Zweitliga-Abstiegskandidaten in der Vorschau: Welche Teams müssen zittern?

Deutschland - Der Abstiegskampf in der 2. Bundesliga verspricht enorme Spannung! Nachdem TAG24 Euch bereits die Aufstiegskandidaten vorgestellt hat, folgen nun auch die Vereine, die den Blick wahrscheinlich nach unten richten müssen. Alles hierzu in unserer ausführlichen Vorschau.

Große Herausforderung: Lion Lauberbach (24, 3.v.l.) will Eintracht Braunschweig mit seinen Treffern in der 2. Bundesliga halten.
Große Herausforderung: Lion Lauberbach (24, 3.v.l.) will Eintracht Braunschweig mit seinen Treffern in der 2. Bundesliga halten.  © Werner Scholz/dpa

Bei den Aufsteigern aus der 3. Liga dürfte der Klassenerhalt das erklärte Saisonziel sein, insbesondere für Eintracht Braunschweig könnte es aber eng werden.

Zwar gelang es dem BTSV zahlreiche Leistungsträger wie Michael Schultz (29), Bryan Henning (27), Maurice Multhaup (25) und Lion Lauberbach (24) allesamt zu halten, doch hinter der Offensive steht dennoch ein großes Fragezeichen.

Ob Top-Torjäger Lauberbach seine Drittligaquote von zwölf Treffern in 32 Partien ins deutsche Unterhaus transferieren kann, ist fraglich. Und auch die feste Verpflichtung von Mittelstürmer Luc Ihorst (21, Werder Bremen) garantiert wohl kaum die benötigten Tore für den Verbleib.

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Immerhin wurde die Mannschaft von Coach Michael Schiele (44) mit Abwehrroutinier Saulo Decarli (30, VfL Bochum), Mittelfeldtalent Immanuel Pherai (21, Borussia Dortmund II), Linksverteidiger Anton Donkor (24, SV Waldhof Mannheim) und Keeper Ron-Thorben Hoffmann (23, FC Bayern München), der sich mit Löwen-Urgestein und Kapitän Jasmin Fejzic (36) um den Platz im Kasten streiten wird, punktuell verstärkt.

Zudem sind die Niedersachsen sehr eingespielt, was sich bei dem ausgeglichenen Teilnehmerfeld in der anstehenden Saison als großer Vorteil erweisen könnte. Auch, da gestandene Zweitligisten Federn lassen mussten, wie etwa der SSV Jahn Regensburg.

Mit Immanuel Pherai (21, 2.v.l.) hat Eintracht Braunschweig einen technisch versierten Spieler mit viel Potenzial nach Niedersachsen locken können.
Mit Immanuel Pherai (21, 2.v.l.) hat Eintracht Braunschweig einen technisch versierten Spieler mit viel Potenzial nach Niedersachsen locken können.  © Jorge Guerrero/AFP

SSV Jahn Regensburg vor schwerer Aufgabe, SV Sandhausen setzt auf Kontinuität

Joshua Mees (26, l.) und Prince Osei Owusu (25) gehen in der kommenden Saison für den SSV Jahn Regensburg auf Torejagd.
Joshua Mees (26, l.) und Prince Osei Owusu (25) gehen in der kommenden Saison für den SSV Jahn Regensburg auf Torejagd.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa, Axel Heimken/dpa

Der Jahn hat nach einer verkorksten Rückrunde und dem 15. Tabellenplatz in der Endabrechnung einige Stammkräfte eingebüßt.

So verließen mit Max Besuschkow (25, Hannover 96), Erik Wekesser (25, 1. FC Nürnberg), Torwart Alexander Meyer (31, Borussia Dortmund), Jan-Niklas Beste (23, Leihende, 1. FC Heidenheim), Sarpreet Singh (23, Leihende, Bayern) und Carlo Boukhalfa (23, Leihende, FC St. Pauli) gleich sechs etablierte Akteure den Klub.

Mit Maximilian Thalhammer (25, SC Paderborn 07), Dejan Stojanovic (28, FC Middlesbrough), Minos Gouras (24, 1. FC Saarbrücken) und Joshua Mees (26, Holstein Kiel) konnten wenigstens einige der entstandenen Baustellen geschlossen werden, hinzukommen Angreifer Prince Osei Owusu (25, FC Erzgebirge Aue) und die beiden jungen Außenbahnspieler Christian Viet (23, Pauli) und Oscar Schönfelder (21, Werder).

