Oliver Bierhoff verteidigt Bundestrainer Löw, DFB-Team sei "kein Sauhaufen"

Frankfurt am Main - DFB-Direktor Oliver Bierhoff hat vehement für Jogi Löw und dessen EM-Kurs geworben. Trotz der "Blamage" gegen Spanien attestiert er dem Bundestrainer ein "tolles Ergebnis" im Ausnahmejahr 2020.

Oliver Bierhoff glaubt nach wie vor an die Erfolgschancen der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der EM 2021.
Oliver Bierhoff glaubt nach wie vor an die Erfolgschancen der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der EM 2021.  © Andreas Arnold/dpa

"Es brodelt und rumort immer noch in mir", gestand Bierhoff 17 Tage nach der "0:6-Blamage" gegen die spanische Nationalmannschaft und versicherte in einer umfangreichen, mehr als halbstündigen Analyse zum Zustand der Fußball-Nationalelf nur sechs Monate vor dem EM-Start: "Ich spreche nicht als Sprachrohr und Anwalt von Jogi Löw!"

Der enge Vertraute und Vorgesetzte warb dann aber doch sehr eindringlich für den 60-Jährigen, dem er trotz des desolaten Jahresabschlusses in Sevilla für das verflixte Corona-Jahr ein Zeugnis ausstellte, das die von der DFB-Spitze zugestandene EM-Chance 2021 rechtfertige.

Für die Arbeitsbewertung könne ein Spiel "nicht der Grandmesser" sein, betonte Bierhoff, sondern die Leistung in einem absoluten Ausnahmejahr: "Es ist ein tolles Ergebnis, das der Bundestrainer unter diesen Herausforderungen erreicht hat."

Bierhoff selbst hat einen "nachdenklichen" Löw gehört, als dieser zu Wochenbeginn vor der DFB-Spitze um weiteres Vertrauen in seine Arbeit warb. Dieses war ihm einvernehmlich erteilt worden.

"Es ist heftig gewesen, was diese Tage passiert ist. Er kann das aber auch schlucken. Die äußerliche Kritik tut natürlich weh, haut aber in dem Sinne nicht um. Viel mehr hat man Wut bei ihm gesehen", sagte Bierhoff über Löw.

DFB-Elf laut Bierhoff kein "Sauhaufen", sondern "tolle Jungs"

Die Mannschaft steht laut Oliver Bierhoff immer noch hinter Bundestrainer Jogi Löw.
Die Mannschaft steht laut Oliver Bierhoff immer noch hinter Bundestrainer Jogi Löw.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Der Manager versuchte, mit Grafiken und Tabellen zu belegen, dass die Gesamtentwicklung der "unerfahrenen" Mannschaft seit dem radikalen Umbruch 2019 mit der Ausmusterung der Ex-Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng weiterhin stimme.

Und er persönlich habe seinen "Frieden" mit dem komplizierten Corona-Jahr gemacht. Nach der EM-Qualifikation sei immerhin mit dem Verbleib in der A-Staffel der Nations League ein weiteres wichtiges Ziel erreicht worden.

"Wir können mit dieser Mannschaft ein Topturnier spielen", glaubt Bierhoff. Gerade auch mit Löw! Dieser werde die Mannschaft "voll engagiert" zur EM führen, sie folge ihrem Chef.

Bierhoff warb auch vehement für die Spieler. "Ist das ein Sauhaufen? Das kann ich absolut negieren. Das sind tolle Jungs!"

Nichts Neues zu möglichem Comeback von Müller, Hummels und Boateng

Thomas Müller wurde genau wie Mats Hummels und Jérôme Boateng bei der Nationalmannschaft aussortiert. Derzeit könnte man die Routiniers sicherlich gut gebrauchen. (Archivbild)
Thomas Müller wurde genau wie Mats Hummels und Jérôme Boateng bei der Nationalmannschaft aussortiert. Derzeit könnte man die Routiniers sicherlich gut gebrauchen. (Archivbild)  © Ina Fassbender/dpa

Einen Freifahrtschein bis zum Vertragsende nach der Winter-WM 2022 bekam Löw von Bierhoff allerdings nicht ausgestellt. "Jogi ist lang genug im Geschäft, dass er weiß, dass er am Erfolg und am Vertrauen gemessen wird", sagte Bierhoff.

Das öffentliche Reizthema eines Comebacks des Ü30-Trios Müller, Hummels, Boateng parierte der DFB-Direktor ohne klares Ja oder Nein - aber mit unveränderter Tendenz. "Es ist keine Sturheit, wenn Jogi auf die Spieler verzichtet", sagte Bierhoff. "Bei einer Entwicklung nimmt man bewusst Dinge in Kauf."

Um die Anti-Stimmung gegen Löw und auch die schwindende Zuneigung der Fans zu ihrer Nationalmannschaft wieder zu korrigieren, gibt es für Bierhoff am Ende nur ein wirksames Mittel.

"Es geht nur über gute Auftritte und Ergebnisse auf dem Platz. Es darf nicht so bleiben, wie es ist, das ist doch klar."

Titelfoto: Andreas Arnold/dpa

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