Bundesliga-Kolumne: HSV blamiert sich bis auf die Knochen, Werder obenauf!

Deutschland - Was war das für ein nervenaufreibendes Fußball-Wochenende! Der SV Werder Bremen demonstrierte am Samstag mit einem denkwürdigen 6:1-Kantersieg gegen den 1. FC Köln seine Stärke, doch Erzrivale Hamburger SV konnte diese Steilvorlage nicht nutzen.

Die schwachen Leistungen im Saisonfinale werden beim HSV noch lange Gesprächsthema sein. Selten war der Aufstieg in die 1. Bundesliga einfacher zu schaffen, als in dieser inkonstanten Saison.
Die schwachen Leistungen im Saisonfinale werden beim HSV noch lange Gesprächsthema sein. Selten war der Aufstieg in die 1. Bundesliga einfacher zu schaffen, als in dieser inkonstanten Saison.  © Christian Charisius/dpa

Stattdessen gingen die wie gelähmt wirkenden Rothosen gegen den SV Sandhausen, für den es um nichts mehr ging, mit 1:5 (!) unter. Selbst Dennis Diekmeier, immerhin acht Jahre für den HSV aktiv, schoss ein Tor!

Das ist ihm dort in seiner gesamten Zeit nicht ein einziges Mal gelungen! Allein das sprach Bände über die Nichtleistung, die Hamburg zeigte.

So wurde es nichts mit der Traum-Relegation gegen Bremen. Der SVW hatte sich nämlich auf den allerletzten Drücker den Platz in der Relegation gesichert. 

Der HSV hätte selbiges schon mit einem Unentschieden im Volksparkstadion gegen Sandhausen schaffen können, weil der 1. FC Heidenheim zeitgleich mit 0:3 bei Arminia Bielefeld baden ging. 

Doch den Hamburger Spielern schlotterten die Knie, sie wirkten weder physisch, noch psychisch auf der Höhe und enttäuschten ihre Fans ein weiteres Mal.

Erneut stellten die Akteure unter Beweis, dass sie mit diesem Druck nicht umgehen können. Besonders schlimm: Das Ergebnis fiel noch nicht mal zu hoch aus.

Zumindest auf den ersten Blick: 1. FC Heidenheim klarer Außenseiter gegen den SV Werder Bremen

Heidenheim um Führungsspieler Marc Schnatterer (r.) verlor am Sonntag mit 0:3 bei Arminia Bielefeld, darf aber in der Relegation trotzdem um den Bundesliga-Aufstieg spielen.
Heidenheim um Führungsspieler Marc Schnatterer (r.) verlor am Sonntag mit 0:3 bei Arminia Bielefeld, darf aber in der Relegation trotzdem um den Bundesliga-Aufstieg spielen.  © Friso Gentsch/dpa

Denn der SVS hatte noch einige weitere große Möglichkeiten. Schon allein deshalb, aber auch wegen der 1:2-Niederlage beim 1. FC Heidenheim in der Woche zuvor, hat es der HSV schlichtweg nicht verdient, die Chance auf den Bundesliga-Aufstieg zu haben.

Wer im Saison-Verlauf so viele Möglichkeiten und Punkte liegen lässt, muss sich (erneut!) genau hinterfragen und die Spielzeit bis ins kleinste Detail analysieren. Nur, wenn man daraus (endlich) die richtigen Lehren zieht, läuft es 2020/21 vielleicht besser.

Ganz anders ist die Situation in Bremen, wo sich das auch an dieser Stelle kritisch beäugte Festhalten an Coach Florian Kohfeldt gelohnt hat - zumindest vorerst.

Denn um die verkorkste Saison zu retten, muss sich Werder gegen Heidenheim erst einmal durchsetzen. Geht man nach den Leistungen beider Teams an diesem Wochenende, dürfte das kein Problem sein.

Doch bedenkt man die psychologische Situation, dann erscheint die Rollenverteilung nicht mehr ganz so klar zu sein.

Schließlich kann Werder trotz aller Euphorie nur verlieren. Der Klassenerhalt wird erwartet, alles andere wäre für den Verein spätestens jetzt, bei dieser Konstellation, eine Katastrophe.

Der Druck liegt beim SV Werder Bremen und nicht beim 1. FC Heidenheim

TAG24-Fußballredakteur beschäftigt sich in seiner Kolumne diesmal mit den gegensätzlichen Gefühlswelten bei Werder Bremen und beim HSV.
TAG24-Fußballredakteur beschäftigt sich in seiner Kolumne diesmal mit den gegensätzlichen Gefühlswelten bei Werder Bremen und beim HSV.  © Carmen Jaspersen/Christian Charisius/dpa

Der Druck liegt also auf Bremer Seite. Denn der SVW wird seinen langjährigen Starstürmer Claudio Pizarro wohl kaum mit einem Abstieg verabschieden wollen.

Heidenheim hat die Möglichkeit, erstmals erstklassig spielen zu können, dagegen erst kurz vor Saisonende ergriffen und darf nun mit viel Glück um den größten Erfolg der Vereinsgeschichte kämpfen.

Die Spieler können deshalb eigentlich nur gewinnen. Denn alles andere als ein Scheitern wäre eine Überraschung. Das hängt auch mit Heidenheims Kader zusammen. Denn die individuelle Klasse der Bremer Kicker ist auf jeder Position (deutlich) höher.

Wenn man ehrlich ist, hat die Mannschaft von Erfolgstrainer Frank Schmidt nämlich nicht mehr als leicht gehobene Zweitliga-Qualität. Der FCH spielte zweifelsfrei eine starke Saison.

Doch dass man soweit oben landen konnte, hing auch mit der Inkonstanz der anderen Klubs zusammen. Der HSV ist hier das beste Beispiel.

Deshalb geht Werder als klarer Favorit ins Rennen. Und genau diese Belastung könnte dafür sorgen, dass Heidenheim doch eine Chance hat.

Titelfoto: Carmen Jaspersen/Christian Charisius/dpa

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