Türkische EM-Blamage perfekt! Seferovic und Shaqiri lassen Schweiz hoffen

Baku (Aserbaidschan) - Was für eine Shaqiri-Show! Mit einem 3:1 (2:0)-Sieg im Gruppenspiel der Europameisterschaft 2020 hat die Schweiz die Türkei aus dem Turnier gekegelt. Die Nati selbst hofft nun als Dritter weiter auf das Achtelfinale.

Schweiz-Star Haris Seferovic (2.v.l.) bejubelt sein Tor zum 1:0 mit Granit Xhaka (l.), Ricardo Rodriguez (2.v.r.) und Remo Freuler (r.).
Schweiz-Star Haris Seferovic (2.v.l.) bejubelt sein Tor zum 1:0 mit Granit Xhaka (l.), Ricardo Rodriguez (2.v.r.) und Remo Freuler (r.).  © Naomi Baker/Getty Pool/dpa

Vor 16.000 Zuschauern im Olympiastadion Baku erzielte Haris Seferovic das 1:0 (6. Minute), ehe Xherdan Shaqiri auf 2:0 stellte (26.). Irfan Can Kahveci erzielte den zwischenzeitlichen 1:2-Anschlusstreffer (62.), Shaqiri traf zum 3:1 (68.).

Nach der 0:3-Pleite gegen Italien reagierte der Schweizer Trainer Vladimir Petkovic und veränderte seine Startelf auf zwei Positionen: Silvan Widmer sowie Eintracht-Frankfurt-Star Steven Zuber ersetzten Fabian Schär und Kevin Mbabu.

Türken-Coach Senol Günes tauschte nach der 0:2-Niederlage gegen Wales ebenfalls zweimal. Merih Demiral und Kahveci begannen anstelle von Kenan Karaman und Umut Meras (Muskelverletzung).

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Das Duell der zwei bisherigen EM-Enttäuschungen begann rasant. Vor allem die Türken waren im Vorwärtsgang bemüht und suchten den Abschluss.

Allerdings erhielt die Hoffnung der Türken, irgendwie noch ins Achtelfinale einzuziehen, schnell den ersten Dämpfer: Seferovic, der von Zuber bedient wurde, schloss aus 17 Metern und verwandelte die Kugel flach im rechten Eck zum 1:0 (6.).

Aufstellung der Schweiz bei der EM 2020 im Duell mit der Türkei

Startelf der Türkei im Duell mit der Schweiz bei der EM 2020

Xherdan Shaqiri macht das 2:0 für die Schweiz

Drei Spiele, drei Niederlagen: Mert Müldür würde sich am liebsten aufgrund der blamablen Team-Leistung dauerhaft verstecken.
Drei Spiele, drei Niederlagen: Mert Müldür würde sich am liebsten aufgrund der blamablen Team-Leistung dauerhaft verstecken.  © Ozan Kose/AFP Pool/dpa

Ein herber Rückschlag, von dem sich die Türken aber nicht verunsichern ließen. Sie warfen in der Offensive alles in die Waagschale und schossen aus allen Lagen. So wie Mert Müldür, der von der linken Strafraumgrenze aus die Pille absichtlich über den Spann rutschen ließ und diese somit mit richtig viel Drall in Richtung Schweizer Tor brachte.

Doch Sommer war im Kasten auf dem Posten und wehrte souverän zur Seite ab (16).

Während die Türkei im Vorwärtsgang wirklich mutig agierte, waren die Spieler im Gegenzug in der Defensive unglaublich schwach. Sie ließen den Schweizern viel zu viel Platz, wie auch in der 26. Minute: Shaqiri kam aus 18 Metern frei zum Schuss und schlenzte die Kugel oben links ins Eck zum 2:0!

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Kurze Zeit später hätte es noch schlimmer kommen können, als Shaqiri nach einem Seferovic-Pass alleine aufs Tor zulief. Dessen Schuss wehrte Keeper Ugurcan Cakir aber per Fuß ab (28.).

Trotz der Schweizer Überlegenheit probierte es die Günes-Elf weiter, blieb jedoch glücklos. Somit ging es mit dem 0:2 aus türkischer Sicht in die Kabine.

Irfan Can Kahveci mit dem Anschluss für die Türkei, dann zaubert wieder Xherdan Shaqiri

Was eine Kiste! Xherdan Shaqiri (M.) freut sich über sein Traumtor.
Was eine Kiste! Xherdan Shaqiri (M.) freut sich über sein Traumtor.  © Naomi Baker/Getty Pool/dpa

Zu Beginn der zweiten Hälfte erweckten die Türken den Eindruck, selbst nicht mehr an das Wunder zu glauben, während die Schweiz ein Feuerwerk abbrannte.

Breel Embolo von Borussia Mönchengladbach stürmte zunächst mutterseelenallein über die rechte Seite, zog nach innen und schloss ab, aber der türkische Schlussmann Cakir fischte die Kugel aus dem kurzen Eck (52.). Dann verfehlte erst Shaqiri das Tor aus kurzer Distanz (57.), bevor Seferovic am Türken-Keeper scheiterte (60.).

Anschließend zeigten die Türken ein Lebenszeichen: Can zog wie Arjen Robben in seinen besten Zeiten von rechts ins Zentrum und lupfte das Leder gekonnt zum 1:2-Anschluss ins Nati-Netz (62.).

Die Schweiz reagierte auf diesen Treffer aus dem Nichts mit mächtig Wut und fand die passende Antwort! Zuber konterte über die linke Seite und brachte von dort eine wunderschöne Bananenflanke auf Klopp-Star Shaqiri vom FC Liverpool, der den Ball aus kurzer Distanz mit viel Wucht über dem Kopf von Türken-Keeper Cakir zum 3:1 ins Netz drosch (68.).

Es war ein bis dahin wildes Spiel, das in der Schlussphase etwas an Spektakel verlor, sodass es beim 3:1 (2:0)-Sieg blieb. Damit muss sich die Türkei aus der Europameisterschaft 2020 verabschieden, während die Schweizer als Gruppen-Dritter aufs Achtelfinale hoffen dürfen.

Titelfoto: Naomi Baker/Getty Pool/dpa

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