Meine Meinung zum DFB-Debakel: Höchste Alarmstufe! Blamage muss Konsequenzen haben!

Deutschland - Dieses Ergebnis erschütterte die deutsche Nationalmannschaft bis in die Grundfesten! 0:6 ging man am letzten Spieltag der Nations League in Spanien unter. Nur nochmal zur Erinnerung: in dieser Partie ging es um den Gruppensieg!

Nach der sportlichen Schande von Sevilla können Ilkay Gündogan (l.) und Toni Kroos (r.) nicht fassen, was sie miterleben mussten. Ihre Nebenleute anleiten konnten sie an diesem Abend nicht. Stattdessen hatten sie mehr als genug mit sich selbst zu tun.
Nach der sportlichen Schande von Sevilla können Ilkay Gündogan (l.) und Toni Kroos (r.) nicht fassen, was sie miterleben mussten. Ihre Nebenleute anleiten konnten sie an diesem Abend nicht. Stattdessen hatten sie mehr als genug mit sich selbst zu tun.  © Miguel Morenatti/AP/dpa

Wie motiviert man da herangehen kann, bewies die "Furia Roja", die sich sogar noch gnädig zeigte und in der zweiten Halbzeit nicht mehr voll durchzog.

Spanien ließ nämlich sogar noch mehrere große Konterchancen versanden und scheiterte zudem einige Male an DFB-Keeper Manuel Neuer (34), der der einzige Akteur war, der wirklich dagegenhielt.

Wie widerstandslos der Rest des Teams diese Vorführung über sich ergehen ließ, stimmte bedenklich! Eine einfache Erklärung für diesen Offenbarungseid gibt es nicht.

Klar ist: Das war eine der schwächsten Darbietungen einer deutschen Nationalmannschaft, an die ich mich erinnern kann. Seit 1996 habe ich fast kein Länderspiel verpasst. Mir sind einige Negativ-Highlights wie das 0:3 im WM-Viertelfinale 1998 gegen Kroatien am 4. Juli bis heute im Kopf geblieben.

Oder das 4:4 nach 4:0-Führung gegen Schweden in der WM-Qualifikation am 16. Oktober 2012 im Berliner Olympiastadion, wo ich selbst vor Ort war und erstmals hautnah erlebte, was ein einziger Weltklasse-Spieler (Zlatan Ibrahimovic) bewirken, und wie sehr er eine solide Mannschaft aufwerten kann.

So eine hervorstechende Persönlichkeit bräuchte die DFB-Auswahl aktuell dringend. Denn wie still vermeintliche Führungsspieler wie Toni Kroos (30), Ilkay Gündogan (30), Leon Goretzka (25) und Niklas Süle (25) gegen Spanien waren, sprach Bände. Sie konnten ihre Nebenleute (zum wiederholten Male) gar nicht anführen und aufrütteln, weil sie alle mehr als genug mit sich selbst zu tun hatten.

DFB-Auswahl ließ selbst die Grundtugenden vermissen! Dabei können es die Spieler so viel besser...

Keine positive Körpersprache, keine Spannung, kein Zweikampfverhalten: Der DFB-Auftritt in Spanien löste und löst eine Grundsatzdebatte aus.
Keine positive Körpersprache, keine Spannung, kein Zweikampfverhalten: Der DFB-Auftritt in Spanien löste und löst eine Grundsatzdebatte aus.  © Miguel Morenatti/AP/dpa

Seit 1996 gab es viele Aufs und Abs. Doch so chancenlos wie am Dienstagabend war eine deutsche Nationalmannschaft in diesem Zeitraum nicht ein einziges Mal gewesen.

Das lag auch daran, dass ihr die Grundtugenden fehlten. Die Zweikämpfe wurden nicht angenommen, es fehlte die Körpersprache, Spannung und taktische Disziplin, dazu gab es haarsträubende Fehler im Aufbau, ein mitunter furchtbares Stellungsspiel, offensive Harmlosigkeit, defensive Riesenlücken und fehlende Reife, sich gegen die Abreibung zu stemmen.

Wenn all das zusammenkommt und der Gegner diese Schwächen auszunutzen weiß, dann kann es schon einmal eine solche Packung geben. Doch ein Ausrutscher war diese Partie nicht.

Die Probleme liegen viel, viel tiefer. Dass es Schwankungen gibt, ist dabei in einer weltweit so beliebten Sportart noch völlig normal. Denn auch andere Länder können Fußball spielen, obwohl wenn man das gerne mal vergisst.

