DFB-Kommentar nach erneutem Remis: So machen Länderspiele einfach keinen Spaß mehr!

Deutschland - Es wird immer anstrengender, sich die Spiele der deutschen Nationalmannschaft anzuschauen! Genießen kann man die Partien schon seit der Vorbereitung auf die WM 2018 eigentlich nur noch in Ausnahmefällen.

Bloß nicht hingucken! Dieses Gefühl hatte nicht nur Benjamin Henrichs (23) nach dem Länderspiel gegen die Türkei. Auch viele Fans schauen sich Auftritte des DFB-Teams nicht mehr gerne an.
Bloß nicht hingucken! Dieses Gefühl hatte nicht nur Benjamin Henrichs (23) nach dem Länderspiel gegen die Türkei. Auch viele Fans schauen sich Auftritte des DFB-Teams nicht mehr gerne an.  © Federico Gambarini/dpa

Neuestes Beispiel: das 3:3 gegen die Türkei. Das DFB-Team verspielte gleich dreimal eine Führung und wackelte am Ende wieder bedenklich - dies war schon in der Schweiz (1:1) und gegen Spanien (1:1) der Fall. Alleine diese drei jüngsten Länderspiele waren eine mitunter äußerst zähe und durch die späten Gegentore vor allem eine frustrierende, fast schon ärgerliche Angelegenheit.  Freude macht das Anschauen aktuell nicht. 

Ja, Deutschland befindet sich nach der verkorksten WM noch immer im Umbruch und dieser wird auch noch einige Zeit andauern. Allerdings sind dabei dennoch nicht wenige Probleme selbstgemacht. 

Einen Thomas Müller (31) in absoluter Top-Form nicht mehr zu nominieren, das ist und bleibt auch weiterhin unverständlich und ein solches Handeln kann sich Löw eigentlich definitiv nicht leisten. 

Auch bessere Innenverteidiger als Mats Hummels (31) und Jérôme Boateng (32) lassen sich nicht gerade überall finden. Beide würden der mitunter wackligen Abwehr eine ganz andere Stabilität verleihen. Aber nicht, dass wir uns falsch verstehen. Der Umbruch musste kommen und vorangetrieben werden. Dass es aber ausgerechnet diese drei Säulen getroffen hat, sind und bleiben diskutable Entscheidungen.

Stattdessen sorgt der Bundestrainer mit seinen Nominierungen immer wieder für Erstaunen und mitunter auch Kritik. Marvin Plattenhardt (28), Niklas Stark (25), nun Mahmoud Dahoud (24) oder auch über lange Zeit hinweg Sebastian Rudy (30)? Auf viel Gegenliebe stießen seine Entscheidungen nicht.

Mahmoud Dahoud (24, l.) und Nadiem Amiri (23) waren nach dem 3:3 gegen die Türkei alles andere als begeistert.
Mahmoud Dahoud (24, l.) und Nadiem Amiri (23) waren nach dem 3:3 gegen die Türkei alles andere als begeistert.  © Federico Gambarini/dpa

DFB-Bundestrainer Joachim Löw musste Spieler aus der zweiten Reihe nominieren

Bundestrainer Joachim Löw (60) steht nach den durchwachsenen Spielen und Ergebnissen der vergangenen knapp zweieinhalb Jahren immer wieder in der Kritik.
Bundestrainer Joachim Löw (60) steht nach den durchwachsenen Spielen und Ergebnissen der vergangenen knapp zweieinhalb Jahren immer wieder in der Kritik.  © Federico Gambarini/dpa

Dennoch gilt auch hier natürlich, das richtige Maß bei der Bewertung zu finden. Die vergangenen Partien kann man deshalb getrost ausklammern, denn aufgrund der Belastungssteuerung musste Löw ohne Zweifel einige Akteure nominieren, die in ihren Klubs aktuell nicht alle drei Tage spielen.

