Christian Eriksens sportliche Karriere im Fokus: Profidebüt unter Ex-HSV-Coach!

Kopenhagen - Es waren ganz bange Momente! Christian Eriksen (29) kollabierte beim EM-Spiel zwischen Dänemark und Finnland (0:1) ohne gegnerische Einwirkung und musste auf dem Feld wiederbelebt werden. Mittlerweile ist er glücklicherweise stabil und im Krankenhaus. Trotzdem werden diese Szenen Fußballfans auf der ganzen Welt wohl noch lange im Gedächtnis bleiben. Doch was hat der offensive Mittelfeldspieler in seiner sportlichen Karriere bislang eigentlich erreicht? Ein Porträt.

Der 17. Januar 2010: Christian Eriksen (l.) gibt im Alter von 17 Jahren, elf Monaten und drei Tagen sein Profidebüt für Ajax Amsterdam an der Seite von Luis Suarez (34). Am Ende reicht es nur zu einem 1:1 bei NAC Breda. Doch der Grundstein für eine große Karriere ist gelegt.
Der 17. Januar 2010: Christian Eriksen (l.) gibt im Alter von 17 Jahren, elf Monaten und drei Tagen sein Profidebüt für Ajax Amsterdam an der Seite von Luis Suarez (34). Am Ende reicht es nur zu einem 1:1 bei NAC Breda. Doch der Grundstein für eine große Karriere ist gelegt.  © Imago images/Pro Shots

Eriksen wurde am 14. Februar 1992 in Middelfart geboren, elf Kilometer entfernt von Fredericia in Süddänemark. Bereits mit drei Jahren spielte er beim Middelfart G&BK in der Jugend und hielt seinem Heimatklub bis 2005 die Treue, ehe er sich dem deutlich größeren Verein Odense BK anschloss.

Die Stadt liegt knapp 50 Kilometer von seinem Heimatort entfernt, weshalb das ein logischer nächster Schritt war. Hier blieb er bis Ende 2008, ehe er so gut war, dass er bereits mit 16 Jahren für 1,5 Millionen Euro Ablöse ins Ausland wechselte und in die herausragende Nachwuchsakademie vom niederländischen Spitzenklub Ajax Amsterdam wechselte.

Das dortige Trainingszentrum heißt passenderweise "De Toekomst", übersetzt: Die Zukunft - und die sollte für Eriksen strahlend sein! Denn auch an das deutlich höhere Niveau in den Niederlanden gewöhnte er sich schnell und entwickelte sich erstklassig.

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Er feierte unter dem früheren Weltklasse-Innenverteidiger Frank de Boer (51) sein A-Jugend-Debüt, trug sich am 22. August 2009 beim 4:0 gegen Sparta Rotterdam direkt in die Torschützenliste ein und traf zum zwischenzeitlichen 2:0.

So rückte er schnell in den Fokus der Profimannschaft, die seit dem 1. Juli vom späteren Coach des Hamburger SV, Martin Jol (65), trainiert wurde.

Christian Eriksen erzielte sein erstes Profitor an der Seite von Ex-Herthaner Marko Pantelic

Großer Jubel bei Christian Eriksen (2.v.r.)! Am 25. März 2010 erzielte er beim 6:0-Pokalsieg von Ajax Amsterdam bei den Go Ahead Eagles sein erstes Profitor.
Großer Jubel bei Christian Eriksen (2.v.r.)! Am 25. März 2010 erzielte er beim 6:0-Pokalsieg von Ajax Amsterdam bei den Go Ahead Eagles sein erstes Profitor.  © Imago images/Pro Shots

Der heutige Technische Direktor von Erstligist ADO Den Haag erkannte Eriksens Potenzial und verhalf ihm am 17. Januar 2010 zu seinem Profidebüt. Jol stellte den Dänen auf der Zehn an der Seite von Luis Suarez (34), Maarten Stekelenburg (38), Jan Vertonghen (34) und Toby Alderweireld (32) in die Startaufstellung.

Mit den beiden letztgenannten sollte er noch viele Jahre verbunden bleiben. Mit Vertonghen stand er 324-mal (!) gemeinsam auf dem Feld, mit Alderweireld satte 310-mal. Sie sind die beiden Akteure, mit denen Eriksen am häufigsten zusammenkickte.