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Trainer Mersad Selimbegovic (40) steht allerdings vor der schweren Aufgabe, die einzelnen Puzzleteile schnellstmöglich zu einer schlagkräftigen Truppe zu formen, um dem Negativtrend zum Ende der abgelaufenen Saison entgegenzuwirken - sonst droht der Gang in Liga drei.

Etwas besser sieht es da beim SV Sandhausen aus. Die Mannschaft von Übungsleiter Alois Schwartz (55) konnte sich mit einem passablen Schlussspurt frühzeitig retten und den Kern des Teams um Mittelfeldlenker Janik Bachmann (26) weitestgehend zusammenhalten. Außerdem stieß mit Philipp Ochs (25, Hannover) und David Kinsombi (26, HSV) ein gestandenes Zweitliga-Duo zum SVS.

Sandhausens Trainer Alois Schwartz (55, l-r) sowie die Neuzugänge Philipp Ochs (25), Matej Pulkrab (25), Josef Ganda (25), Vincent Schwab (18), Abu-Bekir mer El-Zein (19), David Kinsombi (26) und Ahmed Kutucu (22).
Sandhausens Trainer Alois Schwartz (55, l-r) sowie die Neuzugänge Philipp Ochs (25), Matej Pulkrab (25), Josef Ganda (25), Vincent Schwab (18), Abu-Bekir mer El-Zein (19), David Kinsombi (26) und Ahmed Kutucu (22).  © Uwe Anspach/dpa

Der 1. FC Kaiserslautern könnte auch in der 2. Bundesliga überraschen

Goalgetter Terrence Boyd (31, vorn) vom 1. FC Kaiserslautern schwitzt für den Klassenerhalt. Mit etwas Glück ist vielleicht sogar mehr drin.
Goalgetter Terrence Boyd (31, vorn) vom 1. FC Kaiserslautern schwitzt für den Klassenerhalt. Mit etwas Glück ist vielleicht sogar mehr drin.  © Uwe Anspach/dpa

Zum Problem dürfte hingegen der Abgang von Goalgetter Pascal Testroet (31, FC Ingolstadt) werden. Der 31-jährige Mittelstürmer war mit zehn Treffern die personifizierte Lebensversicherung der Schwarz-Weißen. Entscheidend wird, ob Neuzugang Matej Pulkrab (25, Sparta Prag) und der noch bis nächsten Sommer ausgeliehene Ahmed Kutucu (22) in die großen Fußstapfen des Knipsers treten können.

Ähnlich zusammengewachsen wie Sandhausen wird sich auch der 1. FC Kaiserslautern präsentieren. Die Relegations- und Drittligahelden um Marlon Ritter (27), Boris Tomiak (23), Kevin Kraus (29), Spielmacher-Haudegen Mike Wunderlich (36), Torjäger Terrence Boyd (31), Philipp Hercher (26) und Daniel Hanslik (26) blieben den Roten Teufeln erhalten und sollten auch in der 2. Liga ein starkes Grundgerüst bilden, zudem wurden mit Erik Durm (30, Eintracht Frankfurt), Ben Zolinski (30, Aue) und Lars Bünning (24, SV Meppen) solide Verstärkungen dazu geholt.

Einzig der Abgang von Stammkeeper Matheo Raab (23) zum HSV schmerzt, doch mit dem bundesligaerfahrenen Andreas Luthe (35) und dem veranlagten Torwarttalent Julian Krahl (22, Viktoria 1889 Berlin) haben die FCK-Verantwortlichen ihrem Trainer Dirk Schuster (54) geeigneten Ersatz besorgt.

Weiterhin sollte auch die brandheiße Atmosphäre im Fritz-Walter-Stadion nicht unterschätzt werden, die dem Liganeuling zumindest im ersten Jahr wichtige zusätzliche Zähler bescheren dürfte. Mit einer "Festung Betzenberg" könnte der Aufsteiger sogar überraschen und das Abstiegsgespenst zügig davonjagen.

