England-Fan entführte Kind im Rollstuhl, um EM-Finale sehen zu können

London - Bei Ausschreitungen während des Endspiels der Europameisterschaft 2020 entführte ein Anhänger der englischen Nationalmannschaft einen Jungen im Rollstuhl, um sich Zugang zum Wembley-Stadion zu verschaffen.

Tausende Menschen sammelten sich zum Finale der EM 2020 vor dem Wembley-Stadion. Doch nicht alle hatten auch ein Ticket.
Tausende Menschen sammelten sich zum Finale der EM 2020 vor dem Wembley-Stadion. Doch nicht alle hatten auch ein Ticket.  © Zac Goodwin/PA Wire/dpa

Dazu verkleidete sich der dreiste Täter als Ordner, wie die Ergebnisse der Ermittlungen zu den Vorfällen am 11. Juli 2021 kürzlich offenbarten.

Laut Zeugenaussage des Vaters trug der Chaot eine Warnweste, schnappte sich den Rollstuhl und stürmte auf die Eingangstore durch die Menschenmenge hindurch.

"Er nahm sich den Rollstuhl meines Sohnes und schob ihn Richtung Stadioneingang. Erst als wir am Tor angelangt waren, realisierten wir, dass es sich nur um einen England-Fan in einer Warnweste handelte, der ins Stadion kommen wollte", so der Vater laut itv.

Regionalliga-Sensation! Kultstürmer Sascha Mölders wird Spielertrainer
Fußball Regionalliga-Sensation! Kultstürmer Sascha Mölders wird Spielertrainer

Es war nicht der einzige Vorfall dieser Art am historischen Finaltag der "Three Lions" im Londoner Stadion. Tausende Anhänger ohne Ticket versuchten mit allen Mitteln, in die Arena zu gelangen. Dabei wurden Menschen mit Behinderung, Polizisten und Ordner attackiert und belästigt.

Insgesamt verschafften sich 2000 Fans ohne Karte Zugang, nur 400 konnten vom Personal wieder nach draußen begleitet werden. Die Randalierer überrannten 17 Einlasspunkte, darunter auch Sondereingänge für Menschen mit Behinderung und Notausgänge.

Ein Kartenbesitzer beschwerte sich anschließend beim englischen Fußballverband FA: "Ich sah, wie Leute in Rollstühlen von der Menge fast erdrückt wurden und über Dosen und Flaschen fahren mussten und was nicht noch alles."

FA hat EM-Finale zwischen England und Italien im Wembley-Stadion falsch eingeschätzt

Aufgebrachte England-Fans beschimpfen die Polizei nach der Final-Niederlage gegen Italien in der Londoner Innenstadt.
Aufgebrachte England-Fans beschimpfen die Polizei nach der Final-Niederlage gegen Italien in der Londoner Innenstadt.  © Victoria Jones/PA Wire/dpa

Nach einer viermonatigen Ermittlung veröffentlichte Regierungsbeauftragte Louise Casey (56) einen Bericht, aus dem hervorgeht, dass die FA und die zuständige Polizeibehörde die Risiken des Spiels falsch eingeschätzt hätten.

"Der Alkohol- und Drogenkonsum, die Kriminalität und der Missbrauch von unschuldigen Menschen, wie Mitarbeitern, Familien und behinderten Kartenbesitzern, war schockierend und untragbar", so die 56-jährige Baronesse.

Laut ihrer Einschätzung wären die Ausschreitungen noch heftiger geworden, wenn England das Match gewonnen hätte. Italien setzte sich jedoch 4:3 im Elfmeterschießen durch, nachdem die Begegnung in der regulären Spielzeit mit einem 1:1-Unentschieden endete und eine torlose Verlängerung nach sich zog.

FIFA kürt Weltfußballer: Lewandowski oder ärgert ihn Messi nochmals?
Fußball FIFA kürt Weltfußballer: Lewandowski oder ärgert ihn Messi nochmals?

"Ein Sieg im Elfmeterschießen hätte für noch mehr Gefahr gesorgt, da rund 6000 Fans vor dem Stadion warteten und beim Auslass der anderen Anhänger in die Arena stürmen wollten", meinte Casey.

Sie erhofft sich, dass die Behörden so viele Täter wie möglich identifiziert und zur Rechenschaft zieht. Die FA entschuldigte sich inzwischen bei den zahlenden Zuschauern und gelobte Besserung für zukünftige Events dieser Größenordnung, wie die Sun berichtete.

"Zusammen müssen wir dafür sorgen, dass so etwas nie wieder passiert", so der Fußballverband.

Titelfoto: Zac Goodwin/PA Wire/dpa

Mehr zum Thema Fußball: