Morddrohungen und Schläge: Dieser England-Star erzählt von seiner schlimmen Kindheit

Birmingham/UK - Alkohol, Drogendealer im Kofferraum und Gewalt. Das alles war für den englischen Fußballer Troy Deeney (33) während seiner Kindheit normal. Jetzt öffnet sich der Mittelstürmer und erzählt von seinen traumatischen Erfahrungen.

Für die "Hornissen" aus Watford wurde der Stürmerstar als Kapitän zum Publikumsliebling. In Interviews nimmt er kein Blatt vor den Mund.
Für die "Hornissen" aus Watford wurde der Stürmerstar als Kapitän zum Publikumsliebling. In Interviews nimmt er kein Blatt vor den Mund.  © Adam Davy/PA Wire/dpa

Der bullige Angreifer hat in seinen 33 Jahren einiges erlebt. Neben seiner Karriere als Sportler gehören dazu allerdings auch Alkoholprobleme, Konflikte mit dem Gesetz und ein gewalttätiger Stiefvater, wie die FC-Watford-Legende im Zuge seiner Buchveröffentlichung "Redemption: My Story" gegenüber der Sun berichtet.

Seinen leiblichen Vater kennt der 165-malige Premier-League-Spieler nur flüchtig. Für Deeney ist er nicht mehr als ein Samenspender, da der Mann seine Mutter mit 19 Jahren sitzen ließ und verschwand.

Sein Stiefvater war Paul Anthony Burke (†47), ein Kleinkrimineller aus Birmingham in England, wo die Familie aufwuchs. Auch wenn der Ersatzpapa gern mal die Hand gegen seine Frau und die drei Geschwister erhob, erinnert sich der Goalgetter nicht bloß negativ an ihn.

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Denn zumindest war er da und hat sich um den Nachwuchs gekümmert: "Er brachte mir bei Fußball zu spielen, mich zu verteidigen, richtig und falsch zu unterscheiden, Fahrrad zu fahren und zu schwimmen", so der 33-Jährige.

Allerdings zog er den jungen Deeney auch in seine kriminellen Machenschaften rein.

Drogendealer im Kofferraum

Echter Teamplayer: Deeney (33, r.) war elf Jahre im Londoner Vorort. Hier faustet er mit Craig Dawson (31) ab.
Echter Teamplayer: Deeney (33, r.) war elf Jahre im Londoner Vorort. Hier faustet er mit Craig Dawson (31) ab.  © Richard Heathcote/Nmc Pool/PA Wire/dpa

So kann sich der heutige Routinier an einen Vorfall erinnern, als sein Vater ihn von einem Spiel gegen Northampton Town abholte.

Draußen wartete ein blauer Mercedes auf den Kicker, obwohl er wusste, dass sein alter Herr weder einen solchen Wagen, noch einen Führerschein besaß.

Als die beiden zum Tanken anhielten und die Musik des Radios zum Stoppen kam, hörte Troy ein Klopfen aus dem Kofferraum.

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Sein Stief-Dad erklärte ihm, dass er einen Drogendealer im Gepäck hat, der einem Freund noch Geld schuldet und gefügig gemacht werden muss.

Erst aus heutiger Sicht erkennt der wuchtige Stürmer die Absurdität der Situation. Auf der einen Seite die startende Fußballkarriere und auf der anderen Seite das alltägliche Gangster-Leben eines Elternteils.

Der 47-fache PL-Torschütze hatte in der Folge auch selbst Probleme mit dem Gesetz und trank zu viel Alkohol. 2012 wurde er zu zehn Monaten Haft wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt, von denen er drei Monate absaß.

Gewalt und Morddrohungen

Harter Hund: Auf dem Platz kennt der massige Angreifer keine Freunde. Auch sein Privatleben war sehr turbulent.
Harter Hund: Auf dem Platz kennt der massige Angreifer keine Freunde. Auch sein Privatleben war sehr turbulent.  © Alastair Grant/AP/dpa

Die Trennung der beiden Eltern war traumatisch für Deeney und seine Geschwister, vor allem weil Vater Paul sie gar nicht gut verkraftet hat.

Der Kleinkriminelle verfolgte seine Familie und schlug seine Ex-Frau mehrmals in Anwesenheit der Kinder. Auch der zukünftige Profisportler bekam Schläge ab.

Als seine Mutter mit einem anderen Verehrer ausging, kamen Morddrohungen dazu.

"Ich werde eure Mutter töten und dann werde ich dich töten und dich töten und dich töten", soll der Stiefpapa zu den Geschwistern gesagt haben, erzählt Deeney.

Am nächsten Tag hat die Polizei die Vaterfigur des Sportlers abgeholt. Es war ein Wendepunkt in der Beziehung der beiden. Troy sagt, er hätte seinem Dad zwar verziehen, aber niemals vergessen, was passiert ist.

Heute ist der Fußballer selbst Vater. Nach über zehn Jahren und 419 Spielen (140 Tore, 62 Vorlagen) verließ er im Sommer den FC Watford und kickt jetzt in seiner Heimatstadt bei Birmingham City.

Die Zeit im Gefängnis hat das Muskelpaket umdenken lassen. Seitdem engagiert er sich mit seiner Stiftung sehr für Kinder mit Lernproblemen und lebenslimitierenden Krankheiten.

Außerdem machte Deeney auf sich aufmerksam, als er das Training nach der Corona-Pause aus Angst um seinen Sohn verweigerte.

Titelfoto: Adam Davy/PA Wire/dpa

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