Unsportlichkeit im Profifußball: Von Schwalben und anderen Unarten in der Bundesliga

Deutschland - Der Name Andreas Möller (53) steht im deutschen Profifußball noch immer für die "Mutter aller Schwalben", doch in die "Schönste Nebensache der Welt" haben sich nach und nach immer mehr Unsportlichkeiten eingeschlichen.

Andreas Möller (53) wird auch heute noch mit der "Mutter aller Schwalben" in Verbindung gebracht.
Andreas Möller (53) wird auch heute noch mit der "Mutter aller Schwalben" in Verbindung gebracht.  © Fredrik von Erichsen/dpa

Möller setzte am 13. April 1995 im Trikot von Borussia Dortmund zu seinem berühmt-berüchtigten Faller im Strafraum an, um gegen den Karlsruher SC einen Strafstoß zu schinden.

Der heute 53-Jährige sprach damals von einer "Schutzschwalbe", weil er befürchtete, dass sein Gegenspieler Dirk Schuster (53) ihn "voll umhauen würde." Schiedsrichter Günther Habermann (71) fiel auf den perfiden Betrug herein und zeigte auf den Punkt - der Rest ist Geschichte.

Durch den Einsatz des VAR ist eine Schwalbe dieser Güteklasse heutzutage freilich nicht mehr möglich und man spricht Neudeutsch auch nicht mehr von einer Schwalbe, sondern eher von "Kontakt suchen".

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So erst kürzlich wieder in der Bundesliga geschehen und auch trotz VAR nicht zurückgenommen. Der Protagonist war dabei wieder ein BVB-Spieler. Beim 2:0-Sieg gegen den 1. FC Union Berlin suchte Marco Reus (31) den Kontakt zu Union-Keeper Andreas Luthe (34) und wurde dafür mit einem Elfmeter "belohnt".

YouTube Video der berühmt-berüchtigten Schwalbe von Andreas Möller gegen den Karlsruher SC

Marco Reus sucht den Kontakt zu Union-Keeper Andreas Luthe, um einen Elfmeter zu provozieren

Fordern von Karten, Reklamieren nach eindeutigen Fouls und Erschleichen von Standardsituationen

Dortmunds Marco Reus (31) liegt am Boden, nachdem er im Strafraum den Kontakt zu Union-Keeper Andreas Luthe (34) gesucht hat, um einen Elfmeter zu provozieren.
Dortmunds Marco Reus (31) liegt am Boden, nachdem er im Strafraum den Kontakt zu Union-Keeper Andreas Luthe (34) gesucht hat, um einen Elfmeter zu provozieren.  © Martin Meissner/AP POOL/dpa

Doch das ist leider nur der Anfang. Mit einer charakteristischen Handbewegung ist schnell eine weitere Unsitte beschrieben, die sich schon vor geraumer Zeit in den Fußball eingeschlichen hat: das Fordern von gelben oder gar roten Karten.

Darauf steht laut Regelwerk eigentlich eine Bestrafung des fordernden Spielers oder Trainers, was von den meisten Schiedsrichtern jedoch leider nicht umgesetzt wird, sodass diese typische Geste immer noch an der Tagesordnung ist.

Reklamieren steht auch mit einer weiteren Unsportlichkeit eng in Verbindung. Viele Kicker spielen immer wieder das Unschuldslamm und zeigen auf den Ball, auch wenn sie ganz genau wissen, dass sie ihren Gegenspieler gerade gefoult haben. Klar rollt das Leder weiter, wenn man gegen den Fuß des Kontrahenten tritt, der sich gerade im Ballbesitz findet.

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Ebenso unangebracht ist es, Einwürfe oder Eckstöße zu fordern, wenn ein Spieler eigentlich genau weiß, dass er das Spielgerät selbst ins Aus befördert hat. Doch immer wieder gehen die Arme beider Parteien hoch, um dem Schiri zu signalisieren, dass man den Ballbesitz beansprucht. Besonders ärgerlich sind solche erschlichenen Standardsituationen natürlich, wenn daraus dann Tore resultieren.

Vortäuschen von Tätlichkeiten und lautes Schreien nach harmlosen Fouls

Immer wieder brechen Spieler wie vom Blitz getroffen zusammen und winden sich schmerzverzerrt auf dem Boden um eine Tätlichkeit oder ein besonders hartes Foul vorzutäuschen. (Symbolfoto)
Immer wieder brechen Spieler wie vom Blitz getroffen zusammen und winden sich schmerzverzerrt auf dem Boden um eine Tätlichkeit oder ein besonders hartes Foul vorzutäuschen. (Symbolfoto)  © Armin Weigel/dpa

Auch immer wieder gern genommen ist das Vortäuschen von Tätlichkeiten oder vermeintlichen Schlägen ins Gesicht mit anschließender schauspielerischer Leistung.

Natürlich kommt es in Zweikämpfen immer wieder zum Einsatz der Ellbogen und Hände aber sich das Gesicht zu halten, obwohl man am Oberkörper getroffen wurde und sich anschließend schmerzverzerrt auf dem Boden zu winden, ist eine unschöne Marotte einiger Profis.

In diesem Zusammenhang kommen wir auf die wohl neueste Unsitte zu sprechen: lautes Schreien.

Nach gefühlt jedem harmlosen Foul ertönt ein markerschütternder Schrei, der in den leeren Bundesliga-Arenen natürlich besonders stark widerhallt, sodass man denken könnte, der betroffene Spieler hätte sich gerade das Bein gebrochen oder einen Kreuz­band­riss zugezogen.

Hier stellt sich allerdings die Frage, ob das schon immer der Fall gewesen ist und schlichtweg nur von den Zuschauern übertönt wurde oder ob das Schreien den Schiedsrichter zu einem Pfiff bewegen und die sonst in vollen Stadien übliche empörte Reaktion der Fans ersetzen soll?

Klar, die Bundesliga ist mittlerweile ein Milliardengeschäft und jeder Kicker will das beste für seinen Verein herausholen, doch dabei sollte man nicht vergessen, dass die Profis auch als Vorbilder für die Amateure dienen und sich solche Unarten schlimmstenfalls bis in den Kinder- und Jugendfußball fortsetzen.

Titelfoto: Martin Meissner/AP POOL/dpa

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