Nach George-Floyd-Statements: Sperrt der DFB nun Sancho, Thuram und Co?

Berlin - Der 29. Spieltag der Fußball Bundesliga steht zu einem gewissen Maße im Zeichen des Todes von George Floyd. Spieler wie Mönchengladbachs Marcus Thuram (22), Schalkes Weston McKennie (21) oder Jadon Sancho (20) vom BVB ließen es sich nicht nehmen, ihre Solidarität mit dem Verstorbenen zu demonstrieren. Jedoch sind politische Statements im Regelwerk des DFB klar untersagt. Droht nun sogar ein Nachspiel?

"Justice for Floyd". Dieses T-Shirt zeigte Dortmunds Jadon Sancho nach seinem Treffer zum 2:0.
"Justice for Floyd". Dieses T-Shirt zeigte Dortmunds Jadon Sancho nach seinem Treffer zum 2:0.  © Lars Baron/Getty Images Europe/Pool/dpa

Die Bundesliga ist zurück. Zwar ohne Zuschauer, dafür jedoch mit ihrer ganzen Wucht und Präsenz in der öffentlichen Wahrnehmung. 

Die Stadien sind auch mit leeren Rängen eine Bühne mit enormer Reichweite. 

Gerade weil die Bundesliga als erste Top-Liga Europas überhaupt wieder einem halbwegs geregelten Ablauf nachgeht, sind die Augen international noch mehr auf die Akteure und das Geschehen gerichtet.

Inmitten der Unruhen auf Amerikas Straßen nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd, nutzten einige Profis die Bühne, um sich zu solidarisieren und ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen.

Doch nun wird sich der Kontrollausschuss mit den bereits genannten Akteuren auseinandersetzen (müssen). Denn: Im Regelwerk des DFB sind neben persönlichen Bildern, Slogans und religiösen Statements auch politische Meinungsäußerungen strikt untersagt.

Das T-Shirt, welches BVB-Star Jadon Sancho nach seinem Treffer zum 2:0 über den SC Paderborn unter seinem Trikot hervorholte, fällt eben unter jenes Verbot und brachte ihm statutengerecht einen Gelben Karton ein. "Justice for George Floyd" stand in schwarz auf dem gelben Unterzieher - Gerechtigkeit für George Floyd. 

Auch Hakimi mit Shirt, Weston McKennie mit Binde am linken Arm

Links kniet Gladbachs Marcus Thuram, rechts Achraf Hakimi vom BVB. Auch er hatte einen Unterzieher, genau wie Jadon Sancho.
Links kniet Gladbachs Marcus Thuram, rechts Achraf Hakimi vom BVB. Auch er hatte einen Unterzieher, genau wie Jadon Sancho.  © Lars Baron/Getty Images Europe/Pool/dpa;Martin Meissner/AP Pool

Ein nahezu identisches Shirt trug sein Teamkollegen Achraf Hakimi. Auch er präsentierte es vor den Kameras.

Ebenso wie seine Schalker und Dortmunder Kollegen machte auch Marcus Thuram von Borussia Mönchengladbach auf das Schicksal um George Floyd aufmerksam.

Er trug zwar kein Shirt, dafür kniete er nach seinem Treffer zum 2:0 über Union Berlin mit gesenktem Kopf.

Gladbach-Trainer Rose äußerte sich bereits nach dem Spiel zum Jubel seines Angreifers. Thuram sei ein klasse Junge und "hat es auf den Punkt gebracht. Er hat ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt, das wir natürlich alle unterstützen" und sicherte ihm seine volle Rückendeckung zu.

Auch Union-Geschäftsführer Oliver Ruhnert stellte sich nach der 1:4-Schlappe hinter den gegnerischen Angreifer. "Wenn ein Kontrollausschuss dagegen ermitteln will, dann muss ich mich fragen, ob wir alle noch die gleichen Werte haben. Hier geht es um ein globales Thema: Das Nein zu Rassismus."

Nun ist der DFB in einem moralischen Konflikt. Zwangsläufig muss wohl der Verband Ermittlungen einleiten und sich mit den Szenen und den zugehörigen Spielern auseinandersetzen. Dabei spielt die (gute) Absicht keine Rolle.

Jedoch ist es dem Kontrollgremium möglich, im konkreten Falle ein Auge zuzudrücken. 

Gerade beim Thema Rassismus würde man somit seinen eigenen Kampagnen und Grundsätzen mit dem Aussprechen einer Strafe widersprechen.

Thuram kniet, ähnlicher Fall einst bei Anthony Ujah

Ähnliches hat man bereits vor einigen Jahren mit dem heutigen Union-Angreifer Anthony Ujah (29) gemacht. Der Nigerianer, damals im Trikot des 1.FC Köln, trug ein Shirt mit der Aufschrift "I can't breathe", welche an einen beinahe identischen Fall angelehnt war. 

Auch hier wurde ein Afroamerikaner auf ähnliche Weise von einem Polizisten zu Tode gebracht.

Der DFB beließ es vor sechs Jahren mit einer Ermahnung und dem Hinweis auf die Statuten.

Den Spielern wie Thuram, Sancho, Hakimi und McKennie dürfte wohl ähnliches blühen. Eine härtere Sanktion wäre für den DFB allerdings letztlich wohl nur ein Eigentor.

Titelfoto: Lars Baron/Getty Images Europe/Pool/dpa ; Lars Baron/Getty Images Europe/Pool/dpa;Martin Meissner/AP Pool ; Screenshot/Twitter OK

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