Für die Pflege seiner kranken Witwe: Nachlass des jüngsten WM-Helden von Bern wird versteigert

Kaiserslautern - Am 3. Dezember 2021 starb mit Horst Eckel der letzte "Held von Bern" im Alter von 89 Jahren. Im November soll nun der Nachlass des ehemaligen deutschen Nationalspielers versteigert werden, damit seine Witwe Hannelore (85) weiterhin gepflegt werden kann.

Horst Eckel (†89, M.) mit seiner Frau Hannelore (85, l.) und seiner Tochter Dagmar (53) während des 26. Sportpresseballs im November 2007. (Archivfoto)
Horst Eckel (†89, M.) mit seiner Frau Hannelore (85, l.) und seiner Tochter Dagmar (53) während des 26. Sportpresseballs im November 2007. (Archivfoto)  © Frank May dpa/lhe

"Ich möchte meiner Mama, solange sie da ist, ein Leben ermöglichen, das lebenswert ist und das sie sich gewünscht hat", sagte Tochter Dagmar Eckel (53) im Interview mit SWR Sport.

In der Sammlung befinden sich laut Angaben des zuständigen Kasseler Auktionshauses ganze 500 Einzelstücke, darunter auch die vollständige Ausrüstung, die die Vereinslegende des 1. FC Kaiserslautern beim ehrwürdigen Finale der Weltmeisterschaft 1954 trug.

Darüber hinaus wird eine der nur 13 ausgegebenen WM-Goldmedaillen zur Versteigerungsmasse gehören.

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Demnach wünscht sich Dagmar, dass ein Käufer die komplette Kollektion übernimmt und in der Folge der Öffentlichkeit zugänglich macht. Der Startpreis soll bei 280.000 Euro liegen. "Es wäre schön, wenn es jemand kauft, mit Herz, der die Dinge achtet, der den Respekt für die Gegenstände hat", so die Eckel-Tochter.

Der Erlös soll anschließend auf das Konto der Witwe des zweifachen deutschen Meisters kommen, die dessen Alleinerbin sei und aufgrund einer schweren Krankheit gepflegt werden müsse.

"Mein Vater hat sich das auch so gewünscht"

Horst Eckel (†89, vorne rechts) reißt nach dem 3:2-Sieg im Endspiel gegen Ungarn vor 60.000 Zuschauern im Berner Wankdorf-Stadion jubelnd die Arme hoch.
Horst Eckel (†89, vorne rechts) reißt nach dem 3:2-Sieg im Endspiel gegen Ungarn vor 60.000 Zuschauern im Berner Wankdorf-Stadion jubelnd die Arme hoch.  © ---/UPI/dpa

Dagmar habe ihrem Vater versprochen, dass seine Frau, mit der er 64 Jahre verheiratet war, nicht ins Heim kommt. Daher soll sie rund um die Uhr in einer behindertengerechten Wohnung betreut werden.

Dennoch gestand sie: "Ich allein kann das nicht stemmen. Das ist für mich schwer zuzugeben. Es ist auch eine Frage des Stolzes. Ich stelle meinen Stolz zurück für meine Mama, dass es ihr gutgeht."

Die 53-Jährige sei sich darüber im Klaren, dass die Versteigerung der geschichtsträchtigen Erinnerungsstücke des FCK-Ehrenspielführers Kritik und eventuell sogar einen Shitstorm auslösen könnte.

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Allerdings betont sie gegenüber der Bild, dass es ihr dabei nicht um das schnelle Geld gehe. "Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich an jedem einzelnen Gegenstand hänge. Jeder hat seine eigene Geschichte. Papa hat mir zu Lebzeiten gesagt: 'Gegenstände sind Gegenstände. Kümmere dich um die Mama, schau, dass es ihr für immer gut geht. Die Familie ist mir das Wichtigste'", erklärte Dagmar.

Und sie fügte an: "Ich möchte meiner Mutter, der Managerin von Papa, weiterhin ein lebenswürdiges Dasein schenken. Das hat sie sich so sehr verdient. Mein Vater hat sich das auch so gewünscht."

Titelfoto: Frank May dpa/lhe, ---/UPI/dpa

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