DFB-Elf hat das Weiterkommen selbst in der Hand! Wird Thomas Müller rechtzeitig fit?

Herzogenaurach - Nun zählt es! Die deutsche Nationalmannschaft trifft am Mittwoch (21 Uhr) im letzten Gruppenspiel bei der Europameisterschaft 2020 auf Ungarn.

Wird dieses rechte Knie rechtzeitig fit? Ob Thomas Müller (31) spielen kann, entscheidet sich erst im Verlauf des Tages.
Wird dieses rechte Knie rechtzeitig fit? Ob Thomas Müller (31) spielen kann, entscheidet sich erst im Verlauf des Tages.  © dpa/Christian Charisius

Dabei steht der Einsatz von Thomas Müller (31) auf der Kippe. Joachim Löw (61) machte sich vom Trainingsplatz extra auf den Weg in den angrenzenden Fitness-Pavillon zum Star des FC Bayern München.

Der Bundestrainer wollte am Dienstag in Herzogenaurach von Deutschlands gerade prominentestem Patienten erfahren, wie es um dessen rechtes Knie steht. Eine gute Minute dauerte der Plausch, dann kehrte Löw auf den Rasen zur Mannschaft zurück.

Vor der Busfahrt nach München am Nachmittag klärte Löw dann öffentlich auf. "Dass Müller von Anfang an spielt, wird schwierig sein. Die Entscheidung treffen wir morgen", sagte er im Interview der ARD-Sportschau.

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Löw wird "ein Risiko auf jeden Fall nicht eingehen", berichtete er bei MagentaTV. Müller soll am Mittwochmorgen nochmal einen Belastungstest absolvieren und dabei "an die Grenze rankommen".

Ganz abschreiben wollte Löw seinen offensiven Anführer jedenfalls nicht: "Es kann durchaus sein, dass er in der Lage ist, trotzdem dabei zu sein." Prognose: Müller sitzt auf der Bank.

Leon Goretzka dürfte für Thomas Müller in die DFB-Startelf rücken

Leon Goretzka (26, l.) ist die erste Option, falls Thomas Müller (31) ausfallen sollte. Mats Hummels (32) ist hingegen wieder fit.
Leon Goretzka (26, l.) ist die erste Option, falls Thomas Müller (31) ausfallen sollte. Mats Hummels (32) ist hingegen wieder fit.  © dpa/Christian Charisius

Löws Risiko-Abwägung ist nachvollziehbar, zumal es "ein Wunder von München" anders als beim deutschen Erfolgswunder im WM-Finale 1954 in Bern gegen Ungarn nicht braucht. Schon ein Punkt genügt zum Einzug ins Achtelfinale.

Löw verfügt in Leon Goretzka (26) zudem über einen guten Müller-Ersatz. Bereit für einen Einsatz in der Allianz Arena, die nach einem Beschluss der UEFA nicht in Regenbogen-Farben beleuchtet werden darf, meldeten sich derweil Mats Hummels (32, Knie) und Ilkay Gündogan (30, Wade).

Beide mischten beim Abschlusstraining munter mit. "Ich kann spielen", sagte Hummels danach bei MagentaTV: "Ich werde diese Pausen immer mal wieder einlegen müssen, weil ich die Knieprobleme mit mir rumtrage."

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Goretzka fühlt sich derweil bereit für die Müller-Rolle. "Ich traue mir die Position zu", sagte er selbstbewusst. Löw kann dem von einer Oberschenkelverletzung genesenen Münchner Muskelmann wertvolle EM-Minuten geben.

Und der 31-jährige Müller kann sich für die heißen Alles-oder-nichts-Kämpfe in den folgenden K.o.-Runden erholen.

Joachim Löw wird vermutlich nur notwendige Wechsel vornehmen

Bundestrainer Joachim Löw (61) dürfte weitestgehend auf das Team setzen, dem er in den ersten beiden Spielen vertraute.
Bundestrainer Joachim Löw (61) dürfte weitestgehend auf das Team setzen, dem er in den ersten beiden Spielen vertraute.  © dpa/Federico Gambarini

Der Bayern-Leitwolf kam nach seiner Kapselverletzung am Knie am Dienstagmorgen mit dem Rad ins Adi-Dassler-Stadion gefahren. Dort verschwand er erstmal im Fitnessbereich, wo er Stabilitätsübungen absolvierte.

Nach einem Gespräch mit Mannschaftsarzt Jochen Hahne (42) drehte er dann gemeinsam mit Fitnesscoach Nicklas Dietrich (38) und Reha-Kollege Lukas Klostermann (25, Muskelverletzung) einige Laufrunden. Dabei schweifte Müllers Blick zu den mit Ball übenden Kollegen.

