RB Leipzigs Klostermann über Eriksen-Herzstillstand: "Bilder, die man verarbeiten muss"

Leipzig/Herzogenaurach - Es war der größte Schockmoment der noch frischen Europameisterschaft: Dänemark-Star Christian Eriksen (29) hat am Samstagabend auf dem Spielfeld einen Herzstillstand erlitten. Die deutsche Nationalmannschaft verfolgte die bangen Minuten am Fernseher und musste die Szenen irgendwie aus den Köpfen bekommen.

Dänemarks Nationalspieler Christian Eriksen (29) war im EM-Spiel gegen Finnland kurz vor der Halbzeitpause zusammengebrochen und hatte einen Herzstillstand erlitten.
Dänemarks Nationalspieler Christian Eriksen (29) war im EM-Spiel gegen Finnland kurz vor der Halbzeitpause zusammengebrochen und hatte einen Herzstillstand erlitten.  © Wolfgang Rattay/Pool Reuters/AP/dpa
Deutschlands Rechtsverteidiger Lukas Klostermann (25) und der Rest des Teams reagierten schnell und sendeten Eriksen ein Foto.
Deutschlands Rechtsverteidiger Lukas Klostermann (25) und der Rest des Teams reagierten schnell und sendeten Eriksen ein Foto.  © Picture Point/Roger Petzsche

"Das war natürlich für uns alle ein absoluter Schockmoment", sagte Lukas Klostermann (25) am Sonntag. "Das sind Bilder, die man erstmal verarbeiten muss. Umso erleichterter war man dann, als endlich gute Nachrichten kamen, dass er stabil ist."

Als glücklicherweise später die Meldung aus dem Krankenhaus kam, dass der 29-Jährige wach und stabil sei, entschloss sich das DFB-Team, sich vor einer Videoleinwand mit Eriksens Foto aufzustellen und mit Daumen nach oben Grüße zu ihm zu senden.

"Wir als Mannschaft hatten das Bedürfnis, positive Energie rüberzuschicken und vielleicht hat das auch ein bisschen geholfen", so der Verteidiger von RB Leipzig.

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Für ihn und seine Mitspieler sei es für den eigenen Gemütszustand wichtig gewesen, "dass es auch noch gute Nachrichten gab. Das hat es für die, die es gesehen haben oder näher beteiligt waren, einfacher gemacht, die Situation zu verarbeiten."

Auch deshalb vermutet er, dass Deutschlands Nationalkicker am Dienstag (21 Uhr/ZDF) gegen Frankreich beim Gang auf den Rasen diese Szenen ausblenden "und sich voll auf das Spiel konzentrieren" können.

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DFB-Mannschaftsarzt Prof. Dr. Tim Meyer erklärt Christian Eriksens körperliche Reaktionen

Prof. Dr. Tim Meyer (53) ist der Mannschaftsarzt der Nationalmannschaft.
Prof. Dr. Tim Meyer (53) ist der Mannschaftsarzt der Nationalmannschaft.  © Oliver Dietze/dpa

Dänemarks Teamarzt Morten Boesen gab an, dass Eriksen "schon weg" gewesen sei. "Es war ein Herzstillstand".

Dem Mittelfeldstar von Inter Mailand gehe es "den Umständen entsprechend okay. Sein Zustand ist weiter stabil", so Boesen.

Auch diese Nachricht löste im deutschen Quartier natürlich positive Gefühle aus. "Sie können sich nicht vorstellen, wie froh alle bei uns im Lager waren, als die Meldung kam, dass er bei Bewusstsein war, es ihm relativ gut ging und er stabil sei", sagte Dr. Tim Meyer (53).

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Eriksen habe "ganz offensichtlich akute Herzrhythmusstörungen" gehabt. "Dadurch wurde das Gehirn des Spielers vorübergehend mit zu wenig Sauerstoff versorgt, wodurch er ins Straucheln gekommen ist." Es sei wohl ein Kammerflimmern gewesen, Eriksens Herz sei durch den Einsatz des Defibrillators wieder in den normalen Rhythmus zurückversetzt worden.

Die unmittelbare Anwesenheit eines Notarztes sei von Vorteil, wie man am Samstagabend durch die sofort eingeleiteten lebensrettenden Maßnahmen gesehen hat.

EM-Spiel Dänemark gegen Finnland nach Eriksens Okay fortgesetzt

Verhindern lassen würden sich derartige Vorfälle grundsätzlich zwar nicht. Der DFB habe aber "vielleicht das differenzierteste System" in Sachen Untersuchungen zu eventuellen Vorerkrankungen der Akteure. Man sei "sehr, sehr gut aufgestellt".

Dass Eriksen seinen Mitspielern den Auftrag, die Partie fortzusetzen, schon wieder bei voller Zurechnungsfähigkeit aus der Klinik gegeben habe, sei laut Meyer "vorstellbar".

Titelfoto: Bildmontage: Picture Point/Roger Petzsche, Wolfgang Rattay/Pool Reuters/AP/dpa

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