Eintracht Frankfurt: Angriff auf die Champions League dank "Mister X"?

Frankfurt am Main - Aufgrund eines katastrophalen Saisonabschlusses verpasste Eintracht Frankfurt die historische Chance auf die erstmalige Qualifikation für die Champions League. Schaffen es die Hessen trotz eines essentiellen Abgangs und einiger vielversprechender Neuzugänge, diesen Traum in der kommenden Spielzeit zu realisieren? Alles dazu in der TAG24-Bundesliga-Vorschau.

Der wichtigste Mann ist noch gar nicht da: "Mister X" wird der Top-Transfer von Eintracht Frankfurt

Ihr dachtet, der wichtigste Transfer der "Adlerträger" wäre bereits vonstatten gegangen? Falsch gedacht! Zugegeben, die SGE hat bislang einige spannende Verpflichtungen unter Dach und Fach gebracht. Doch um wirklich wieder ernsthaft vorne anzugreifen und eventuell sogar unter die Top-Vier der Liga zu gelangen, braucht es noch einen Angreifer, der vor allem das Tor-Gen, aber auch die nötige Körpergröße und Physis mitbringt. Dieses Profil erfüllen weder Leih-Rückkehrer Goncalo Paciencia (27), der den Verein wahrscheinlich noch verlassen wird, noch Olympia-Teilnehmer Ragnar Ache (23). Wer genau der ominöse "Mister X" sein wird, ist noch ungewiss. Derzeit ranken sich noch viele Gerüchte um Wandstürmer wie Sasa Kalajdzic (24) vom VfB Stuttgart, Randal Kolo Muani (22) vom FC Nantes oder jüngst Gianluca Scamacca (22) von US Sassuolo.

Fest steht für uns, dass da - im wahrsten Sinne des Wortes - noch etwas (oder jemand) Großes auf die Eintracht zukommen wird!

Noch immer benötigen die Hessen einen echten Wandstürmer mit entsprechender Größe und Physis: Wir sind uns sicher, da kommt noch etwas Großes von Seiten der Eintracht!
Noch immer benötigen die Hessen einen echten Wandstürmer mit entsprechender Größe und Physis: Wir sind uns sicher, da kommt noch etwas Großes von Seiten der Eintracht!  © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Jens-Petter Hauge, Jesper Lindström und Rafael Borré sind die weiteren Eintracht-Frankfurt-Neuzugänge

Keine Sorge, wir haben für Euch natürlich auch konkrete Namen im Angebot - und die haben es durchaus in sich! Für rund sieben Millionen Euro lotste Neu-Sportvorstand Markus Krösche (40) zunächst Jesper Lindström (21) vom frischgebackenen dänischen Meister Bröndby Kopenhagen an den Main. Der offensive Mittelfeldmann hatte trotz seines jungen Alters mit zehn Treffern und elf Vorlagen in 29 Liga-Partien gehörigen Anteil am ersten Superliga-Titel der Gelb-Blauen seit 16 Jahren. Die nötige Bundesliga-Härte muss sich der schlaksige Kreativkopf aber sicherlich noch abholen.

Knapp zwei Wochen später wurde dann auch die Verpflichtung von Rafael Santos Borré (25) vom argentinischen Kult-Klub River Plate verkündet. Bei diesem Transfer wurde erneut das Verhandlungsgeschick der Hessen deutlich, die den Kolumbianer mit einem geschätzten Marktwert von rund 17 Millionen Euro ablösefrei an den Stadtwald holten. Borré kann in seiner Vita sogar bereits Erfahrung im europäischen Fußball vorweisen. Doch seine Intermezzi in Spanien bei Atlético Madrid und dem FC Villarreal waren nur von wenig bis gar keinem Erfolg gekrönt. Umso besser lief es dann bei River, wo der 25-Jährige in 149 Spielen auf stattliche 56 Treffer und 18 Assists kam. Mit seiner Galligkeit, der technischen Finesse und besonders seiner Schnelligkeit kann der Nationalspieler in einem Zweier-Sturm neben "Mister X" Gold wert sein. Als alleinige Sturmspitze wäre er hingegen definitiv fehl am Platz.