Doch zurück zu seinen Anfängen als Profi. In seiner ersten Saison kam er unter Jol auf 21 Einsätze und schoss sein erstes und einziges Tor der Spielzeit am 25. März 2010 beim 6:0-Auswärtssieg von Ajax im TOTO KNVB beker, dem niederländischen Pokal, bei den Go Ahead Eagles.

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An der Seite des einstigen Publikumslieblings von Hertha BSC, Marko Pantelic (42), markierte er das 4:0 in der 77. Minute. Wenig später durfte er bereits seinen ersten Titel feiern, denn Amsterdam holte sich den Cup! All das war auch in seiner Heimat nicht verborgen geblieben. So war er zu diesem Zeitpunkt schon dänischer Nationalspieler. Am 3. März 2010 wechselte ihn der langjährige Coach Morten Olsen (71) beim 1:2 in Österreich ein.

Vollends aufgehen sollte Eriksens Stern dann ab der Folgesaison. 2010/11 war er bereits Leistungsträger und kam in 47 (!) Einsätzen auf acht Tore und 16 Vorlagen. Er feierte am 15. September 2010 sein Champions-League-Debüt beim 0:2 gegen Real Madrid, wo mit Mesut Özil (32) und Sami Khedira (34) auch zwei spätere deutsche Weltmeister von 2014 auf dem Rasen standen. Von Cristiano Ronaldo (36) mal ganz zu schweigen.

Christian Eriksen maß sich früh in seiner Karriere mit Weltklasse-Spielern wie Ronaldinho

Real gegen Ajax: Christian Eriksen (r.) spielte mehrfach gegen den deutschen Weltmeister von 2014, Mesut Özil (l.).
Real gegen Ajax: Christian Eriksen (r.) spielte mehrfach gegen den deutschen Weltmeister von 2014, Mesut Özil (l.).  © imago images/Jan Huebner

Allerdings schied Ajax haarscharf in der Gruppenphase aus, weil mit dem AC Mailand um Ronaldinho (41), Kevin-Prince Boateng (34) und Zlatan Ibrahimovic (39) noch eine weitere Mannschaft stärker war.

Am Ende fehlte Amsterdam ein Punkt, weshalb man in der Europa League antreten musste, wo Eriksen mit seinem Team doch etwas überraschend im Achtelfinale gegen Spartak Moskau ausschied (1:0/0:3).

Dafür sicherte sich Amsterdam, mittlerweile unter Frank de Boer, die Meisterschaft, weil man den Tabellenführer Twente Enschede am letzten Spieltag im direkten Duell mit 3:1 bezwang und doch noch überholte.

Auch in den beiden folgenden Spielzeiten war Eriksen die Schaltzentrale im Angriff und leitete dank seiner überragenden Technik, Spielintelligenz und Übersicht viele Angriffe ein. 2011/12 kam er auf 44 Partien (acht Treffer, 22 Assists) und hatte mit seinen bereits erstaunlich konstanten Leistungen entscheidenden Anteil an der zweiten Meisterschaft in Folge.

International war in der Königsklasse wieder nach der Gruppenphase Schluss, weil Real Madrid und Olympique Lyon besser waren. In der Europa League setzte sich Manchester United um Wayne Rooney (35) und die einstigen Leverkusener Javier Hernandez "Chicharito" (33) sowie Dimitar Berbatov (40) im direkten Duell knapp durch (0:2/2:1).

Christian Eriksens zehn schönste Tore für Ajax Amsterdam

Christian Eriksen wechselte im Sommer 2013 von Ajax Amsterdam zu den Tottenham Hotspur

Christian Eriksen (l.) erwischte in der Saison 2012/13 mit Ajax eine echte Krachergruppe! Auch der spätere Finalist Borussia Dortmund um den WM-Siegtorschützen von 2014, Mario Götze (29), war einer der Gegner.
Christian Eriksen (l.) erwischte in der Saison 2012/13 mit Ajax eine echte Krachergruppe! Auch der spätere Finalist Borussia Dortmund um den WM-Siegtorschützen von 2014, Mario Götze (29), war einer der Gegner.  © imago images/ VI Images

Das war auch 2012/13 so. Hier erwischte man in der Königsklasse eine Hammergruppe mit Real, Manchester City und dem späteren Finalisten Borussia Dortmund, ließ aber die damals noch nicht ganz so herausragenden Skyblues hinter sich, was auch mit Eriksen zu tun hatte, der in sechs Einsätzen auf ein Tor und vier Vorlagen kam. Er hatte bereits mit 20 Jahren ein herausragendes Niveau erreicht.

