Dänemark-Wunder, Achtelfinale! RB-Stürmer Poulsen trifft gegen Ex-Dynamo Tschertschessow

Kopenhagen - Achtelfinale auf den allerletzten Drücker! Dänemark hat im finalen Gruppenspiel der Europameisterschaft beim rasanten 4:1 (1:0) gegen Russland am Montagabend den ersten Sieg eingefahren und sensationell noch die K.o.-Phase erreicht. Die Osteuropäer flogen hingegen raus.

Voller Einsatz für den Erfolg! 26.000 - vor allem dänische - Zuschauer in Kopenhagen hofften vor dem Anpfiff auf den ersten Sieg von "Danish Dynamite".
Voller Einsatz für den Erfolg! 26.000 - vor allem dänische - Zuschauer in Kopenhagen hofften vor dem Anpfiff auf den ersten Sieg von "Danish Dynamite".  © Stuart Franklin/Pool Getty/AP/dpa

Vor 26.000 Zuschauern im Telia Parken trafen Mikkel Damsgaard (1:0/38. Minute), Yussuf Poulsen (2:0/59.), Andreas Christensen (3:1/80.) und Joakim Maehle (4:1/82.) für Dänemark, Artem Dzyuba verkürzte zwischenzeitlich (1:2/69./Foulelfmeter) für Russland.

Sbornaja-Trainer Stanislaw Tschertschessow brachte nach dem 1:0 gegen Finnland lediglich Fedor Kudryashov für Dmitri Barinov (Bank) neu auf den Rasen.

Dänemarks Coach Kasper Hjulmand veränderte seine Startaufstellung trotz der 1:2-Niederlage gegen Belgien gar nicht.

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Um überhaupt noch eine Chance aufs Achtelfinale zu haben, mussten die Skandinavier zwingend gegen die Mannschaft des Ex-Dynamo-Trainers gewinnen. Russland, das wussten sie, würde hingegen auch ein Remis reichen, wenn Belgien die Pflichtaufgabe Finnland mindestens Unentschieden gestaltet. Die erste kleine Schrecksekunde für "Danish Dynamite" gab es schon nach zweieinhalb Minuten: Daniel Wass blieb nach einem Zusammenstoß mit Dzyuba liegen, war aber schnell wieder auf den Beinen (3.).

Euphorisiert vom dritten Match vor den heimischen Fans und noch immer auch für Christian Eriksen kämpfend, legten die Rot-Weißen ordentlich los, ein Abschluss kam in der ersten Viertelstunde aber beidseitig nicht zustande.

Dänemarks Achtelfinal-Hoffnungen ruhten auch auf RB Leipzigs Stürmer Yussuf Poulsen.
Dänemarks Achtelfinal-Hoffnungen ruhten auch auf RB Leipzigs Stürmer Yussuf Poulsen.  © Jonathan Nackstrand/Pool AFP/AP/dpa

Startelf von Russland für das EM-Gruppenfinale gegen Dänemark

Dänemarks Mannschaftsaufstellung in der EM-Gruppe B gegen Russland

Aleksandr Golovin verpasst Russlands Führung - Pierre-Emile Höjbjerg mit Ah-Effekt daneben

Das 1:0 für Dänemark: Mikkel Damsgaard (r., weißes Trikot) legt das Leder wunderschön in den Winkel, Torhüter Matvey Safonov (l.) guckt nur hinterher.
Das 1:0 für Dänemark: Mikkel Damsgaard (r., weißes Trikot) legt das Leder wunderschön in den Winkel, Torhüter Matvey Safonov (l.) guckt nur hinterher.  © Stuart Franklin/Pool Getty/AP/dpa

Ein Konter war es, bei dem es beinahe geklingelt hätte: Aleksandr Golovin wurde zentral tief geschickt, hatte viel Platz und eigentlich die Möglichkeit, ganz trocken abzuschließen.

Doch die Offensivkraft der AS Monaco schlug noch einen Haken, nahm so zwar Pierre-Emile Höjbjerg aus dem Rennen, brachte aber gleichzeitig keinen platzierten Schuss zustande, sodass Kasper Schmeichel seinen Kasten sauberhalten konnte (18.).

Auf Strafraumszenen mussten die Kopenhagener Stadionbesucher insgesamt zu häufig verzichten. So war es wenig verwunderlich, dass ein Weitschuss hermusste, der aber auch für einen Ah-Effekt sorgte: Höjbjerg verschaffte sich 25 Meter vor dem Gehäuse gut Platz, hämmerte das Leder aber leicht abgefälscht daneben (29.).

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Russland wusste die Hausherren in den wichtigen Momenten vom Kasten ihres Matvey Safonov fernzuhalten, konnte selbst aber auch keine Nadelstiche nach vorn setzen.

