Die nervöse 2. Liga! Drei Trainerwechsel an einem Spieltag

Sandhausen - Was haben die Zweitligisten SV Sandhausen, Holstein Kiel und Erzgebirge Aue gemeinsam? Alle drei Klubs haben in der Saison 2021/22 bereits einen Trainerwechsel hinter sich und suchen nun nach einem neuen Coach. Der Wechsel auf der Position des Übungsleiters erfolgte bei allen drei Vereinen am 7. Spieltag. Wird die Zahl Sieben ihrem Ruf als böses Omen gerecht oder liegen die Nerven der Vereine im Abstiegskampf einfach nur blank?

Trainer-Duo des SV Sandhausen muss nach Niederlage gegen Heidenheim gehen

Nach der 1:3-Niederlage gegen Heidenheim vergräbt Pascal Testroet (30) sein Gesicht in den Händen.
Nach der 1:3-Niederlage gegen Heidenheim vergräbt Pascal Testroet (30) sein Gesicht in den Händen.  © Tom Weller/dpa

Dienstagabend stellte der SVS sein Trainer-Duo Gerhard Kleppinger (63) und Stefan Kulovits (38) frei. Nachdem in der Vorsaison erst am letzten Spieltag der Klassenerhalt gelang, ist dieser jetzt erneut in höchster Gefahr.

Nur ein Dreier gelang gegen die bislang sieglosen "Veilchen". Auf den Auswärtssieg beim Tabellenletzten folgten drei Niederlagen. 16 neue im Sommer - Eingewöhnungsschwierigkeiten kommen nicht von ungefähr.

Der Ausfall von zwei Torhütern ist auch nicht leicht zu kompensieren.

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Doch vor allem die namhafte Offensive stottert. Ob ein neuer Trainer die Herren Testroet (30), Keita-Ruel (30), Benschop (32) und Esswein (31) in Schuss bringt? Alle sind jedoch 30 Jahre oder älter. Statt einem Trainerwechsel hätte womöglich Verjüngung dem Kader im Sommer besser getan.

In Hannover soll nun der Bock umgestoßen werden. Als möglicher neuer Cheftrainer wird Ex-Coach Alois Schwartz (54) gehandelt.

Gibt es das nur in der 2. Bundesliga? Im August waren Gerhard Kleppinger (62, links) und Stefan Kulovits (38, rechts) noch hauptverantwortlich beim SV Sandhausen. Jetzt sind sie wie Aleksej Shpilevski (33) beurlaubt worden.
Gibt es das nur in der 2. Bundesliga? Im August waren Gerhard Kleppinger (62, links) und Stefan Kulovits (38, rechts) noch hauptverantwortlich beim SV Sandhausen. Jetzt sind sie wie Aleksej Shpilevski (33) beurlaubt worden.  © Picture Point / Gabor Krieg

Ole Werner verließ Holstein Kiel nach Fehlstart freiwillig

Von selbst verließ Ole Werner (33) Holstein Kiel nach dem Fehlstart in die neue Spielzeit.
Von selbst verließ Ole Werner (33) Holstein Kiel nach dem Fehlstart in die neue Spielzeit.  © Frank Molter/dpa

Auch bei Holstein Kiel hat man sich den Saisonstart sicher anders vorgestellt. Ein Sieg, zwei Unentschieden und vier Niederlagen lesen sich absolut nicht wie die Bilanz eines Vereins, der noch vor wenigen Monaten beinahe in die 1. Bundesliga aufgestiegen wäre.

Doch das Negativerlebnis verpasster Aufstieg in Kombination mit dem Abgang der drei Stammspieler Jonas Meffert (27), Jae-sung Lee (29) und Janni Serra (23) ergibt eine ungute Mischung für den KSV.

Genau wie den Sandhäusern glückte der einzige Saisonsieg gegen Aue. Mit Fiete Arp (21) und Lewis Holtby (31) liest sich die Angriffsreihe dennoch namhaft, lässt jedoch die Konstanz vermissen, die die gewechselten Leistungsträger der letzten Saison innehatten.

