Wer muss zittern? Das sind die Abstiegskandidaten der 2. Liga

Deutschland - In der 1. Bundesliga ruht der Ball noch drei weitere Wochen. Dagegen wurde die Saison der 2. Liga am Freitag mit dem Top-Spiel zwischen Schalke 04 und dem Hamburger SV eröffnet. Doch nicht nur die Aufstiegsfrage in der 2. Bundesliga ist spannend. Auch im Tabellenkeller wird es in 34 Spieltagen zur Sache gehen. Welche zwei Teams müssen in den sauren Apfel beißen und den Gang in die Drittklassigkeit antreten? Wer bekommt in der Relegation eine letzte Chance auf den Klassenverbleib? TAG24 macht den Check.

Steckt Dynamo Dresden das Verletzungspech in der Abwehr weg?

Dass Christoph Daferner (23) und Philipp Hosiner (32) gut harmonieren, haben sie bereits in Liga 3 unter Beweis gestellt. Nun auch eine Etage höher?
Dass Christoph Daferner (23) und Philipp Hosiner (32) gut harmonieren, haben sie bereits in Liga 3 unter Beweis gestellt. Nun auch eine Etage höher?  © Lutz Hentschel

Nach dem Abstieg im Corona-Sommer 2020 ist die SG Dynamo Dresden recht souverän in die Zweitklassigkeit zurückgekehrt. Doch reicht die Qualität für den Verbleib im Unterhaus?

Vor allem in der Defensive plagen die Dresdner Personalprobleme. Hinten links gibt es praktisch nur Oldie Chris Löwe (32). Rechtsverteidiger Robin Becker (24) wurde durch Verletzungen ein halbes Jahr lang ausgebremst. Kevin Ehlers (20) und Kapitän Sebastian Mai (27) verpassten weite Teile der Vorbereitung durch Verletzungen.

Immerhin kann die SGD drei Stürmer vorweisen, die wissen, wo das Tor steht. Doch Christoph Daferner (23), Philipp Hosiner (32) und Pascal Sohm (29) müssen jedoch erst einmal unter Beweis stellen, dass auch in der 2. Bundesliga einer von ihnen für 10 oder mehr Tore gut ist.

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2. Bundesliga Sandhausen-Kapitän Diekmeier schließt Karriereende vorerst aus

Für Dresden spricht die Bilanz von Trainer Alexander Schmidt (52): 6 Spiele, 5 Siege und kein Gegentor. Mit seiner lockeren Art könnte der 52-Jährige der SGD zum Klassenerhalt verhelfen. Dass wieder Fans ins Stadion dürfen, sollte für Dresden auch von Vorteil sein, weil so eine echte Aufstiegseuphorie entstehen kann, die die Auf- und späteren Absteiger Würzburg und Braunschweig im Vorjahr nicht hatten.

Prognose: Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Abstiegskampf ist angesagt.

Erfahrene Neuzugänge sollen Hansa Rostock zum Klassenerhalt führen

Hanno Behrens (31) wechselt die Seiten. Statt im Trikot des 1. FC Nürnberg läuft er nun für den FC Hansa Rostock auf.
Hanno Behrens (31) wechselt die Seiten. Statt im Trikot des 1. FC Nürnberg läuft er nun für den FC Hansa Rostock auf.  © Daniel Karmann/dpa

Neben Dresden vergrößert Hansa Rostock die Fraktion der Ost-Vereine auf der Zweitliga-Landkarte. Bei den Verstärkungen setzen die Hanseaten auf Routine.

Die neuen Angreifer Ridge Munsy (32) und Streli Mamba (27) bringen Zweitliga-Erfahrung genau wie der neue Leitwolf Hanno Behrens (31) mit.

Im Vorjahr stellte der FCH hinter Dynamo die zweitbeste Defensive und will daran anknüpfen. Trainer Jens Härtel (52) hat großen Anteil an der Entwicklung des Vereins, allerdings misslang ihm beim 1. FC Magdeburg der Sprung vom kämpferischen Drittliga-Fußball zu einer abgezockten Spielweise, die in Liga 2 für den Klassenerhalt notwendig ist.