Der 1. FC Magdeburg bleibt angriffslustig, FC Hansa Rostock mit Transfercoup

Baris Atik (27) überragte in der abgelaufenen Saison mit 19 Treffern und 22 Assists in 35 Drittligaspielen.
Baris Atik (27) überragte in der abgelaufenen Saison mit 19 Treffern und 22 Assists in 35 Drittligaspielen.  © Uwe Anspach/dpa

Im Kader des 1. FC Magdeburg hat sich hingegen einiges getan. So ließen sich mit Allrounder Raphael Obermair (26), Innenverteidiger Tobias Müller (28) und Stürmer Sirlord Conteh (26) gleich drei Akteure der Meistermannschaft zum SC Paderborn locken.

Dennoch durfte Coach Christian Titz (51) sein Tafelsilber behalten und kann vor allem in der Offensive reichlich Qualität aufbieten. Mit Baris Atik (27) blieb nicht nur der Senkrechtstarter und das Prunkstück der besten Angriffsreihe der abgelaufenen Drittliga-Spielzeit an der Elbe, auch Jason Ceka (22) und der noch bis 2023 vom VV St. Truiden ausgeliehene Flügelwirbler Tatsuya Ito (25) werden den Zweitliga-Verteidigern Kopfzerbrechen bereiten.

Hinzukommen mit Malcolm Cacutalua (27, Aue), Abwehrjuwel Jamie Lawrence (19, Bayern) und Linksverteidiger Silas Gnaka (23, KAS Eupen) brauchbare Sofort-Verstärkungen für die Defensivreihe sowie der gestandene Eredivisie-Profi Mohammed El Hankouri (25) als Alternative für vorn. Außerdem gilt wie bei Lautern: Wird die MDCC-Arena zur Bastion, könnte Magdeburg sich komplett vom Tabellenkeller fern halten.

Der FC Hansa Rostock geht indes bereits ins traditionell heikle zweite Jahr in der 2. Bundesliga und möchte sich etablieren. Als Königstransfer hat die Kogge dafür Offensivmann Sebastien Thill (28, FC Progrès Niederkorn) als Ersatz für Hanno Behrens (32, Persija Jakarta) an die Ostsee geholt. Der luxemburgische Nationalspieler schnürte in den vergangenen anderthalb Saisons leihweise beim FC Sheriff Tiraspol die Schuhe, stand dabei sogar in der Champions League auf dem Rasen und knipste gegen namhafte Gegner wie Real Madrid und Inter Mailand.

Dazu gesellen sich Dennis Dressel (23, TSV 1860 München), Rechtsaußen Morris Schröter (26, Dynamo Dresden) und Sturmroutinier Kai Pröger (30, Paderborn), die an der Seite von Svante Ingelsson (24), Mittelfeldmotor Simon Rhein (24), Knipser John Verhoek (33) sowie Rückhalt und Kapitän Markus Kolke (31) beim erneuten Klassenverbleib helfen sollen. Hansa muss aber auf Ausrutscher der ambitionierten Aufsteiger und der bereits genannten Konkurrenz hoffen, um eine halbwegs ruhige Spielzeit zu erleben.

Mit Sebastien Thill (28) ist dem FC Hansa Rostock ein echter Überraschungstransfer gelungen. Klappt es auch mit dem Verbleib in der 2. Bundesliga?
Mit Sebastien Thill (28) ist dem FC Hansa Rostock ein echter Überraschungstransfer gelungen. Klappt es auch mit dem Verbleib in der 2. Bundesliga?  © imago/Jan Huebner

Der Karlsruher SC und Holstein Kiel wollen Abstiegsängste vermeiden

Zweitliga-Urgestein Florian Ballas (29, l.) und der talentierte Dribbelkünstler Paul Nebel (19) verstärken den Karlsruher SC.
Zweitliga-Urgestein Florian Ballas (29, l.) und der talentierte Dribbelkünstler Paul Nebel (19) verstärken den Karlsruher SC.  © Daniel Roland/AFP, Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Auch der Karlsruher SC um Trainer Christian Eichner (39) hat zunächst den Klassenerhalt als Ziel ausgegeben. Die Badener mussten mit Philipp Hofmann (29) allerdings ihren besten Torschützen (19 Treffer in 33 Ligaspielen) zum VfL Bochum ziehen lassen. Leihgabe Mikkel Kaufmann (21, FC Kopenhagen) und Simone Rapp (29, FC Vaduz) sollen seine Buden kompensieren.