Wild, hübsch und laut wurde es aber auch nochmal! Damsgaard packte kurz vor dem Sechzehner nach überlegtem Zuspiel den Löffel aus und legte den Ball wunderschön in den Winkel, Safonov konnte nur hinterherschauen - 1:0 für die Dänen (38.) durch den 20-Jährigen, was gleichzeitig der Halbzeitstand war!

Da entlädt sich gaaanz viel Druck: Damsgaard dreht nach seinem dritten Länderspieltor im fünften Match zum Jubeln ab.
Da entlädt sich gaaanz viel Druck: Damsgaard dreht nach seinem dritten Länderspieltor im fünften Match zum Jubeln ab.  © Jonathan Nackstrand/Pool AFP/dpa

Yussuf Poulsen nutzt unfassbaren Bock der Russen-Abwehr zum 2:0, Artem Dzyuba macht's spannend

Nicht zu fassen! Yussuf Poulsen (2.v.l.) nutzt einen kapitalen Bock von Roman Zobnin und schiebt gegen den geschlagenen Matvey Safonov (r.) zum 2:0 ein.
Nicht zu fassen! Yussuf Poulsen (2.v.l.) nutzt einen kapitalen Bock von Roman Zobnin und schiebt gegen den geschlagenen Matvey Safonov (r.) zum 2:0 ein.  © Martin Meissner/POOL AP/dpa

Die Sbornaja musste jetzt aktiv werden, denn durch den Rückstand war sie in der Blitztabelle auf den letzten Platz abgerutscht. Dänemark hingegen musste auf einen Belgien-Sieg hoffen, um als Zweiter direkt in die K.o.-Phase einzuziehen.

Es war der berühmte Gang auf Messers Schneide, sodass Hjulmands Truppe hier und da aufs zweite Tor ging, um die Chancen aufs Weiterkommen weiter zu erhöhen.

Die Dezibel-Zahl dürfte sich nach knapp einer Stunde aber überschlagen haben: Roman Zobnin passte viel zu kurz zurück auf seinen Keeper, der dann keine Chance mehr gegen den lauernden Poulsen hatte. Der RB-Leipzig-Angreifer schob locker ein - 2:0 (59.).

Den Dänen-Schock gab es dann in der 68. Minute: Schiedsrichter Clement Turpin (Frankreich) zeigte nach einem vermeintlichen Foul von Jannik Vestergaard gegen Aleksandr Sobolev auf den Punkt.

Dyzuba verwandelte sicher in die Mitte - 1:2 (70.).

EURO 2020: Andreas Christensen und Joakim Maehle machen für Dänemark alles klar

Mit seinem 2:0 leitete Yussuf Poulsen den Sieg für sein Land ein.
Mit seinem 2:0 leitete Yussuf Poulsen den Sieg für sein Land ein.  © Hannah Mckay/Reuters Pool/AP/dpa

Immerhin gab es aus St. Petersburg Top-News: Ein Eigentor von Lukas Hradecky brachte Belgien in Front, wodurch "Danish Dynamite" an Finnland vorbei auf den zweiten Platz sprang.

Und es wurde immer besser: Russland brachte das Leder hinten nicht raus, letztlich hämmerte Christensen das Ding mit einem - sorry - geilen Schuss aus der Distanz zum 3:1 ins Netz (80.).

Aber das war's noch nicht: Kopenhagen explodierte, als Maehle bei einem Konter nach Höjbjerg-Vorlage auch noch das 4:1 ins kurze Eck nachlegte (82.).

Das Dänemark-Wunder war perfekt, als Belgien auf 2:0 erhöhte und zusammen mit den Skandinaviern ins Achtelfinale einzog. Ein kleines Fußball-Märchen, vor allem mit dem Drama um Eriksen im Hinterkopf.

Als Gruppenzweiter trifft Dänemark jetzt im Achtelfinale am Samstag (18 Uhr) auf Wales. Die Sbornaja ist dagegen ganz ausgeschieden.

Zehn Minuten vor Schluss, das vorentscheidende 3:1 für Dänemark: Andreas Christensen brüllt sich das Herz aus dem Leib.
Zehn Minuten vor Schluss, das vorentscheidende 3:1 für Dänemark: Andreas Christensen brüllt sich das Herz aus dem Leib.  © Stuart Franklin/Pool Getty/AP/dpa
Sie können es wohl selbst kaum glauben: Mit dem ersten Punktgewinn bei der EM schaffte Deutschlands Nachbar den umjubelten Sprung ins Achtelfinale.
Sie können es wohl selbst kaum glauben: Mit dem ersten Punktgewinn bei der EM schaffte Deutschlands Nachbar den umjubelten Sprung ins Achtelfinale.  © Martin Meissner/POOL AP/dpa

Titelfoto: Bildmontage: Stuart Franklin/Pool Getty/AP/dpa, Hannah Mckay/Reuters Pool/AP/dpa

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