Das völlig überraschende Aus in der Europa League konnte aber auch er nicht verhindern. Ajax scheiterte am rumänischen Spitzenklub Steaua Bukarest (2:0/2:6 nach Elfmeterschießen). Immerhin durfte Eriksen mit seinem Verein am Saisonende die dritte Meisterschaft in Folge feiern.

Nach fünf Partien (zwei Tore, vier Vorlagen) zu Beginn der folgenden Spielzeit war dann die Zeit gekommen, in die vermutlich stärkste Liga der Welt zu gehen: Die Premier League lockte! Eriksen schloss sich am 30. August 2013 für 14,15 Millionen Euro Ablöse den Tottenham Hotspur an.

In London traf er Vertonghen und später Alderweireld wieder, schloss zudem mit Stürmerstar Harry Kane (27) Freundschaft, die sie bis heute verbindet. Allerdings musste sich der Spielgestalter umgewöhnen. Erst setzte ihn Andre Villas-Boas (43) wie gewohnt auf der Zehn ein, doch dessen Nachfolger Tim Sherwood (52) agierte in einem neuen System, sodass Eriksen oft auf dem linken Flügel agieren musste, was trotz seiner Beidfüßigkeit nicht unbedingt seine Lieblingsposition ist.

Dennoch steuerte er in 36 Begegnungen zehn Tore sowie zwölf Vorlagen bei und gewöhnte sich erneut in kürzester Zeit an das Top-Niveau.

Christian Eriksen entwickelte sich in England schnell zum Leistungsträger

Zweites Spiel, erstes Tor! Christian Eriksen netzte am 19. September 2013 erstmals für Tottenham ein und erzielte beim 3:0-Sieg in der Europa League gegen Tromsö IL aus Norwegen den Treffer zum Endstand.
Zweites Spiel, erstes Tor! Christian Eriksen netzte am 19. September 2013 erstmals für Tottenham ein und erzielte beim 3:0-Sieg in der Europa League gegen Tromsö IL aus Norwegen den Treffer zum Endstand.  © imago images/Sportimage

Mit den Spurs spielte er auch in den kommenden Jahren immer im oberen Drittel mit, ein Titel blieb Eriksen mit seinem Klub aber verwehrt.

2014/15 kam er auf 48 Einsätze (zwölf Treffer, fünf Assists), 2015/16 war er mit 47 Partien (acht Tore, 16 Vorlagen) erneut einer der Leistungsträger seiner Mannschaft, die aber - wie ein Jahr zuvor - frühzeitig in der Europa League die Segel streichen musste. Der BVB war im Achtelfinale zu stark: 0:3 und 1:2 hieß es am Ende aus Tottenham-Sicht.

In der Premier League wurde man aber guter Dritter. So qualifizierten sich die Spurs für die Königsklasse, wo sie und Eriksen ihr Potenzial aber nicht entfalten konnten und in einer Gruppe mit der AS Monaco, Bayer 04 Leverkusen und ZSKA Moskau nur Dritter wurden. In der Europa League schied man dann sensationell gegen den belgischen Vertreter KAA Gent aus (0:1/2:2), obwohl Eriksen im Rückspiel ein Tor erzielte und das andere auflegte.

Dafür wurde er 2017 an der Seite von Kane, Vertonghen, Alderweireld, Dele Alli (25), Hugo Lloris (34) und dem früheren Hamburger sowie Leverkusener Heung-Min Son (28) Premier-League-Vizemeister.

Dieser gute Eindruck hielt sich in den kommenden Jahren, doch die Krönung verpassten die Spurs weiterhin. 2017/18 überragte Eriksen weitestgehend erneut (48 Spiele, 14 Tore, 13 Assists), doch im Achtelfinale der Königsklasse war gegen Juventus Turin Schluss, in der Liga wurde man erneut Dritter.

