Kein Freifahrtschein für Jogi Löw, Bierhoff muss zum Rapport!

Frankfurt am Main - Oliver Bierhoff muss am 4. Dezember zum Rapport. Einem Bericht der "Bild" zufolge soll der Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft unter ihrem schwer angeschlagenen Trainer Joachim Löw eine Analyse präsentieren. Das Gremium wolle Löw einen weiteren Auftritt ersparen, hieß es. Ob es danach eine Abstimmung über die Zukunft des 60 Jahre alten Bundestrainers gebe, sei offen.

Oliver Bierhoff (l.-r.), Direktor Nationalmannschaften und Akademie, Assistenztrainer Marcus Sorg und Joachim Löw, Trainer von Deutschland, allesamt mit Maske am Spielfeldrand.
Oliver Bierhoff (l.-r.), Direktor Nationalmannschaften und Akademie, Assistenztrainer Marcus Sorg und Joachim Löw, Trainer von Deutschland, allesamt mit Maske am Spielfeldrand.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Auf "bild.de" zitierte das Boulevardblatt am Freitagabend nach einer Schaltkonferenz des DFB-Gremiums einen namentlich nicht genannten Teilnehmer mit den Worten:

"Einen Freifahrtschein für Jogi Löw gibt es nicht."

Er werde sich sehr genau anhören, "wie sein Rückblick – nicht nur, was das Spiel in Spanien betrifft, sondern auch darüber hinausgehend – aussieht und welche Perspektive er uns mit Blick auf die EM 2021 aufzeigt".

Dazu gehöre auch die Frage, ob es mehr erfahrene Spieler im Kader brauche, die das Kommando übernehmen würden – "gerade dann, wenn es mal nicht gut läuft", sagte der Sitzungsteilnehmer.

Demnach soll sich die sportliche Leitung der Nationalmannschaft - Löw, Co-Trainer Marcus Sorg und Torwart-Coach Andreas Köpcke - in den kommenden Tagen mit Bierhoff treffen.

Am vergangenen Dienstag hatte Ex-Weltmeister Deutschland in der Nations League mit 0:6 in Spanien verloren.

Franz Beckenbauer will, dass Löw Deutschland zur EM 2021 führt

Während die Spanier ausgelassen jubeln, sind die Deutschen am Boden. Manuel Neuer (grünes Trikot) und Abwehrspieler Philipp Max (weißes Trikot) sind mal wieder geschlagen.
Während die Spanier ausgelassen jubeln, sind die Deutschen am Boden. Manuel Neuer (grünes Trikot) und Abwehrspieler Philipp Max (weißes Trikot) sind mal wieder geschlagen.  © Miguel Morenatti/AP/dpa

Andere Botschaften dürfte Löw in seinem badischen Winterexil lieber vernommen haben. Knapp eine halbe Woche nach dem Debakel von Sevilla und einer extrem hitzig geführten Debatte auch um seinen Posten erhält er von den deutschen Fußballbossen immer mehr Zuspruch.

Geht es nach "Kaiser" Franz Beckenbauer, seinem früheren Assistenten Hansi Flick und weiteren zentralen Bundesliga-Stimmen, ist die Tendenz klar: Der DFB soll auch nach dem historischen Debakel von Sevilla mit dem Langzeittrainer ins EM-Jahr 2021 starten.

"Natürlich soll er weitermachen und die EM angehen. Das Spiel hilft ihm am Ende, neue Erkenntnisse zu sammeln", sagte Beckenbauer, der selbst Weltmeister als Spieler und Trainer wurde, der "Bild" am Freitag.

Bierhoff hatte Löw unmittelbar nach dem Sechs-Gegentore-Schock gegen dynamische Spanier zwar gestärkt, doch eine endgültige Verbandsentscheidung über Löws nahe Zukunft scheint vor der vier Monate langen Pause bis zum Auftakt der WM-Qualifikation im März nicht gefallen.

Geht es um die mögliche Nachfolge von Ex-Weltmeister Löw, fällt immer wieder der Name Ralf Rangnick. Er ist nach einem im Sommer gescheiterten Engagement beim AC Mailand derzeit ohne Job und wäre eine naheliegende Lösung für eine kurzfristige Ablösung. Doch der 62-Jährige bezeichnet die Debatten über Löw, der einen Vertrag bis 2022 besitzt, als "Unsitte" und schweigt weiter zu jeglichen Spekulationen, die in den vergangenen Tagen um seine Person verstärkt entbrannt sind.

Ralf Rangnick will alles auf sich zukommen lassen - auch ein mögliches DFB-Angebot

Ralf Rangnick (62) wird als möglicher Löw-Nachfolger gehandelt, auch wenn er die Spekulationen als "Unsitte" empfindet.
Ralf Rangnick (62) wird als möglicher Löw-Nachfolger gehandelt, auch wenn er die Spekulationen als "Unsitte" empfindet.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Beim "RTL-Spendenmarathon" sagte Rangnick am Donnerstagabend auf die Frage, ob er bereit wäre: "Es gehört sich nicht. Wir haben einen Bundestrainer, der bisher einen guten Job gemacht hat. Da gehört es sich nicht, darüber zu sprechen." Zu einem möglichen Angebot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der das 90-minütige Desaster des Nationalteams wohl noch eine längere Zeit aufarbeiten wird, sagte Rangnick: "Das kann keiner wissen. Ich lasse es auf mich zukommen und bin selber sehr gespannt."

Während zahlreiche Fans und Experten eine sofortige Demission des dienstältesten Bundestrainers der Welt vehement fordern, empfehlen die Entscheider in der höchsten deutschen Spielklasse Geduld und Kontinuität. Gladbachs Sportchef Max Eberl sagte in einem Interview der "Frankfurter Rundschau" (Freitag): "Jogi Löw hat aus meiner Sicht das Vertrauen verdient. Er hat den Umschwung geschafft, indem er sich mit sehr vielen jungen und talentierten Spielern als Gruppenerster für die Europameisterschaft qualifiziert hat."

Dass Löw derzeit so negativ gesehen werde, hänge auch mit "einer emotionalen Befangenheit" zusammen. "Momentan sieht man lieber das halbleere Glas als das halbvolle. Wir alle gemeinsam haben viel zu tun, um unsere Wahrnehmung wieder zu verbessern. Wir sollten wieder das Licht sehen", sagte Eberl.

Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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