Bundesliga-Kolumne: So lief der Geister-Spieltag nach der Corona-Pause

Deutschland - Der erste Geister-Spieltag in der 1. und 2. Bundesliga ist bis auf zwei Ausnahmen schon wieder Geschichte! Doch hat sich das Wochenende nach "echtem" Fußball angefühlt?

Was dieses Foto vom 6. April 2019 aus der U19-Bundesliga-Partie Dynamo Dresden gegen Hertha BSC (0:0) mit dem Männer-Bundesliga-Spieltag am Wochenende zu tun hat? Die Atmosphäre ist ähnlich steril.
Was dieses Foto vom 6. April 2019 aus der U19-Bundesliga-Partie Dynamo Dresden gegen Hertha BSC (0:0) mit dem Männer-Bundesliga-Spieltag am Wochenende zu tun hat? Die Atmosphäre ist ähnlich steril.  © Stefan Bröhl

Bestenfalls bedingt. Für mich war die erste Partie nach der Corona-Pause das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04.

Es war äußerst merkwürdig, ein solch brisantes Spiel am Fernseher ohne Zuschauer zu sehen. Besonders auffällig war das beim Einlaufen vor Beginn, beim Torjubel ohne lautstark jubelnde Fanmassen und beim Feiern der BVB-Spieler nach dem 4:0-Erfolg vor der verwaisten Südtribüne.

All das erinnerte mich an die vielen Begegnungen in den Jugend-Bundesligen, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. 

Doch dort ist man wenigstens live vor Ort, kann eigene Beobachtungen abseits etwaiger Kameras machen und hat zumindest ein paar Zuschauer an einem meist engen Sportplatz.

Dort kommt immerhin ein wenig Stimmung auf. 

In einem so gewaltigen Fußballtempel wie dem Signal Iduna Park, in dem sonst mehr als 80.000 Zuschauer Platz finden, war die Atmosphäre dagegen im wahrsten Sinne des Wortes gespenstisch.

Und vorm TV wirkte dieses Spiel noch deutlich dumpfer, weshalb die großen Emotionen trotz der bemerkenswert guten Dortmunder Leistung zu keinem Zeitpunkt aufkamen.

TAG24-Fußballredakteur Stefan Bröhl beschäftigt sich in seiner wöchentlichen Bundesliga-Kolumne diesmal mit dem Geister-Spieltag.
TAG24-Fußballredakteur Stefan Bröhl beschäftigt sich in seiner wöchentlichen Bundesliga-Kolumne diesmal mit dem Geister-Spieltag.  © Martin Meissner/AP-Pool/dpa

Spannende Schlussphase in den Zweitliga-Partien am Sonntagnachmittag

Die gänzlich verwaisten Ränge ließen der 1. FC Köln und der 1. FSV Mainz 05 mit einer munteren Partie phasenweise vergessen.
Die gänzlich verwaisten Ränge ließen der 1. FC Köln und der 1. FSV Mainz 05 mit einer munteren Partie phasenweise vergessen.  © Lars Baron/Getty/Pool/dpa

Anders war es auch bei den meisten restlichen Partien nicht. 

Ob das überraschende 3:0 von Hertha BSC bei der TSG 1899 Hoffenheim mitsamt "falschem" Torjubel oder der 3:1-Erfolg von Borussia Mönchengladbach bei Eintracht Frankfurt - Bundesliga-Feeling gab es nur sportlich.

Etwas anders lief es beim überraschend munteren Duell zwischen dem 1. FC Köln und dem 1. FSV Mainz 05.

Die Geißböcke führten 2:0, die Nullfünfer glichen zum 2:2 aus, beide Mannschaften spielten auf Sieg, sodass sich eine spannende Schlussphase entwickelte, in der man beinahe vergessen konnte, dass keine Zuschauer im Stadion waren, die die Teams nach vorne hätten peitschen können.

Ähnlich lief es am Sonntagnachmittag in der 2. Bundesliga ab. Dort ging es in der Schlussphase richtig ab! Dem SV Wehen Wiesbaden gelang gegen den VfB Stuttgart in der siebten Minute der Nachspielzeit (!) der 2:1-Siegtreffer.

Der Hamburger SV kassierte bei der SpVgg Greuther Fürth in der vierten Minute der Nachspielzeit und mit der letzten Aktion des Spiels den unnötigen 2:2-Ausgleich.

1. FC Union Berlin gegen FC Bayern München zeigte deutlich, wie sehr die Fans fehlen

Da blutet das Fußballherz! Gähnend leere Ränge im Stadion An der Alten Försterei beim Spiel zwischen dem 1. FC Union Berlin und FC Bayern München.
Da blutet das Fußballherz! Gähnend leere Ränge im Stadion An der Alten Försterei beim Spiel zwischen dem 1. FC Union Berlin und FC Bayern München.  © Hannibal Hanschke/Reuters-Pool/dpa

Auch Arminia Bielefeld musste im Derby gegen den VfL Osnabrück in der vierten Minute der Nachspielzeit einen Rückschlag hinnehmen, weil Marcos Alvarez zum 1:1-Ausgleich traf. 

Hier war die mitreißende Begeisterung, die der Fußball auslösen kann, zumindest phasenweise zu spüren.

Das komplette Gegenteil lief am frühen Sonntagabend im Stadion An der Alten Försterei ab, als die Vereinshymne "Eisern Union" von Nina Hagen gespielt wurde, während der 1. FC Union Berlin und der FC Bayern München einliefen.

Wo sonst absolute Gänsehaut-Stimmung und energetische Vorfreude in einer ausverkauften Arena geherrscht hätte, tat der Blick in das leere Stadion weh.

Entsprechend dieser Atmosphäre war dann auch das Spiel. 

Union kämpfte zwar und machte Bayern das Leben schwer, doch die Münchner gewannen dank zweier Standardsituationen ungefährdet und gänzlich unspektakulär mit 2:0.

Der Fußball, den die breite Masse liebt, ist das auf nicht. Taktikfüchse und diejenigen, die Begegnungen ohnehin konzentriert verfolgen, können schon eher etwas mit den Geisterspielen anfangen. Dennoch werden auch sie sich in naher Zukunft an diese vorläufige Dauerform der Spiele gewöhnen müssen.

Titelfoto: Martin Meissner/AP-Pool/dpa

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