Ganz frisch im schwarz-roten Dress ist der Norweger Jens-Petter Hauge (21), der zunächst auf Leihbasis von der AC Mailand nach Frankfurt kam. Der offensive Hybrid-Spieler, der auf der Außenbahn wie auch als Neuner eingesetzt werden kann, glänzt ebenfalls mit einem pfeilschnellen Antritt und könnte physisch bereits auf der Höhe sein, um in der Bundesliga zu bestehen. Sollte dem wirklich so sein, würde seine fixe Verpflichtung bis zu zwölf Millionen Euro kosten. Bei den "Rossoneri", wo er nach starker Hinrunde letztlich nicht mehr zum Zug kam, erzielte er in 24 Partien fünf Tore und legte ein weiteres vor.

Doch die Eintracht gab auf dem Transfermarkt noch mehr Gas: Schon in der Vorsaison gab man die ablösefreie Verpflichtung von Christopher Lenz (26, 1. FC Union Berlin), sowie der blutjungen Top-Talente Ali Akman (19, Bursaspor), Fabio Blanco (17, FC Valencia) und Enrique Herrero García (16, FC Villarreal) bekannt. Zudem kam Stuttgarts Ersatzkeeper Jens Grahl (32) für geschätzt 250.000 Euro.

Als Leih-Rückkehrer begrüßte die SGE schließlich Paciencia (verliehen an FC Schalke 04) und Danny da Costa (28, 1. FSV Mainz 05). Während letzterer wohl durchaus Chancen unter Neu-Trainer Oliver Glasner (46) haben wird, scheinen die Tage des Portugiesen in der Mainmetropole wohl auf kurz oder lang gezählt zu sein.

Neben dem von uns ausgemachten "Mister X" könnten die Frankfurter auch in der Innenverteidigung noch einmal zuschlagen. Sicherlich aber nur dann, wenn sich eine entsprechende Chance, die sportlich wie auch finanziell lohnenswert erscheint, auftut.

Jens-Petter Hauge (21, l.), Jesper Lindström (21, M.) und Rafael Borre (25) sind drei der vielversprechendsten Neuzugänge der Frankfurter Eintracht.
Jens-Petter Hauge (21, l.), Jesper Lindström (21, M.) und Rafael Borre (25) sind drei der vielversprechendsten Neuzugänge der Frankfurter Eintracht.  © Montage: Eintracht Frankfurt, IMAGO/Hartenfelser, DPA/Arne Dedert

André Silva wird für Eintracht Frankfurt kaum zu ersetzen sein: Weitere Top-Talente ausgeliehen

Wie ersetzt man 45 Tore, davon allein 28 in der vergangenen Bundesliga-Spielzeit und 15 Vorbereitungen in insgesamt 71 Partien? Richtig, (so gut wie) gar nicht! Der Abgang von André Silva (25) in Richtung Ligakonkurrent RB Leipzig schmerzt die Eintracht-Verantwortlichen mindestens genauso sehr wie die Fans der "Adlerträger" - wenn nicht sogar ein wenig mehr! Denn der "Mini-Ronaldo", der den ewigen Torrekord von Eintracht-Legende Bernd Hölzenbein (75, 26 Treffer in der Saison 1976/77) vor seinem Abschied aus Frankfurt übertroffen hatte, wechselte für eine vergleichsweise Schnäppchensumme von rund 23 Millionen Euro zu den Sachsen, während sein Marktwert mittlerweile über 40 Millionen Euro beträgt. Doch eine Klausel in Silvas Vertrag band Krösche und Co. die Hände.

Einen Ersatz für den Knipser, der in der Vorsaison seine mit Abstand beste Saison seiner Profilaufbahn abspulte, wird schwerlich zu finden sein. Auf den neuen Sportvorstand und Direktor Profifußball, Ben Manga (46), wartet in dieser Hinsicht eine Menge Arbeit bis zum Ende der Sommer-Transferfrist Ende August.