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Geduld hatten zwar die Verantwortlichen mit Trainer Ole Werner (33), doch dieser trat von selbst zurück. Das lässt vermuten, dass er auch nicht von einem schnellen Umschwung zum Positiven überzeugt war. Der Name so gut wie jedes vereinslosen Coachs schwebt jetzt als Option über dem Holstein-Stadion.

Die sportliche Leitung benötigt ein glückliches Händchen bei der Auswahl.

Aleksey Shpilevski gelang mit dem FC Erzgebirge Aue kein einziger Pflichtspiel-Sieg

Aleksey Shpilevski (33) gelang mit Aue in sieben Liga-Partien und einem Pokalspiel kein Sieg. Folgerichtig seine Beurlaubung.
Aleksey Shpilevski (33) gelang mit Aue in sieben Liga-Partien und einem Pokalspiel kein Sieg. Folgerichtig seine Beurlaubung.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Dunkle Wolken hängen fußballtechnisch gesehen über dem Erzgebirge. Aue hat die Rote Laterne inne und das völlig zurecht. Die Beurlaubung von Aleksey Shpilevski (33) kommt nicht von ungefähr.

Der Auer Sturm ist mit drei Toren aus sieben Spielen, ein laues Lüftchen. Die Abwehr stand speziell in den Spielen gegen direkte Keller-Kontrahenten wie Sandhausen oder Kiel, aber auch beim Spitzenreiter Paderborn nur Spalier. Eine Überraschung ist der schwache Start jedoch nicht. Die Abgänge von Florian Krüger (22) und Pascal Testroet (30) konnten nicht aufgefangen werden.

Verpflichtet hat Aue eine Reihe von namenlosen Akteuren und Wundertüten. Ähnlich war auch das Engagement von Shpilevski ein Griff mit Augen zu in die Loskugel. Hätte vielleicht klappen können, doch mangelnde Erfahrung und die ohnehin fehlende Qualität wurden dem 33-Jährigen zum Verhängnis.

Gut möglich, dass Interimstrainer Marc Hensel (35) die Veilchen vorerst länger betreut.

St.-Pauli-Trainer Schultz ist das beste Beispiel, dass ein Trainerwechsel nicht immer die richtige Entscheidung ist

An Trainer Timo Schultz (44) wurde in der Vorsaison trotz sportlicher Talfahrt festgehalten. Er zahlte es mit dem Klassenerhalt zurück und heimst immer noch fleißig Punkte ein.
An Trainer Timo Schultz (44) wurde in der Vorsaison trotz sportlicher Talfahrt festgehalten. Er zahlte es mit dem Klassenerhalt zurück und heimst immer noch fleißig Punkte ein.  © Christian Charisius/dpa

Nur ein Sieg bzw. gar kein Sieg in sieben Spielen.

Die Trainerwechsel in Aue, Kiel und Sandhausen sind von den Ergebnissen her zwar nachvollziehbar. Allerdings müssen sich die sportlichen Verantwortlichen der Klubs auch Mängel bei der Transferpolitik im Sommer nachsagen lassen.

Eine ähnliche sportliche Bilanz wie die genannten Vereine weist der FC Ingolstadt auf. Ziehen die Schanzer in den kommenden Wochen die Reißleine, wird das Trainer-Haifischbecken 2. Bundesliga seinem Ruf endgültig gerecht.

Doch Obacht, Ihr Sportdirektoren. Es geht auch anders! Trotz nur einem Sieg aus 15 Spielen hielt der FC St. Pauli im Vorjahr an Trainer Timo Schultz (44) fest, hielt souverän die Klasse und gilt nun als heißer Anwärter auf den Sprung in die Fußball-Bundesliga.

Titelfoto: Montage: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa, Tom Weller/dpa, Frank Molter/dpa

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