DFB nach Löw-Abschied auf der Suche: Wer sind die Nachfolge-Kandidaten?

Frankfurt/Main - Das Ende einer Ära! Joachim Löw (61) hört auf. Nun stellt sich die Frage: Wer wird sein Nachfolger? Der Deutsche Fußball-Bund sucht nach 15 Jahren wieder einen neuen Bundestrainer. Und die Zeit drängt - nach der Europameisterschaft im Sommer sind es nur knapp anderthalb Jahre bis zur WM 2022 in Katar. Es gibt mehrere Kandidaten, wohl aber nur zwei Favoriten.

Ralf Rangnick (62, l.), Jürgen Klopp (53, M.) und Julian Nagelsmann (33) sind allesamt mögliche Bundestrainer-Kandidaten.
Ralf Rangnick (62, l.), Jürgen Klopp (53, M.) und Julian Nagelsmann (33) sind allesamt mögliche Bundestrainer-Kandidaten.  © dpa/Dave Thompson/AP/PICTURE POINT/Gabor Krieg

JÜRGEN KLOPP (53): Der frühere Dortmunder und Mainzer hat den FC Liverpool seit 2015 zu alter Größe geführt. Unter Klopp gewannen die Reds die Champions League und nach 30 Jahren wieder die englische Meisterschaft. Mit dem BVB holte er 2011 in Deutschland den Titel und 2012 das Double.

Die mitreißende und emotionale Art von "Kloppo" kommt bei Spielern, Fans und Verantwortlichen gleichermaßen gut an - und könnte beim DFB tatsächlich für einen Imagewandel sorgen. Ende des vergangenen Jahres hatte der 53-Jährige einen Wechsel zur Nationalmannschaft nicht ausgeschlossen.

"In Zukunft vielleicht", hatte Klopp gesagt, dann aber auf seinen tollen Job und langfristigen Vertrag bis 2024 in Liverpool hingewiesen. Inzwischen stecken die Reds aber tief in der Krise, längst wird in England auch über Klopps vorzeitigen Abschied diskutiert.

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RALF RANGNICK (62): Der Fußball-"Professor" wäre frei. "Rein sprachlich kommen nur Deutschland und England infrage. Das wäre für die neue Saison naheliegend", hatte der frühere Trainer von RB Leipzig Mitte Februar bei Sky gesagt. Ein Engagement bei AC Mailand in Italien und zuletzt beim FC Chelsea in England war nicht zustande gekommen. Rangnick hat die Premier League oft als Wunschziel genannt - aber wenn der DFB anrufen würde?

Der langjährige Trainer, der auch beim FC Schalke 04 und bei der TSG 1899 Hoffenheim gearbeitet hatte, gilt als akribischer Arbeiter und Taktiktüftler. In Leipzig war er der Alleinverantwortliche für den sportlichen Bereich, das wäre beim DFB mit Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff (52) anders. Fraglich wäre zudem, ob Rangnick eine langfristige Lösung wäre.

Kehrt Hansi Flick (56) zum DFB zurück und wird Joachim Löws (61) Nachfolger? Vollends ausschließen kann man das nicht, obwohl er sich beim FC Bayern München laut eigener Aussage extrem wohlfühlt.
Kehrt Hansi Flick (56) zum DFB zurück und wird Joachim Löws (61) Nachfolger? Vollends ausschließen kann man das nicht, obwohl er sich beim FC Bayern München laut eigener Aussage extrem wohlfühlt.  © Sven Hoppe/dpa-pool/dpa

Auch Hansi Flick und Stefan Kuntz zählen zu den Bundestrainer-Kandidaten

Wird U21-Nationalcoach Stefan Kuntz (58) eventuell befördert?
Wird U21-Nationalcoach Stefan Kuntz (58) eventuell befördert?  © dpa/Patrick Seeger

HANSI FLICK (56): Der Erfolgstrainer des FC Bayern München wurde 2014 als Assistent mit Löw gemeinsam Weltmeister. Mit dem Rekordmeister, bei dem Flick 2019 zunächst als Co-Trainer von Niko Kovac (49) begonnen hatte, holte er in den überragenden vergangenen Monaten sechs Titel. Eine unbedachte Äußerung von Bierhoff, dass er "verrückt" wäre, Flick als Bundestrainer von vornherein auszuschließen, hatte zu Jahresbeginn zu Dissonanzen zwischen den Bayern und dem DFB geführt.