Highlights aus Christian Eriksens Zeit bei den Tottenham Hotspur

Christian Eriksen erreichte mit Tottenham Hotspur das Königsklassen-Finale; wechselte 2020 zu Inter

Christian Eriksen wechselte Ende Januar 2020 zu Inter Mailand, wo er nach Anlaufschwierigkeiten zuletzt besser in Form kam und erst vor wenigen Wochen Meister wurde.
Christian Eriksen wechselte Ende Januar 2020 zu Inter Mailand, wo er nach Anlaufschwierigkeiten zuletzt besser in Form kam und erst vor wenigen Wochen Meister wurde.  © dpa/Piero Cruciatti/LaPresse via ZUMA Press

2019 erlebten Eriksen und die Spurs international dann endlich ihre "Märchensaison". Tottenham schaltete den BVB, Manchester City und Ex-Klub Ajax aus, erreichte das Champions-League-Finale, verlor dieses allerdings mit 0:2 gegen den FC Liverpool um Coach Jürgen Klopp (53).

Mit Platz vier in der Premier League qualifizierte man sich zudem erneut für die Königsklasse. Eriksen steuerte in 51 Einsätzen zehn Treffer und 17 Vorlagen bei und zeigte eine weitere Stärke von sich: Er war überhaupt nicht verletzungsanfällig, sondern nahezu immer fit.

Doch mit nunmehr 27 Jahren (am Saisonende) wuchs langsam seine Unzufriedenheit, weil er in England keinen Titel gewann.

Da ihn die Spurs aber (noch) nicht gehen ließen, weil er für sie zu wertvoll war, spielte er auch in der Hinrunde der Saison 2019/20 für den englischen Traditionsverein. Doch in 28 Partien kam er "nur" auf drei Treffer und drei Vorlagen, war von seinem Leistungslimit ein Stück weit entfernt.

Negativer Höhepunkt in der Champions-League-Gruppenphase: das 2:7 am 1. Oktober 2019 im eigenen Stadion gegen den FC Bayern München. Im Winter wurde seinem Wechselwunsch dann endlich entsprochen und so schloss er sich am 28. Januar 2020 Inter Mailand an. Für die Nerazzurri bestritt er seitdem 60 Begegnungen, steuerte acht Tore bei und gab drei Vorlagen.

Christian Eriksen wurde mit Inter Mailand um Kumpel Romelu Lukaku in diesem Sommer Meister

Christian Eriksen (29, r.), hier im Testkick am 2. Juni 2021 vor der EM gegen Deutschland um Niklas Süle, hat mittlerweile 109 Länderspiele für Dänemark absolviert und an vier großen Turnieren teilgenommen.
Christian Eriksen (29, r.), hier im Testkick am 2. Juni 2021 vor der EM gegen Deutschland um Niklas Süle, hat mittlerweile 109 Länderspiele für Dänemark absolviert und an vier großen Turnieren teilgenommen.  © dpa/Christian Charisius

Doch in Italien brauchte er eine längere Anlaufzeit und wurde bereits sehr kritisch und gar als Transferflop gesehen. Zu allem Überfluss schieden die Mailänder auch noch in der Gruppenphase der Königsklasse aus, Real und überraschend auch Borussia Mönchengladbach kamen weiter.

Den negativen Stimmen und dem damit einhergehenden Druck hielt Eriksen aber stand und kam vor allem zum Ende der gerade abgelaufenen Saison immer besser in Form, wurde richtig wichtig für Inter - und durfte endlich einen Titel feiern! Er wurde an der Seite von Kumpel Romelu Lukaku (28) italienischer Meister!

Ob er diesen Titel mit der herausragend besetzten Truppe in der kommenden Saison verteidigen kann, hängt natürlich auch mit seiner Gesundheit zusammen. Nur, wenn kein Risiko besteht, wird er wieder auf dem Feld stehen können und hat dann vielleicht wieder die Chance, eine prägende Figur im Inter-Spiel zu werden.

Und auch im Nationalteam. Für Dänemark hat er mittlerweile beeindruckende 109 Einsätze in seiner Bilanz stehen, in denen er 36 Tore und 24 Vorlagen beisteuerte. Außerdem war er bei der WM 2010, EM 2012, WM 2018 und nun bei der Euro 2020 dabei.

Den ganz großen Coup durfte er mit seiner Nationalelf-Generation bislang aber noch nicht feiern. Doch wenn alles gut läuft, hat er dafür als Profifußballer noch ein paar Jahre Zeit... hoffentlich!

Titelfoto: Imago images/Pro Shots

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