Elfer-Ärger: Harry Kane und England beenden Dänemarks Märchen!

London - Die Elfmeter-Entscheidung sorgt für erhitzte Diskussionen! England hat Dänemark im Halbfinale der Europameisterschaft 2020 dank eines fragwürdigen Strafstoßes mit 2:1 (2:1/1:1/1:1) bezwungen und ist ins Endspiel eingezogen. Das Weiterkommen ist aufgrund der Spielanteile völlig verdient, das Zustandekommen hat allerdings einen faden Beigeschmack.

Eigentor! Dänemarks Abwehrchef Simon Kjaer (l.) will vor Raheem Sterling klären, grätscht den Ball jedoch zum 1:1 für England ins Netz.
Eigentor! Dänemarks Abwehrchef Simon Kjaer (l.) will vor Raheem Sterling klären, grätscht den Ball jedoch zum 1:1 für England ins Netz.  © dpa/Mike Egerton/PA Wire

Die Tore vor 64.950 Zuschauern im Wembley-Stadion erzielten Mikkel Damsgaard zum 1:0 für Dänemark (30. Minute), Simon Kjaer per Eigentor zum 1:1 für die Gastgeber (39.) und Harry Kane per Elfer-Nachschuss zum 2:1 für die Three Lions (104.).

Englands Coach Gareth Southgate tauschte nach dem 4:0-Sieg im Viertelfinale gegen die Ukraine nur einmal aus: Bukayo Saka war wieder fit und verdrängte Jadon Sancho auf die Bank.

Sein Gegenüber, Kasper Hjulmand, setzte sogar auf exakt dieselbe Mannschaft, die Tschechien mit 2:1 bezwungen hatte.

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Die Three Lions übernahmen von Beginn an das Kommando und drängten die Nordeuropäer in die Defensive. Die erste Chance hatte dann auch Raheem Sterling, der die Kugel jedoch nicht voll traf, sodass Kasper Schmeichel sicher zupacken konnte (13.).

Danish Dynamite setzte in der Folge vermehrt Nadelstiche in der Offensive und fand immer besser in die Begegnung hinein. Ex-Bayern-Profi Pierre-Emile Höjbjergs wuchtiger, aber unplatzierter 20-Meter-Schuss stellte Jordan Pickford vor keine Probleme (15.).

Dann behauptete sich Damsgaard klasse gegen mehrere englische Verteidiger und schlenzte das Leder aus halblinker Position in Richtung lange Ecke, verfehlte sie allerdings um knapp einen Meter (25.).

Englands Aufstellung für das EM-Halbfinale gegen Dänemark

Dänemarks Startelf für das EM-Halbfinale gegen England

Mikkel Damsgaard schießt Dänemark in Front, Simon Kjaer gleicht per Eigentor für England aus

Ein Traumtor: Mikkel Damsgaard (4.v.l.) trifft den Ball perfekt...
Ein Traumtor: Mikkel Damsgaard (4.v.l.) trifft den Ball perfekt...  © dpa/Laurence Griffiths/Pool Getty/AP

Kurz darauf schlug der Youngster dann aber zu - und wie! Damsgaard schlenzte einen 25-Meter-Freistoß aus mittig-linker Position mit Präzision und Wucht über die Mauer und jagte ihn unter die Latte - 1:0 für Dänemark (30.)! Es war der erste Gegentreffer für England im Turnier und zudem das erste direkte Freistoßtor dieser EM.

Die Gäste blieben weiterhin gefährlich, die nächste Top-Gelegenheit hatten allerdings die Hausherren. Harry Kane legte für Sterling quer, der in der Mitte zum Abschluss kam, Schmeichel jedoch in den Bauch schoss (38.).

Wenig später machten es die Three Lions dann besser. Kane steckte auf der rechten Seite in die Gasse auf Saka durch, der zur Grundlinie marschierte und flach sowie scharf in die Mitte passte, wo Simon Kjaer vor Sterling retten wollte, den Ball aber unglücklich ins eigene Gehäuse grätschte - 1:1 (39.)! Es war bereits das elfte (!) Eigentor bei dieser Euro, mehr als bei allen anderen Turnieren zusammen (neun)!

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Zur Pause dieser Partie, die durch den ersten Treffer aufgeweckt wurde, blieb es beim Unentschieden. Im zweiten Abschnitt hatte Abwehrriese Harry Maguire die erste Möglichkeit, doch Schmeichel war blitzschnell in der linken Ecke und wehrte den Versuch exzellent ab (55.).