Flick betonte zuletzt, dass er sich in München extrem wohlfühlt, er verwies auf seinen Vertrag bis 2023. Spekulationen über angebliche Spannungen zwischen ihm und Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic (44) wies der frühere DFB-Sportdirektor zudem zurück. Das war allerdings bevor Löw seine Entscheidung, schon nach der EM aufzuhören, öffentlich machte.

STEFAN KUNTZ (58): Der Europameister von 1996 hat schon einen Vertrag beim DFB - als U21-Nationaltrainer. 2017 hatte er den Nachwuchs zum EM-Titel in Polen geführt, in diesem Frühjahr und Sommer steht die zweigeteilte U21-EM an. Dem früheren Nationalspieler wird ein starker Umgang gerade mit jungen Spielern nachgesagt, er wird auch aufgrund seiner großen Erfahrung aus der eigenen Karriere respektiert.

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Seine Trainerstationen bei Vereinsmannschaften waren weniger erfolgreich, als Vorstandsvorsitzender bei seinem früheren Klub 1. FC Kaiserslautern erlebte er mehrere Krisen. Zuletzt hatte sich Kuntz sehr kritisch zur Entwicklung der Nachwuchsarbeit im deutschen Fußball geäußert.

Lothar Matthäus (59, l.) und Marcus Sorg (55) zählen ebenfalls zum Kandidaten-Kreis.
Lothar Matthäus (59, l.) und Marcus Sorg (55) zählen ebenfalls zum Kandidaten-Kreis.  © dpa/Matthias Balk/Christian Charisius

Wird Marcus Sorg befördert? Auch Julian Nagelsmann, Thomas Tuchel und Lothar Matthäus auf der Liste?

Wird vielleicht sogar bei Chelsea-Coach Thomas Tuchel (47) angefragt?
Wird vielleicht sogar bei Chelsea-Coach Thomas Tuchel (47) angefragt?  © Clive Rose/Pool Getty/AP/dpa

MARCUS SORG (55): Die Beförderung des derzeitigen Assistenten wäre der klassische DFB-Weg. Auch Löw hatte 2006 seinen einstigen Chef Jürgen Klinsmann als Bundestrainer abgelöst. Sorg kennt die Mannschaft, ist aus der zweiten Reihe in der breiten Öffentlichkeit aber bislang kaum aufgefallen.

Als Cheftrainer arbeitete der 55-Jährige kurzzeitig in der Bundesliga beim SC Freiburg, mit der U19-Nationalmannschaft wurde Sorg 2014 Europameister. Vor der EM 2016 in Frankreich rückte er in Löws Stab auf.

JULIAN NAGELSMANN (33), THOMAS TUCHEL (47), LOTHAR MATTHÄUS (59): RB Leipzigs Erfolgstrainer Nagelsmann sagte am Dienstag, dass der Job beim DFB für ihn derzeit nicht infrage komme. Der 33-Jährige wird auch noch als Kandidat gehandelt werden, wenn der Löw-Nachfolger irgendwann abtritt. Tuchel, der mit Paris Saint-Germain im Sommer das Finale der Champions League gegen die Bayern verloren hatte, hat gerade erst beim FC Chelsea unterschrieben. Womöglich vorschnell? Der 47-Jährige, der bei Borussia Dortmund zwischenmenschliche Probleme mit den Verantwortlichen hatte, gilt als einer der besten Trainer Europas.

Der Name von Rekordnationalspieler Matthäus, der auf wenig erfolgreiche Trainerstationen zurückblickt, war zuletzt vom Boulevard gespielt worden. Am Dienstag sagte er bei Sky: "Ich beschäftige mich damit nicht." Er verwies auf Ralf Rangnick als Favoriten.

Titelfoto: dpa/Dave Thompson/AP/PICTURE POINT/Gabor Krieg

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