Da ist die Schuld eher bei der UEFA zu suchen, die der DFB-Auswahl drei Partien innerhalb von sieben Tagen aufbürdet. Die Leistungsträger des FC Bayern München, aber auch von RB Leipzig und Borussia Dortmund sind durch dauerhafte Englische Wochen mental entkräftet und brauchen eine Pause.

Diese wird es aber bis zur EM im kommenden Jahr nicht bzw. nur dann geben, wenn man vorzeitig aus dem internationalen Wettbewerb ausscheidet. 

Deshalb ist es entsprechend überhaupt nicht verwunderlich, dass sie bei dieser Dauerbelastung Fehler machen und nicht so gut agieren, wie wenn sie frisch wären. Das dürfte jedem Fan klar sein.

Die Folge und ein weiteres Problem: Das Niveau der Begegnungen ist nicht so hoch wie es sein könnte, was schade ist und zulasten der Spieler und letztlich ebenso der Fans geht.

Daher ist dieser Spielplan zu kritisieren und müsste endlich mal wieder entschlackt, anstatt weiter "vollgeballert" werden, sodass wirklich (fast) kein Tag mehr vergeht, an dem man nicht irgendein Fußballspiel sehen kann.

Deutschland wartet in der Nations League noch immer auf den ersten Sieg

Joshua Kimmich (25) absolvierte in der vergangenen Saison 59 Pflichtspiele. Auf ihn kann und will weder der FC Bayern, noch die DFB-Auswahl in entscheidenden Spielen verzichten. Ob diese Belastung auf Dauer gut ist, darf stark angezweifelt werden.
Joshua Kimmich (25) absolvierte in der vergangenen Saison 59 Pflichtspiele. Auf ihn kann und will weder der FC Bayern, noch die DFB-Auswahl in entscheidenden Spielen verzichten. Ob diese Belastung auf Dauer gut ist, darf stark angezweifelt werden.  © Federico Gambarini/dpa

Ein gutes Beispiel für den Dauerstress ist Joshua Kimmich (25), der so wichtig ist, dass weder Bayern noch die Nationalelf auf ihn verzichten können und wollen, wenn entscheidende Partien anstehen. 

Man kann für den vielseitig einsetzbaren Defensivspieler deshalb nur hoffen, dass er dieser Belastung über Jahre hinweg gut standhalten kann und sich nicht doch irgendwann verletzt, weil Körper und Geist nicht mehr können.

Da kommt ein umstrittener Wettbewerb wie die Nations League alles andere als gelegen. Über Sinn und Unsinn kann man ausführlich streiten. Wirklich angenommen hat die DFB-Mannschaft ihn ergebnistechnisch allerdings definitiv noch nicht. Obwohl man nun bereits das zweite Jahr mitspielt, konnte Deutschland noch immer keinen (!) Sieg im Wettbewerb feiern!

Das trägt natürlich - wie die anderen Aspekte - dazu bei, dass den Fans der Spaß vergeht. Eine echte Nähe zur Nationalmannschaft lässt sich momentan einfach nur schwer aufbauen. Mit dieser fremdelten aufgrund verschiedenster Maßnahmen und Entscheidungen (wie zuletzt der Kurzstreckenflug von Stuttgart nach Basel oder die Razzia wegen möglicher Steuerhinterziehung) ohnehin viele fußballinteressierte Menschen.

Mit den ausbleibenden Ergebnissen wird es immer schwerer für Löw, sich zu behaupten. Denn auch die Begegnungen selbst lassen zu wünschen übrig. Es wird spannend zu sehen sein, wie das bis zur EM 2021 besser werden soll.  Denn ein erneutes Debakel wie bei der WM 2018, bei der man in der Gruppenphase ausschied, kann sich Deutschland nicht erlauben. Falls doch, wird es mit Sicherheit personelle Konsequenzen geben.

Titelfoto: Federico Gambarini/dpa

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