Neben Goretzka wäre auch Leroy Sane (25) als Offensiv-Option für Müller möglich. Doch die Goretzka-Lösung scheint logisch. "Ich fühle mich im Turnier angekommen", sagte dieser nach seinem 17-Minuten-Comeback gegen Portugal. Der 26-Jährige weiß, dass es eine große Aufgabe ist, Müller zu ersetzen.

Der Rückkehrer war gegen die Portugiesen ein wirkungsvoller Organisator der Offensivreihe mit Kai Havertz (22) und Serge Gnabry (25). "Thomas bringt immer Leben rein, Schwung rein, kann das übertragen auf seine Kollegen", sagte Goretzka anerkennend.

Bis auf Müller dürfte Torwart Manuel Neuer (35) als Kapitän mit der Regenbogenbinde wieder exakt jene Formation aufs Feld führen, die auch gegen Frankreich und Portugal begann. Es gibt für Löw keinen Grund, am Personal oder am taktischen 3-4-3-System zu rütteln.

Deutschland trifft erstmals seit 1954 bei einem großen Turnier auf Ungarn um Peter Gulacsi

Peter Gulacsi (31, v.) wird von Bundestrainer Joachim Löw (61) als stärkster Mann des Gegners eingeschätzt. Ungarns Keeper hat seine Klasse oft genug bei RB Leipzig gezeigt.
Peter Gulacsi (31, v.) wird von Bundestrainer Joachim Löw (61) als stärkster Mann des Gegners eingeschätzt. Ungarns Keeper hat seine Klasse oft genug bei RB Leipzig gezeigt.  © dpa/Robert Michael/dpa-Zentralbild

"Wir müssen jetzt weiter punkten und siegen und erfolgreich sein, wenn wir in dem Turnier eine Rolle spielen wollen", erklärte Löw deutlich.

Die Standhaftigkeit des Bundestrainers bei dessen letzter Turnier-Mission beeindruckt auch seine Spieler. "Er ist dafür bekannt, dass er sich nicht großartig beeinflussen lässt", sagte Goretzka in der ARD: "Er strahlt das auch aus vor der Mannschaft."

Löw entscheidet autark. Er horcht in die Mannschaft. Er berät sich auch mit seinem Stab. Aber auch zum Ende seiner 15 Chef-Jahre bleibt er ein Eigenbrötler, der dem eigenen Kompass folgt. In seinem 197. Länderspiel als Bundestrainer betritt er nochmals Neuland: 67 Jahre nach dem "Wunder von Bern" ist es die erste Turnierbegegnung der Nationalelf mit den im WM-Finale 1954 sensationell mit 3:2 besiegten Ungarn.

Diesmal wäre es eher ein Wunder, wenn Deutschland verlöre und bei der EM ausscheiden würde. Überheblich präsentieren sich die Erben von Fritz Walter trotzdem nicht. "Es ist noch nicht vollbracht", sagte Youngster Havertz zum Weiterkommen.

Der stärkste Mann bei den laut Löw enorm defensivstarken Ungarn steht dabei zwischen den Pfosten: Peter Gulacsi (31).

DFB-Kicker Marcel Halstenberg: "Wir wollen Erster werden"!

Marcel Halstenberg (29, M.) wird vermutlich erneut auf der Bank sitzen, während. Kai Havertz (22, l.), und Serge Gnabry (25) wohl wieder in der Anfangself stehen werden.
Marcel Halstenberg (29, M.) wird vermutlich erneut auf der Bank sitzen, während. Kai Havertz (22, l.), und Serge Gnabry (25) wohl wieder in der Anfangself stehen werden.  © dpa/Federico Gambarini

Marcel Halstenberg (29) sieht seinen Leipziger Vereinskollegen leistungsmäßig sogar "sehr nah dran" an Welttorhüter Neuer: "Peter will gegen uns die Null halten, das weiß ich schon. Wir versuchen, ihm ein oder zwei einzuschenken."

Es geht aus deutscher Sicht nicht darum, sich irgendwie ins Achtelfinale zu mogeln, sondern mit noch mehr Rückenwind in die entscheidende Turnierphase zu gehen.

"Unser Ziel ist nicht, Dritter zu werden. Wir wollen Erster werden, wir wollen das Spiel gewinnen", sagte Halstenberg, der Mann hinter Robin Gosens (26).

Deutschlands neuer Fußball-Liebling soll mit Flügel-Pendant Joshua Kimmich (26) wieder den Turbo-Antrieb zünden. Team und Fans hoffen auf ein großes Münchner Abschlussfest, bevor es für Löws Turnier-Ensemble auf Europareise geht.

Bukarest wäre die erste Station als Gruppenerster, London der Achtelfinal-Schauplatz als Zweiter hinter Frankreich.

Als Gruppendritter wäre Budapest oder Sevilla das Reiseziel.

Titelfoto: dpa/Federico Gambarini

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