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2. Bundesliga Die nervöse 2. Liga! Drei Trainerwechsel an einem Spieltag

Der Drittliga-Stamm der Ostsee-Kogge muss seine Zweitliga-Tauglichkeit erst noch unter Beweis stellen. In der Vorbereitung ließ der FC Hansa mit einem 3:0 gegen Wolfsburg aufhorchen. Die Generalprobe gegen Braunschweig ging dafür mit 1:2 verloren.

Prognose: Abstiegskampf bis zum Schluss, aber Hansa hat das Zeug für den Klassenerhalt.

Trainertausch nach Aufstieg: Hat sich der FC Ingolstadt das gut überlegt?

Roberto Pätzold (42) ist einer der jüngeren Trainer im Unterhaus und Chefcoach des FC Ingolstadt.
Roberto Pätzold (42) ist einer der jüngeren Trainer im Unterhaus und Chefcoach des FC Ingolstadt.  © Armin Weigel/dpa

Nach dem Erreichen des Ziels den Trainer auszutauschen ist nicht das, was man nach einem Aufstieg erwarten würde. Dennoch hat sich der FC Ingolstadt von Tomas Oral (48) getrennt und das Amt des Chefcoachs nun Roberto Pätzold (42) überlassen.

Der bisherige U19-Trainer soll den FCI in der 2. Liga etablieren. Dazu setzt der Klub überwiegend auf bewährtes Personal.

Es bleiben jedoch viele Fragezeichen. Löst Torjäger Stefan Kutschke (32) seine zum Saisonende aufgetretene Ladehemmung? Bringt die Mannschaft die Motivation in der Mehrzahl der Matches aufs Feld oder wieder nur in bestimmten Spielen?

Mehrere Ingolstädter Akteure plagen sich zum Auftakt mit Verletzungsproblemen herum. Zudem fehlt es an gleichwertigen Alternativen für die Schlüsselspieler.

Prognose: Abstiegskampf bis zum Schluss.

Shpilevski krempelt den FC Erzgebirge Aue um

Seit vielen Jahren im Verein, vor Abstiegskampf schützt das nicht. Aues Torhüter und Kapitän Martin Männel (33).
Seit vielen Jahren im Verein, vor Abstiegskampf schützt das nicht. Aues Torhüter und Kapitän Martin Männel (33).  © Picture Point / Sven Sonntag

Alles wird neu, seit Ende Mai heißt es beim FC Ergebirge Aue. Den Verantwortlichen stieß der Rückrunden-Abwärtstrend sauer auf.

Neu ist deshalb Trainer Alex Shpilevski (33), der sich mit seiner Maßnahme nicht weiter auf die Dienste von Torjäger Pascal Testroet (30) zu setzen, wenig Freunde im Erzgebirge gemacht hat. Da auch Flo Krüger (22) den Verein verlassen hat, klafft im Sturm eine gravierende Lücke.

Zudem geht die Umstellung auf das Spielsystem von Shpilevski nicht ohne Schwierigkeiten über die Bühne. Die Leistung beim 1:2 gegen den 1. FC Magdeburg in der Vorbereitung war geradezu besorgniserregend. Im Sturm fehlt ein echter Torjäger, bei den Transfers wurde noch kein Spieler geholt, der sofort eine Verstärkung des Kaders darstellt. Somit muss Aue auf die Erfahrung der Arrivierten wie Torhüter und Kapitän Martin Männel (33), seit 2008 im Verein, setzen.

Prognose: Zittersaison bis zum Schluss.

Selimbegovic und der Klassenerhalt mit Regensburg: Aller guten Dinge sind drei?

Die Angriffshoffnungen beim SSV Jahn Regensburg ruhen wieder einmal auf Andreas Albers (31).
Die Angriffshoffnungen beim SSV Jahn Regensburg ruhen wieder einmal auf Andreas Albers (31).  © Armin Weigel/dpa

Zwei Spielzeiten hintereinander gelang Mersad Selimbegovic (39), dem Trainer des SSV Jahn Regensburg, das Kunststück des Klassenerhalts mit bescheidenen Mitteln.