Darüber hinaus verließen Akman (NEC Nijmegen) und Rodrigo Zalazar (21, FC Schalke 04), die von vielen Fans beide eigentlich als Bestandteil des erweiterten Frankfurter Kaders gesehen wurden, den Klub einigermaßen überraschend auf Leihbasis. Genauso handhabte man es mit den Talenten Fynn Otto (19, Hallescher FC) und Elias Bördner (19, Viktoria Köln). Den Verein endgültig verließen Keeper Frederik Rönnow (28, 1. FC Union Berlin, Ablöse: 1 Million Euro), Verteidiger Yannick Brunner (20, Admira Wacker, ablösefrei) und Angreifer Dejan Joveljic (21, LA Galaxy, 3,5 Millionen Euro), der den erhofften Durchbruch bei den "Adlern" nicht vollziehen konnte.

Außerdem liefen die Verträge von Jetro Willems (27), Lukas Fahrnberger (20) und Jabez Makanda (19) aus und wurden nicht verlängert.

Ein mögliches dauerhaftes Comeback von Luka Jovic (23) gab es hingegen nicht. Er packte nach Ende der halbjährigen Leihe erneut seine Koffer und kehrte zu Real Madrid zurück. Zudem kehrte Torhüter Markus Schubert (23) zum FC Schalke 04 zurück.

André Silva (25) erzielte in der abgelaufenen Spielzeit satte 28 Treffer für die "Adlerträger". In der Saison 21/22 geht er für RB Leipzig auf Torejagd und wird für die Hessen nur schwer zu ersetzen sein.
André Silva (25) erzielte in der abgelaufenen Spielzeit satte 28 Treffer für die "Adlerträger". In der Saison 21/22 geht er für RB Leipzig auf Torejagd und wird für die Hessen nur schwer zu ersetzen sein.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Vorbereitung und Form von Eintracht Frankfurt: Mäßig erfolgreiche Testspiele und DFB-Pokal-Blamage

Testspiel-Niederlagen gegen den SV Wehen Wiesbaden (1:3), und Racing Strasbourg (2:3) sowie Siege gegen den SV Sandhausen (1:0), den FC Gießen (6:1) und die AS Saint-Étienne (2:1). Allesamt Ergebnisse, mit denen wie gewohnt nicht viel anzufangen war.

Der erste Härtestest, der auf dem Papier aber eigentlich nicht mehr als eine Pflichtaufgabe hätte sein sollen, offenbarte jedoch bereits die großen Probleme, die Glasner und die Hessen aktuell noch haben. Keine Durchschlagskraft in der Offensive, vollkommen harmlose Außenbahnen, die aufgrund der Rotsperre von Filip Kostic (28) in Person von Lenz und da Costa überhaupt keine Impulse setzten und Angriffe, die bereits in ihrer Entstehung im Zentrum lieber abgebrochen anstatt durchdacht vorgetragen wurden. Die logische Konsequenz: Eine bittere, viel eher sogar peinliche 0:2-Pokal-Pleite beim Drittligisten SV Waldhof Mannheim. Hinzu kam jedoch eine Schwäche, die viele nach der vergangenen Spielzeit wohl selbst in ihren kühnsten Träumen nicht als solche ausgemacht hätten - die Abwehr.

Das Verteidigungs-Dreigestirn um Martin Hinteregger (28), Evan N'dicka (21) und Tuta (22) war ein ums andere Mal mindestens einen Schritt zu spät und von der Schnelligkeit der Waldhöfer Angreifer schlichtweg überfordert. Dies zeigten auch die Gelbe Karte gegen den jungen Brasilianer sowie der frühe Gelb-Rote Karton gegen Abwehrboss Hinteregger.

Somit wartet auf den neuen Eintracht-Coach nicht nur die Aufgabe, seine Ideen für die Offensiv-Abteilung vehementer zu etablieren, sondern auch die Defensive zu gewohnter Stärke zu führen. Letzteres dürfte jedoch aufgrund der hohen Qualität der vorhandenen Akteure die weitaus leichtere Aufgabe sein.

Den ersten Dämpfer gab's für die SGE direkt im ersten Pflichtspiel: In der ersten Runde des DFB-Pokals folgte umgehend das peinliche Aus bei Waldhof Mannheim.
Den ersten Dämpfer gab's für die SGE direkt im ersten Pflichtspiel: In der ersten Runde des DFB-Pokals folgte umgehend das peinliche Aus bei Waldhof Mannheim.  © dpa/Uwe Anspach

TAG24-Prognose zu Eintracht Frankfurt: Die "Adler" sind (noch) eine hessische Wundertüte

Wenige Tage vor dem ersten Bundesliga-Match bei der schier übermächtigen Borussia aus Dortmund hat die SGE noch einige Baustellen, die in dieser Zeit sicherlich nicht allesamt zur Gänze behoben werden können. Dennoch dürfte der Pokal-Dämpfer die Aufmerksamkeit aller Beteiligten geschärft haben und dafür sorgen, dass man sich seinem Leistungsmaximum wieder deutlich nähern wird. Zudem brillierte die Eintracht nicht nur in der Vorsaison besonders gegen die vermeintlich großen Klubs der Liga.