...und schießt ihn zum 1:0 für Dänemark ins Netz. Englands Keeper Jordan Pickford ist erstmals bei diesem Turnier geschlagen.
...und schießt ihn zum 1:0 für Dänemark ins Netz. Englands Keeper Jordan Pickford ist erstmals bei diesem Turnier geschlagen.  © dpa/Mike Egerton/PA Wire

Dänemarks Keeper Kasper Schmeichel für Englands Angreifer unüberwindbar!

Dänemarks Keeper Kasper Schmeichel (l.) spielt in England bei Leicester City und ließ die Three Lions nun im Halbfinale verzweifeln, zeigte viele exzellente Paraden.
Dänemarks Keeper Kasper Schmeichel (l.) spielt in England bei Leicester City und ließ die Three Lions nun im Halbfinale verzweifeln, zeigte viele exzellente Paraden.  © dpa/Justin Tallis/Pool AFP/AP

Auf der anderen Seite packte Pickford bei einem Schuss von Kasper Dolberg problemlos zu (58.). Anschließend wurde die Begegnung umkämpfter, die Zweikämpfe intensiver und die Chancen wieder weniger.

Das Geschehen wogte ausgeglichen hin und her. Daher lebte das Spiel vornehmlich von der Spannung.

Erst eine abgerutschte Flanke von Mason Mount zwang Schmeichel zur nächsten Parade, erneut war der dänische Keeper aufmerksam (73.). Dazu verzog Kalvin Phillips seinen Distanzschuss (80.), John Stones köpfte vorbei (83.) und Maguire in Schmeichels Arme (90.+5).

Mehr ließen klug agierende Dänen nicht zu, obwohl sie am Ende nur noch hintendrin standen und das Remis verteidigten, was mit ein wenig Glück gutging. So rettete sich Danish Dynamite in die Verlängerung.

Dort gab es direkt den ersten Höhepunkt. Kane zog aus halbrechter Position ab, doch wieder war Teufelskerl Schmeichel zur Stelle und wehrte den Versuch ab (94.). Die Engländer verzweifelten so langsam am Schlussmann von Leicester City! Auch Joker Jack Grealish konnte ihn nicht überwinden (98.).

Harry Kane schießt England gegen Dänemark mit seinem Tor ins Finale!

Die Entscheidung: Harry Kane (M.) trifft glücklich per Elfmeter-Nachschuss. Zuvor hatte Kasper Schmeichel (l.) seinen Versuch abgewehrt.
Die Entscheidung: Harry Kane (M.) trifft glücklich per Elfmeter-Nachschuss. Zuvor hatte Kasper Schmeichel (l.) seinen Versuch abgewehrt.  © dpa/Nick Potts/PA Wire

Dann fiel Sterling nach einem leichten Kontakt mit Joakim Maehle und Schiedsrichter Danny Makkelie gab selbst nach VAR-Überprüfung Foulelfmeter! Eine sehr harte und auch zweifelhafte Entscheidung, da der dänische Linksverteidiger seinen Gegner nur minimal mit dem Knie am Oberschenkel berührt hatte.

Kapitän Kane trat an - und fand vorläufig in Schmeichel seinen Meister! Der Torwart konnte das Leder aber nur nach vorne abwehren, wo Kane diesmal zur Stelle war und zum 2:1 einschob (104.).

Zur Pause blieb es bei diesem Zwischenstand. Im zweiten Abschnitt der Extrazeit mussten nun die Gäste kommen. Das taten sie, kreative Lösungen fielen ihnen allerdings verständlicherweise nicht mehr ein.

Lediglich ein tückisch aufsetzender Schuss von Martin Braithwaite zwang Pickford zu einer schnellen Reaktion, doch der englische Keeper war auf dem Posten (115.). Das sollte die letzte Chance für Danish Dynamite gewesen sein, weshalb es am Ende beim knappen Sieg der Three Lions blieb. Sterling verpasste wenige Sekunden vor Abpfiff sogar noch das 3:1, schoss den herausstürzenden Schmeichel aus spitzem Winkel an (120.).

Der Kapitän ging voran! Harry Kane (r.) führte England mit seinem Treffer ins Endspiel.
Der Kapitän ging voran! Harry Kane (r.) führte England mit seinem Treffer ins Endspiel.  © dpa/Mike Egerton/PA Wire

Für England geht es nun am Sonntag (21 Uhr) mit dem Traumfinale gegen Italien weiter.

Titelfoto: dpa/Mike Egerton/PA Wire

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