.

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In die Stadien kommen aufgrund der Corona-Pandemie aktuell nur noch wenige Zuschauer und wenn die Ausgaben für einen Dienst, wo die Bildfrequenz immer wieder einbricht und die Streams nicht selten refreshed werden müssen, so saftig steigen, entfernen sich vermutlich einige vom Fußball.

Das ist für die Vereine kontraproduktiv. Ganz unschuldig sind sie an dieser Entwicklung aber auch nicht. Schließlich wollen sie immer mehr Geld einnehmen, weshalb die Rechte für horrende Summen veräußert werden. Das trifft nun genau diejenigen, die Fußball zu dem atmosphärischen Ereignis machen, das er außerhalb von Corona ist. Wenn das mal nicht volle Kanne nach hinten losgeht...

Titelfoto: dpa/Soeren Stache/dpa-Zentralbild

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