Doch was der SGE nach dem ersten Pflichtspiel der neuen Spielzeit noch immer zu fehlen scheint, ist eine klare Spielidee sowie eine klare taktische Marschroute, beziehungsweise neue taktische Impulse. In Mannheim lief man mit dem noch von Ex-Trainer Adi Hütter (51, Borussia Mönchengladbach) bekannten 3-4-2-1-System auf, von der Glasner'schen Vierer-Abwehrkette war noch nichts zu sehen.

Bis diese - wenn überhaupt - etabliert sein wird, dürften auch noch einige Wochen vergehen. Jedoch muss die Eintracht Acht geben, dass man bis dahin die Ergebnisse nicht vollends aus dem Auge verliert, um eine Europa-Chance nicht schon in der Frühphase der Saison zu verspielen.

Dennoch können die Hessen auf viele Fixpunkte zählen, die bereits bewiesen haben, dass sie der Mannschaft weiterhelfen können. Neben dem schon in Mannheim überragend agierenden Stammtorhüter Kevin Trapp (30), dürfte auch die Abwehrreihe mit mindestens Zweien aus der Riege Hinteregger, N'dicka und Tuta ziemlich feststehen.

Im Zentrum scheint nur EM-Fahrer Djibril Sow (24) einen sicheren Platz innezuhaben. Zu ihm dürften sich Neu-Kapitän Sebastian Rode (30), Oldie Makoto Hasebe (37) oder Ajdin Hrustic (25) gesellen. Auf den Außenbahnen wird es auf Links weiterhin kein Vorbeikommen an Kostic geben - sollte dieser nicht doch noch wechseln. Auf Rechts liefern sich Weltmeister Erik Durm (28) und da Costa ein Duell auf Augenhöhe, das der Leih-Rückkehrer aus Mainz aufgrund der bisherigen Spielanteile in der Vorbereitung aber für sich entscheiden dürfte.

Die Frage, wer hinter den Spitzen und im Sturm agieren wird, gleicht der sprichwörtlichen Wundertüte: Neuzugang Borré dürfte das Rennen gegen Ache machen, benötigt jedoch unbedingt den sagenumwobenen "Mister X" an seiner Seite.

Der neue Eintracht-Coach Oliver Glasner (46, im Hintergrund) hat noch eine Menge Arbeit mit seinen neuen Schützlingen vor sich, ehe die SGE in der kommenden Saison ein Wörtchen um die internationalen Plätze mitreden darf.
Der neue Eintracht-Coach Oliver Glasner (46, im Hintergrund) hat noch eine Menge Arbeit mit seinen neuen Schützlingen vor sich, ehe die SGE in der kommenden Saison ein Wörtchen um die internationalen Plätze mitreden darf.  © DPA/Arne Dedert

Im offensiven Mittelfeld streiten sich Daichi Kamada (25), Amin Younes (28), Lindström und Hauge um die Plätze, wobei letzterer auch in der Sturmspitze agieren könnte. Schwer wird es hier hingegen für den Frankfurter Bub, Aymen Barkok (23), der nach durchwachsenen Leistungen in der Vorsaison und der Vorbereitung höchstens zweite Wahl hinter den Vorgenannten sein wird.

Ob Fünfer- oder Vierer-Defensiv-Kette, ein oder zwei Stürmer, weitere namhafte Zu- oder Abgänge - die Eintracht ist in dieser Saison eine wahre hessische Wundertüte, wahrscheinlich so sehr wie schon lange nicht mehr. Zwischen Rang vier und zwölf ist der Glasner-Truppe nahezu alles zuzutrauen.

Titelfoto: Montage: DPA/Uwe Anspach, Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema Fußball: