Kommentar zur DFB-Elf: Verdient ausgeschieden, Abwehrschwäche kostet das Turnier!

London - "Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Meisterschaften". Das im Sport viel benutzte Sprichwort trifft auch auf die Deutsche Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft 2020 zu. Das Ausscheiden des Teams von Bundestrainer Joachim Löw (61) hat viel mit der nicht vorhandenen Balance und den Problemen in der Hintermannschaft zu tun. Ein Kommentar.

Sinnbild: Joachim Löw (61) geht von dannen. Deutschland scheidet bei der Europameisterschaft 2021 aus dem Turnier aus.
Sinnbild: Joachim Löw (61) geht von dannen. Deutschland scheidet bei der Europameisterschaft 2021 aus dem Turnier aus.  © Christian Charisius/dpa

Katzenjammer in der Bundesrepublik nach dem 0:2 gegen England. Noch zwei Spiele zuvor - Deutschland hatte gerade Portugal furios mit 4:2 besiegt -, sprach sogar Spiegel online von einem "kleinen Sommermärchen".

Doch nach dem Achtelfinale sind sich Fans, Beobachter und Medien einig. Die DFB-Elf ist verdient ausgeschieden.

Zu verschieden waren die Gesichter Deutschlands bei dem Turnier. Viel Ballbesitz gegen Frankreich, ein Feuerwerk gegen Portugal, Planlosigkeit gegen Ungarn und taktisches Belauern gegen England.

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Keines der vier Matches von Deutschland war gleich. Nur die defensiven Probleme zeigten sich immer wieder. 7 Gegentore in vier Spielen, das macht 1,75 pro Spiel. Viel zu viel, wenn man das Turnier gewinnen möchte.

Zum Vergleich: Beim WM-Titel-Gewinn 2014 war die Abwehr-Bilanz spiegelverkehrt: Nur 4 Gegentore in sieben Spielen.

Defensive Probleme der Deutschen Nationalmannschaft waren auch vor der Euro nicht zu übersehen

Der Treffer, der das Spiel entschied: Harry Kane (27, r.) erzielt das 2:0 für England. Die deutschen Abwehrspieler schauen nur zu.
Der Treffer, der das Spiel entschied: Harry Kane (27, r.) erzielt das 2:0 für England. Die deutschen Abwehrspieler schauen nur zu.  © John Sibley/POOL Reuters/dpa

Dabei sind die Probleme der Nationalmannschaft in der Abwehr nicht neu, sondern traten seit dem viel bemühten Umbruch 2018 in Testspielen, Nations League und WM-Quali auf, besonders deutlich seit 2020.

Drei Gegentreffer gegen die Schweiz und gegen die Türkei, sechs gegen Spanien, zwei gegen Nordmazedonien. Sattelfest ist anders! Dreierkette hin, Spitzenklasse-Torwart Manuel Neuer (35) her.

Joachim Löw hat es nicht geschafft, dass das deutsche Angriffsspiel dauerhaft ins Rollen kommt. Noch schwerer wiegt jedoch, dass die Nationalmannschaft in jedem Spiel anfällig für Gegentore war.

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Hier hat Löw mit Sicherheit auch Fehler gemacht. Nicht die Entscheidung für eine Dreierkette war das Problem.

Vor der Abwehr fehlte ein echter Stabilisator, ein Abräumer, der der Verteidigung Defensivarbeit abnimmt! Joshua Kimmich (26) hätte einer sein können.

Löw entschied sich mit Kroos (31) und Gündogan (30) für zwei Gestalter vor der Abwehrkette. Auch wenn es mit Leon Goretzka (26) gegen England etwas stabiler wurde, Kimmich spielt beim FC Bayern als Abräumer und Antreiber groß auf. Ihn zentral zu bringen, darauf verzichtete Löw. Die Außenbahnen konnten der Münchner und Robin Gosens (26) aber auch nicht dauerhaft dichtmachen.

Mats Hummels (32) spielte zwar ein gutes Turnier als Organisator in der Dreierkette. Seine erneute Nominierung war jedoch sicher kein spontaner Einfall über Nacht. Zum Einspielen wäre es hilfreich gewesen, hätte der BVB-Profi auch schon die drei Länderspiele im März mitgemacht. Bei den Engländern fungierten Stürmer Harry Kane (27) und die offensiven Außenspieler als erste Verteidiger und halfen wirksam hinten mit aus.

Etwas das den deutschen Offensivkünstlern Havertz (22), Werner, Sané, oder Gnabry (jeweils 25) abging.

TAG24-Redakteur Martin Gaitzsch hätte sich mehr Balance zwischen Offensive und Defensive im Spiel der Deutschen Nationalmannschaft gewünscht.
TAG24-Redakteur Martin Gaitzsch hätte sich mehr Balance zwischen Offensive und Defensive im Spiel der Deutschen Nationalmannschaft gewünscht.  © TAG24

Erzrivale England hat damit im gesamten Turnier noch kein Gegentor kassiert. "Die haben noch kein überzeugendes Spiel gemacht", so zwar oft der öffentliche Tenor. Dennoch hat das Mutterland des Fußballs das Viertelfinale erreicht und damit beste Chancen auf den Titel - im Gegensatz zu Jogis Jungs.

Titelfoto: Montage: John Sibley/POOL Reuters/dpa / TAG24

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