Die laufintensive und für den Gegner unangenehme Spielweise kostet viel Kraft. Beinahe wäre der Verein abgestiegen, weil im Schlussspurt die Körner ausgingen. Defensiv ist der Jahn solide besetzt. Vorne hapert es. Außer Andreas Albers (31, 13 Treffer) empfahl sich kein anderer Angreifer für das Toreschießen. Gerade mal zwei weitere Stürmertore gelangen.

Auch an der Disziplin muss beim SSV Jahn gearbeitet werden. In der Fairness-Tabelle landeten die Regensburger auf einem Abstiegsplatz. Sperren und Verletzungen sind deshalb so schwerwiegend, weil Schlüsselspieler nicht adäquat ersetzt werden können.

Ärgerlich auch die Verletzung von Flügelspieler Aygün Yildirim (26), der Sebastian Stolze (26), den besten Offensivmann der Vorsaison, vergessen machen soll.

Prognose: Abstiegskampf bis zum Schluss.

Corona-Sorgen für Torsten Lieberknecht beim SV Darmstadt 98

Entschlossene Geste, schwierige Aufgabe: Torsten Lieberknecht (47) soll Darmstadt in ruhiges Fahrwasser führen.
Entschlossene Geste, schwierige Aufgabe: Torsten Lieberknecht (47) soll Darmstadt in ruhiges Fahrwasser führen.  © Uwe Anspach/dpa

Die Frage, ob die Mannschaft besser oder schwächer als im Vorjahr ist, muss beim SV Darmstadt 98 wohl mit Letzterem beantwortet werden.

Der überragende Torjäger Serdar Dursun (29, 27 Tore) fehlt an allen Ecken und Enden. Auch Mittelfeldspieler Victor Pálsson (30, Schalke 04) hinterlässt eine Lücke.

Wegen Corona-Fällen steht zum Auftakt nur noch ein Rumpfaufgebot zur Verfügung.

Trainer Torsten Lieberknecht (47) würde gern in die erfolgreichen Fußstapfen von Markus Anfang (47) treten. Doch Vorsicht! Das letzte Zweitliga-Gastspiel Lieberknechts endete mit dem Abstieg.

Sowohl der Kader als auch die Neuzugänge lesen sich eher durchschnittlich. Durchschnitt muss aber nichts Schlechtes heißen. Von Sorgenfrei bis Sorgenkind ist es aber kein großes Stück.

Prognose: Abstiegskampf ist angesagt.

Welcher Verein rutscht rein, obwohl der Kader stark genug fürs Mittelfeld ist?

Wenn Pascal Testroet (30) für Sandhausen regelmäßig trifft, sollte es für den Klassenerhalt reichen.
Wenn Pascal Testroet (30) für Sandhausen regelmäßig trifft, sollte es für den Klassenerhalt reichen.  © Picture Point / Sven Sonntag

Zwischenzeitlich kämpfte fast die Hälfte der Liga im Vorjahr um den Klassenverbleib. Gut möglich, dass sich das Szenario wiederholt. Erst am letzten Spieltag sicherte sich der SV Sandhausen die Zweitliga-Zugehörigkeit.

Dank einer zweistelligen Anzahl von Zu- und Abgängen will der SVS besser aufgestellt sein als im Vorjahr. Eine schwierigere Saison als im Vorjahr steht wohl auch dem SC Paderborn bevor. Trainer Steffen Baumgart (49) ist weg. Offensiv-Knipser Chris Führich (23, Stuttgart) und Christopher Antwi-Adjej (27, Bochum) haben die Herausforderung Bundesliga gesucht.

Ist das verbliebene Gerüst stark genug, die Abhänge zu ersetzen? Vereine wie der Karlsruher SC oder der 1. FC Nürnberg oder Relegations-Verlierer Holstein Kiel sind auf dem Papier stark genug, um im sicheren Mittelfeld zu landen.

Doch wehe, wenn der Start in die Saison schiefgeht!

Titelfoto: Montage: Armin Weigel/dpa, Uwe Anspach/dpa, Picture Point / Sven Sonntag

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