Hans Sarpei: "DFB macht zu wenig gegen Rassismus!"

Bonn/Köln- Hans Sarpei (43) wuchs in Köln-Chorweiler auf, hat eine schwarze Hautfarbe und wird bis heute Opfer von Rassismus. Dagegen engagiert sich der prominente Ex-Fußballer.

Hans Sarpei (43) spricht im Interview über Alltagsrassismus.
Hans Sarpei (43) spricht im Interview über Alltagsrassismus.  © Screenshot YouTube/phoenix

Im Interview mit "phoenix persönlich" spricht Hans Sarpei offen über seine Erfahrungen mit Rassismus

Angefangen von Kindheitserlebnissen, der vergeblichen Wohnungssuche oder dem Aha-Effekt, wenn Menschen "Hans" am Telefon hörten und ihn später zu Gesicht bekamen. 

Bis heute seien Menschen überrascht, warum er "so gut deutsch spreche". Für Hans Sarpei ist dies auch eine Form des Alltagsrassismus.

Auch Polizeikontrollen fallen ihm regelmäßig auf. So berichtet Hans Sarpei im Interview mit "phoenix persönlich" von seinem Sportwagen: "Wenn ich an Polizeistreifen vorbei fahre, denke ich immer, gleich folgen sie mir."

Und weiter: "Wenn sie mich dann stoppen, meinen Ausweis sehen und mich erkennen, folgt meist ein nettes Gespräch." 

Aber nach der Kontrolle habe er häufig den Gedanken: "Der hat mich angehalten, weil ich schwarz bin."

Bei Familienmitgliedern und Freunden mit schwarzer Hautfarbe seien diese Alltagserlebnisse mit rassistischem Hintergrund viel häufiger und schlimmer.

"Es geht nicht um Hautfarbe"

Der Ex-Fußballer, der in Ghana geboren wurde, verdeutlicht die Integrationsaufgabe von Sport und Fußball: "Da geht es nicht darum wie ich aussehe, welche Religion ich habe. Da geht es darum: Wie ist mein Pass, haue ich den Ball in den Winkel?"

Trotzdem wurde er als aktiver Spieler unter anderem in Cottbus mit Affenlauten der Fußball-Anhänger rassistisch beleidigt worden.

"Das, was ich in Cottbus erlebt habe, kam ja nicht aus der Mannschaft. Das kommt aus den Rängen." Aus seiner Sicht unternehme der Deutsche Fußballbund zu wenig gegen Rassismus. "Für mich macht der DFB zu wenig gegen Rassismus. Der DFB muss die Kraft des Fußballs nutzen, um gegen Ausgrenzung zu kämpfen und Brücken zu bauen

Bei dem Thema "farbiger Spieler" kommt der Interviewer auch auf den 1. FSV Mainz 05 zu sprechen, wo ein Fan austrat, weil aus seiner Sicht "zu viele Farbige" in der Mannschaft spielten.

Hans Sarpei hätte sich als Reaktion gewünscht, dass Mainz auf die Heimat der Spieler unter anderem aus Deutschland, Österreich, Luxemburg und den Niederlanden hingewiesen hätte. "Das sind Spieler, die auch in Deutschland großgeworden sind. Das sind Deutsche."

Was bei Rassisten einfach nicht ankommt, bringt Hans Sarpei auf den Punkt: "Es geht nicht um die Hautfarbe. Es geht darum, dass wir Menschen sind." Das komplette Phoenix-Interview gibt's bei Youtube.

Titelfoto: Screenshot YouTube/phoenix

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