EM-Sensation! Ungarn ärgert Weltmeister Frankreich, Griezmann verhindert die Blamage

Budapest - Überraschend geführt, Weltmeister geärgert! Ungarn hat bei der Europameisterschaft gegen Frankreich ein sensationelles 1:1 (1:0)-Unentschieden erreicht, ist in der deutschen Gruppe F vorerst am DFB-Team vorbeigezogen und hat auch den frühzeitigen Achtelfinal-Einzug von Les Bleus verhindert.

Mit Böllern und Rauchbomben zogen ungarische Fans vor dem zweiten EM-Gruppenspiel gegen Frankreich zur Puskas Arena.
Mit Böllern und Rauchbomben zogen ungarische Fans vor dem zweiten EM-Gruppenspiel gegen Frankreich zur Puskas Arena.  © Zoltan Mathe/MTI/AP/dpa

In der mit 56.000 Zuschauern zu einem Großteil ausverkauften Puskas Arena traf Attila Fiola zur überraschenden 1:0-Führung für Ungarn (45.+2 Minute). Antoine Griezmann gelang nur noch der Ausgleich (1:1/66.).

Ungarns Trainer Marco Rossi tauschte nach dem 0:3 zum Auftakt gegen Portugal auf einer Position: Loïc Nego ersetzte Gergö Lovrencsics.

Rossis Kontrahent Didier Deschamps wechselte im Vergleich zum 1:0 gegen Deutschland ebenfalls nur einmal, brachte Lucas Digne für Lucas Hernandez vom FC Bayern München.

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Im lautstarken ungarischen Hauptstadtstadion sprangen zu Beginn des zweiten Turnierspiels zwar erst einmal keine Strafraumszenen heraus. Langweilig wurde es den Zehntausenden Fans bei über 30 Grad aber nicht.

Der amtierende Weltmeister mühte sich in sengender Hitze gegen eine erneut gut postierte Heimmannschaft, die zwar immer wieder in der gegnerischen Hälfte auftauchte, jedoch ebenso keinen Abschluss zustande brachte.

Nachdem Benjamin Pavard früh eine Gelbe Karte (10.) gezeigt bekommen hatte, war Ungarns Schlussmann Péter Gulácsi erstmals gefordert: Kylian Mbappé legte kurz vor dem Sechzehner rüber auf Karim Benzema, dessen Schuss er nach vorn abwehrte. Der RB-Leipzig-Profi konnte auch den Abstauber von Griezmann parieren, der aber ohnehin im Abseits stand (14.).

Pete The Wall! Ungarns Nationalkeeper Péter Gulácsi (r.) hielt in der 14. Minute erst gegen Karim Benzema und danach auch den Nachschuss von Antoine Griezmann (2.v.r.).
Pete The Wall! Ungarns Nationalkeeper Péter Gulácsi (r.) hielt in der 14. Minute erst gegen Karim Benzema und danach auch den Nachschuss von Antoine Griezmann (2.v.r.).  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Ungarns Startelf bei der EM gegen Frankreich

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Bei Kylian Mbappés (2.v.l.) Offensivaktionen konnte Ungarns Hintermannschaft um Willi Orban von RB Leipzig (r.) oft nur beeindruckt zuschauen.
Bei Kylian Mbappés (2.v.l.) Offensivaktionen konnte Ungarns Hintermannschaft um Willi Orban von RB Leipzig (r.) oft nur beeindruckt zuschauen.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Die Équipe Tricolore legte in der Folge immer weiter an Dominanz zu. Dignes Flanke von links fand im Zentrum zwar Mbappé, der aber freistehend aus Kurzdistanz nur Zentimeter am langen Pfosten vorbei köpfte (17.).

Deutlich geschwächt wurden die Magyaren Mitte der ersten Hälfte, als Angreifer Ádám Szalai vom 1. FSV Mainz 05 mit Kreislaufproblemen das Feld verlassen musste. Für ihn kam Nemanja Nikolics (24.).

Ungarn wurde anschließend komplett hinten reingedrückt. Die Franzosen wollten den vorzeitigen Achtelfinaleinzug sichern und hatten nun viele hochklassige Gelegenheiten dazu.

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Erst nahm Mbappé nach Flanke in die Box Willi Orban sowie Endre Botke aus und legte stark auf für Benzema, dessen Direktabnahme landete aber neben dem Gehäuse (31.).

Zwei Minuten später tanzte Mbappé sogar drei Verteidiger auf einmal aus und tunnelte beim Schuss RB Leipzigs Orban, verzog aber ebenfalls (33.).

Marco Rossis Ungarn hatten größte Probleme, den ersten Einschlag zu verhindern, sie hielten aber bis zum Kabinengang die Null. Und trafen sogar noch selbst! Aus dem Nichts tauchte Fiola vor Hugo Lloris Tor auf und schob die Kugel am Schlussmann vorbei zur 1:0-Halbzeitführung in die Maschen (45.+2). Die Puskas Arena explodierte!

Ausgelassener Jubel nach der überraschenden Führung durch Attila Fiola (r.).
Ausgelassener Jubel nach der überraschenden Führung durch Attila Fiola (r.).  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
Attila, wo bist Du? Der Torschütze rannte nach dem 1:0 an den Platz einer Reporterin und kickte ihren Tisch um, während er von den Fans gefeiert wurde.
Attila, wo bist Du? Der Torschütze rannte nach dem 1:0 an den Platz einer Reporterin und kickte ihren Tisch um, während er von den Fans gefeiert wurde.  © Laszlo Balogh/Pool AP/dpa

Frankreich drückt, schießt und trifft - aber nur einmal!

Antoine Griezmann (l.) gelang der überfällige Ausgleich für Frankreich.
Antoine Griezmann (l.) gelang der überfällige Ausgleich für Frankreich.  © Laszlo Balogh/Pool AP/dpa

Weltmeister Les Bleus stand in der zweiten Hälfte natürlich unter Druck, war weiter tonangebend, musste aber auch hinten immer wieder bei Gegenstößen hellwach sein.

Nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung machte Ousmane Dembélé auf sich aufmerksam: Der ehemalige Flügelflitzer Borussia Dortmunds ließ die Verteidiger mit einem Haken alt aussehen, knallte den Ball aber nur an den Pfosten (59.).

Eine ewig lang werdende Flanke läutete dann aber den überfälligen Ausgleich ein: Mbappé behauptete die Kugel im Sechzehner, legte quer vors Gehäuse, wo Orban klären wollte, damit jedoch unfreiwillig für Griezmann auflegte, der das Leder mühelos in den Kasten knallte - 1:1 (66.).

Anschließend war Gulácsi noch mehrere Male gefordert, entschärfte unter anderem gegen de weiter glücklosen Mbappé und Corentin Tolisso (82.).

Ungarn überstand die Schlussphase samt vierminütiger Nachspielzeit ohne weiteren Gegentreffer und sorgte mit dem Remis für eine der größten Sensationen der bisherigen EM-Endrunde.

Im abschließenden Gruppenspiel trifft Ungarn am Mittwoch (21 Uhr/ZDF & MagentaTV) auf Deutschland. Zeitgleich (MagentaTV) kämpfen Europameister Portugal und Weltmeister Frankreich im direkten Duell um die letzten Punkte.

Titelfoto: Bildmontage: Laszlo Balogh/Pool AP/dpa

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