Daneben setzte der KSC bei den Transfers auf eine Mischung der jungen Wilden Paul Nebel (19, vom 1. FSV Mainz 05 ausgeliehen) sowie Kelvin Arase (23, Rapid Wien) und der erfahrenen Abwehrleute Marcel Franke (29, Hannover) und Florian Ballas (29, Aue). Ob das für eine entspannte Saison ausreicht, muss sich aber erst noch zeigen.

Eine geräuscharme Spielzeit würde sich auch Holstein Kiel wünschen. Die Störche holten im letzten Jahr nur fünf Punkte aus den ersten sieben Begegnungen, woraufhin Erfolgscoach Ole Werner (34) seinen Hut nahm und später mit Werder den Aufstieg feierte.

Immerhin hat Nachfolger Marcel Rapp (43) mit Phil Neumann (25, Hannover) nur einen Leistungsträger eingebüßt, dessen Abgang von Neuling Timo Becker (25, FC Schalke 04) aufgefangen werden soll, während Torwarttalent Tim Schreiber (20, für zwei Jahre von RB Leipzig ausgeliehen) Schlussmann Thomas Dähne (28) Druck machen wird. Die Vorbereitung könnte allerdings besser laufen: Ein Corona-Ausbruch sorgte für zahlreiche Ausfälle im Trainingslager der KSV.

Holstein Kiel muss einen besseren Start als im letzten Jahr erwischen, um keine Abstiegssorgen aufkommen zu lassen.
Holstein Kiel muss einen besseren Start als im letzten Jahr erwischen, um keine Abstiegssorgen aufkommen zu lassen.  © Axel Heimken/dpa

Der FC St. Pauli muss den Blick wohl nach unten richten

Bei Werder Bremen konnte sich Johannes Eggestein (24, r.) nicht nachhaltig durchsetzen. Beim FC St. Pauli wagt der ehemalige U21-Nationalangreifer einen neuen Anlauf.
Bei Werder Bremen konnte sich Johannes Eggestein (24, r.) nicht nachhaltig durchsetzen. Beim FC St. Pauli wagt der ehemalige U21-Nationalangreifer einen neuen Anlauf.  © IMAGO/Hübner

Etwas überraschend hat es der FC St. Pauli in unsere Auflistung geschafft. Die Kiezkicker müssen aufpassen, denn nach der Herbstmeisterschaft folgte 2022 der Einbruch und lediglich Platz fünf in der Endabrechnung.

Mit Guido Burgstaller (33, Rapid Wien) und Daniel-Kofi Kyereh (26, SC Freiburg) sind die Top-Akteure der vergangenen Saison inzwischen weitergezogen, auch Eigengewächs Finn Ole Becker (22, TSG 1899 Hoffenheim) und Innenverteidiger Philipp Ziereis (29, LASK) verließen den Klub.

David Otto (23, Hoffenheim), Johannes Eggestein (24, Royal Antwerpen) und der weiterhin ausgeliehene Youngster Igor Matanovic (19, Eintracht Frankfurt) sollen die großen Lücken in der Offensive gemeinsam mit dem Kollektiv der Mannschaft füllen, doch das könnte sich als zu ambitioniertes Unterfangen erweisen, weshalb Pauli noch mal auf dem Transfermarkt aktiv werden könnte.

Wenigstens wurden Trainer Timo Schultz (44) mit Abwehrtalent David Nemeth (21, Mainz), Connor Metcalfe (22, Melbourne City), Rechtsverteidiger Manolis Saliakas (25, PAS Giannina) und Ex-Jahn-Leihgabe Boukhalfa durchaus interessante Leute mit Potenzial zur Verfügung gestellt. Für einen erneuten Angriff auf die ersten drei Plätze dürfte das aber nicht reichen. Stattdessen könnten die Braun-Weißen schnell unten reinrutschen, wenn es nicht optimal läuft.

Anpfiff für die Zweitligasaison 2022/23 ist am heutigen Freitag (20.30 Uhr) im Fritz-Walter-Stadion. Zum Auftaktspiel empfängt Liganeuling Kaiserslautern den Aufstiegsanwärter aus Hannover. Das Match wird im Free-TV auf Sat.1 übertragen.

Titelfoto: Uwe Anspach/dpa, IMAGO/Jan Huebner

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