Seit dem WM-Triumph 2014 ist der Absturz allerdings rasant gewesen und offenbar noch nicht beendet. Das ist deshalb so merkwürdig, weil Deutschland noch immer über genügend Spieler auf Weltklasse-Niveau verfügt, die schon oft genug bewiesen haben, dass sie es besser können.

Deutsche Top-Spieler sind auch weiterhin international konkurrenzfähig

Bundestrainer Joachim Löw (60) steht momentan im Kreuzfeuer der Kritik.
Bundestrainer Joachim Löw (60) steht momentan im Kreuzfeuer der Kritik.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Das beweist nicht nur der jüngste Champions-League-Sieg des FC Bayern München, sondern auch das Auftreten der deutschen Vereine in den europäischen Wettbewerben. Außerdem zählen genügend weitere Akteure bei internationalen Spitzenvereinen zum Stamm.

Man ist also definitiv konkurrenzfähig! Nur wird das im Nationalteam schon lange nicht mehr konstant gezeigt. Das ungleiche Duell mit Angstgegner Spanien war deshalb schlichtweg eine Demütigung und eine Qual.

Obwohl ich den Spielbericht schreiben musste, fiel es mir manchmal schwer, hinzugucken. Ich musste mich phasenweise zwingen und konnte dann nur fassungslos den Kopf schütteln.

Im positiven Sinne hatte ich so ein Erlebnis bislang nur einmal gehabt. Als der Berliner Athletik Klub 07 am 18. August 2012 völlig überraschend und sensationell im DFB-Pokal die TSG 1899 Hoffenheim mit 4:0 aus dem Poststadion schoss. Da konnte ich meinen Augen auch nicht trauen. Doch als gebürtiger Berliner freute ich mich über diesen unverhofften Triumph für die Ewigkeit.

Am Dienstagabend war die Gefühlswelt hingegen eine ganz andere. Selten hat mich ein Fußballspiel so sehr beschäftigt, wie dieses. Denn bei Deutschland kristallisierte sich überhaupt kein Anführer auf und neben dem Feld heraus. All die Werte, für die das DFB-Team in der Welt bekannt ist, sah man nicht. Stattdessen fiel die Mannschaft auseinander bzw. fand gar nicht erst zu einer echten Einheit auf dem Platz zusammen. Die vielen Schwächen wurden schonungslos aufgedeckt!

Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng gehören aufgrund ihrer Leistung in die DFB-Elf!

Kann man auf Jérôme Boateng (32), Thomas Müller (31) und Mats Hummels (31) in Top-Form verzichten? Nein, sage ich!
Kann man auf Jérôme Boateng (32), Thomas Müller (31) und Mats Hummels (31) in Top-Form verzichten? Nein, sage ich!  © Federico Gambarini/dpa

Natürlich hat Joachim Löw (60) wegen seiner Entscheidungen in den vergangenen Jahren eine Mitschuld an alldem. Auch ich war verdutzt, als ich am 5. März 2019 las, dass er zukünftig auf Thomas Müller (31), Mats Hummels (31) und Jérôme Boateng (32) verzichten würde.

Ja, sie waren zu dem Zeitpunkt allesamt in keiner guten Form. Doch warum sollte man drei so verdienten Spielern, die damals 29 und 30 Jahre alt- und damit im besten Fußballeralter waren, die Tür so eiskalt vor der Nase zuschlagen?

Er brachte sich damit selbst in die Bredouille. Ich unkte: "Wenn dieser Schuss nach hinten losgehen sollte, wird sich Löw viel Kritik anhören müssen."

Genau das ist eingetreten. Seitdem stellte ich mir immer wieder die Frage: Traute es Löw den dreien nicht mehr zu, dass sie ihre herausragenden Fähigkeiten wieder regelmäßig zeigen würden?

Oder gibt es andere Gründe, von denen die Öffentlichkeit nichts weiß? Sicher ist: Diese (Fehl-) Entscheidung begleitet den Bundestrainer nun schon eine ganze Weile. Denn alle drei befinden sich aktuell in überragender Verfassung und würden dem DFB-Team wohl auf Anhieb Stabilität verleihen und sportlich weiterhelfen.

Dass es allerdings einen Umbruch geben musste, hatte sich eigentlich schon nach der EM 2016 angedeutet und war spätestens nach der katastrophalen WM 2018 klar. Meiner Meinung nach hätte man diesen aber fließender gestalten müssen und neben den Weltmeistern Neuer, Kroos, Julian Draxler (27) und Matthias Ginter (26) eben auch auf Müller, Hummels und Boateng setzen müssen.

DFB-Abwehr braucht endlich wieder Führungsspieler, die vorangehen!

TAG24-Fußballredakteur Stefan Bröhl (r.-u.) hat die Spanien-Klatsche sehr beschäftigt.
TAG24-Fußballredakteur Stefan Bröhl (r.-u.) hat die Spanien-Klatsche sehr beschäftigt.  © Miguel Morenatti/AP/dpa

Das heißt aber nicht, dass Löw sie immer hätte nominieren müssen. Im Gegenteil. Schon oft habe ich mir in den vergangenen Jahren bei den Nominierungen gedacht, dass es bei ihm nicht ausschließlich nach dem Leistungsprinzip geht.

Das halte ich für eine der größten Schwächen von Löw. Nicht falsch verstehen: ich finde es gut, dass er (teilweise) Spielern vertraut und mit ihnen durch Krisen geht. Aber das lässt sich eben nur bis zu einem gewissen Grat vertreten. So gab es auch hier immer wieder fragwürdige und diskutable Entscheidungen. Die gegen die zwei Bayern-Stars und den BVB-Abwehrchef haben sich als Fehler erwiesen.

Ob Löw nun Größe zeigt und sie wieder an Bord holt? Gerade in der Defensive hat sich gezeigt, dass die (Welt-)Klasse fehlt. Ein Ginter und ein Süle, noch die vielversprechendsten Innenverteidiger, brauchen augenscheinlich einen erfahrenen Nebenmann wie Hummels oder Boateng an ihrer Seite, der sie anführt und wachsen lässt. Sie selbst können diese Verantwortung auf allerhöchstem Niveau offenbar noch nicht dauerhaft tragen, was auch nicht verwerflich ist.

Man muss das nur endlich mal realistisch einschätzen können. Doch dass die DFB-Verantwortlichen offenbar in einer Blase leben und sich zudem auch von der Basis entfernt haben, wurde in den vergangenen Jahren ebenfalls immer deutlicher.

Wer könnte Jogi Löw im Fall der Fälle als Bundestrainer ersetzen?

U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz (58) hat bewiesen, dass er etwas aufbauen und Spieler entwickeln kann. Ob er allerdings der große Heilsbringer sein könnte, darf bezweifelt werden.
U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz (58) hat bewiesen, dass er etwas aufbauen und Spieler entwickeln kann. Ob er allerdings der große Heilsbringer sein könnte, darf bezweifelt werden.  © Patrick Seeger/dpa

Das ist ein großes Problem. Ein weiteres ist, wie ratlos Löw nach der Pleite am Dienstagabend wirkte. Obwohl ich es mir wünschen würde: ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er die Trendwende noch schafft!

Doch wer sollte aktuell auf ihn folgen? Die vermutlich besten Optionen sind momentan anderweitig beschäftigt: Jürgen Klopp (53; FC Liverpool), Hansi Flick (55; FC Bayern) und Thomas Tuchel (47; FC Paris Saint-Germain) stehen allesamt nicht zur Verfügung.

So käme am ehesten U21-Coach Stefan Kuntz (58) infrage, der einen vergleichsweise mäßig talentierten Jahrgang zur EM geführt und bewiesen hat, dass er etwas aufbauen kann.

Ob er aber der große Heilsbringer wäre, darf zumindest angezweifelt werden. Denn es scheint auch innerhalb der Nationalelf nicht zu stimmen. Sie braucht nach dieser Demontage neue Impulse und offenbar auch eine neue Struktur.

Allerdings ist dafür bis zur Europameisterschaft nicht mehr viel Zeit. Zum Alltag kann man definitiv nicht übergehen. Die Verantwortlichen, inklusive aller Spieler, müssen sich nun allesamt hinterfragen und in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten mit Hochdruck Lösungen finden. Ansonsten droht erneut das Ausscheiden in der Gruppenphase. Mit Portugal und Frankreich hat man nämlich extrem starke Gegner.

Der DFB um Manager Oliver Bierhoff (52) und Löw (sofern sie bleiben dürfen) muss nun endlich die richtigen Weichen für die Zukunft stellen, wenn man nicht noch mehr Fans vergraulen-,stattdessen endlich wieder erfolgreich sein- und guten Fußball bieten will.

Titelfoto: Miguel Morenatti/AP/dpa

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