Gulacsi und Orban lassen Cristiano Ronaldo lange verzweifeln! Ungarn verliert dennoch klar

Budapest - Ungarn hat die nächste kleine Sensation bei der Europameisterschaft 2020 verpasst. Der Underdog ließ mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung Portugal lange Zeit verzweifeln. Der Titelverteidiger schnappte sich dann aber doch noch den Auftaktsieg, gewann letztlich hoch, aber glücklich mit 3:0 (0:0).

Ungewohntes, aber tolles Bild: Beste Stimmung unter portugiesischen Fans in der mit über 67.155 Zuschauern ausverkauften Puskas-Arena in Budapest.
Ungewohntes, aber tolles Bild: Beste Stimmung unter portugiesischen Fans in der mit über 67.155 Zuschauern ausverkauften Puskas-Arena in Budapest.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Raphael Guerreiro erzielte in der mit 67.155 Zuschauern ausverkauften Puskas Arena das 1:0 für Portugal (84. Minute), Cristiano Ronaldo (87./FE und 90.+2) legte noch das 2:0 sowie 3:0 nach.

Bei den ungarischen Außenseitern standen mit Peter Gulacsi, Willi Orban (beide RB Leipzig), Adam Szalai (1. FSV Mainz 05) und dem Freiburger Roland Sallai vier Bundesliga-Profis in der Startelf von Coach Marco Rossi.

Der amtierende Titelträger hingegen begann natürlich mit Nationalheld Ronaldo, aber auch Bernardo Silva - Meister mit Manchester City - und Borussia Dortmunds Guerreiro waren von Anfang an dabei.

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Im lautstarken Budapester Hexenkessel verbuchten die Südeuropäer die erste dicke Chance: Über den rechten Flügel stürmte Silva nach vorn, legte in die Mitte auf für Diogo Jota.

Der Liverpool-Akteur blieb an Orban hängen, der die Situation aber unfreiwillig wieder spannend machte. Doch Jota scheiterte letztlich am stark zur Ecke klärenden Gulacsi (5.).

Die Partie war durchaus ein Abbild des Gruppe-E-Matches Spanien-Schweden vom gestrigen Montag: Der Favorit rannte fast unermüdlich an, der Underdog hielt im Defensivverbund gut dagegen.

Die Mannschaftsaufstellung von Ungarn bei der EURO 2020 gegen Portugal

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EM 2020: Ungarns Abwehr treibt Portugal in den Wahnsinn - Cristiano Ronaldo scheitert mit Kopf und Fuß

Steht in der Luft, köpfte aber daneben: Portugals Superstar Cristiano Ronaldo (r.), mit Einsätzen bei fünf Europameisterschaften jetzt Rekordhalter.
Steht in der Luft, köpfte aber daneben: Portugals Superstar Cristiano Ronaldo (r.), mit Einsätzen bei fünf Europameisterschaften jetzt Rekordhalter.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Fernando Santos' Mannen sahen sich bei jedem Vorstoß defensivstarken Ungarn gegenüber, die für jede geklärte Chance frenetischen Jubel erfuhren.

Nach vorn ging beim amtierenden Europameister erst nach knapp 20 Minuten wieder etwas: Verteidiger Pepe schlug auf Verdacht einen langen Ball aus der eigenen Hälfte hinter die Abwehrkette, wo Ronaldo per Direktabnahme aus zehn Metern an Gulacsi scheiterte (19.). Wäre aber Abseits gewesen.

Nicht nur Gulacsi, sondern auch der zweite Wahl-Sachse machte bis hierhin eine Top-Figur. Orban klärte in höchster Not als letzter Mann mit einer Grätsche gegen Silva, den er dabei im Sechzehner mit zu Boden rang (26.).

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In der 30. Minute stand Ronaldo - mit seiner fünften EM-Teilnahme jetzt alleiniger Rekordhalter - nach Silva-Flanke in der Box in der Luft, köpfte aber vorbei (30.).

Die Begegnung wurde mit fortschreitender Dauer deutlich ausgeglichener, sodass auch die Magyaren mal zum Zug kamen. Aber der Mainzer Szalai köpfte nach Freistoß zu zentral, sodass Rui Patricio den ersten Torabschluss sicher festhalten konnte (37.).

Vor dem Seitenwechsel musste sich Gulacsi noch einmal auszeichnen. Wieder lief es bei Portugal über rechts, diesmal konnte Jota den Schlussmann nicht überwinden (40.). Und der sträflich alleingelassene CR7 setzte noch eine scharfe Vorlage über die Querlatte - das war Glück für Ungarn (43.).

Ungarns Torhüter Peter Gulacsi (hinten) trieb Ronaldo & Co. mit bärenstarken Paraden zur Weißglut.
Ungarns Torhüter Peter Gulacsi (hinten) trieb Ronaldo & Co. mit bärenstarken Paraden zur Weißglut.  © Laszlo Balogh/AP-Pool/dpa

EURO 2020: Ungarns Treffer durch Szabolcs Schön zählt nicht, Portugal mit drei späten Toren

Lange Zeit am Verzweifeln, dann aber mit dem Doppelpack: Cristiano Ronaldo.
Lange Zeit am Verzweifeln, dann aber mit dem Doppelpack: Cristiano Ronaldo.  © Bernadett Szabo/Reuters-Pool/AP/dpa

Ungarn mauerte auch im zweiten Durchgang weiter und zementierte den eigenen Kasten nahezu ein. Und wenn dann doch mal einer durchrutschte - wie bei Pepes Kopfball in der 47. Minute - konnten sich die Gastgeber auf ihren Leipziger im Tor verlassen.

Die Partie blieb weiter hochintensiv und körperbetont, auch weil die Puskas-Arena einen mehr und mehr ideenlosen Titelverteidiger sah und die Geräuschkulisse immer weiter steigerte.

So kam Ungarn zur nächsten Chance, doch Sallais Direktabnahme landete zu unplatziert am Ziel (57.).

Den Portugiesen ging offensichtlich mit fortlaufender Spieldauer mehr und mehr die Puste aus, Vollgas-Fußball war das in der zweiten Hälfte ganz eindeutig nicht mehr.

Die Hausherren spürten, dass sogar noch mehr drin war. Und sie kamen auch noch zu einer gefährlichen Torraumszene! Der eingewechselte Szabolcs Schön wurde rechts bedient, preschte in den Sechzehner und erzielte das vermeintliche 1:0. Doch der Linienrichter zeigte sofort (richtig) an: Abseits (80.).

Gulacsi musste aber doch noch mehrfach den Ball aus dem Netz holen: Eine abgefälschte Flanke landete bei Guerreiro, dessen Direktabnahme auch noch von Orban entscheidend abgelenkt wurde - unhaltbar zum 1:0 für Portugal (84.).

Nur zwei Minuten später war der Drops gelutscht: Orban verschuldete gegen Joker Rafa Silva einen Elfmeter, den Ronaldo versenkte - 2:0 (87.). Und dem Superstar sollte in der Nachspielzeit auch noch das 3:0 gelingen - der Endstand (90.+2).

Portugal ist am Samstag (18 Uhr/ARD & MagentaTV) gegen Deutschland gefordert. Ungarn empfängt drei Stunden zuvor (ARD & MagentaTV) Weltmeister Frankreich.

Der 3:0-Schlusspunkt: Ronaldo schiebt die Kugel vorbei an Gulacsi.
Der 3:0-Schlusspunkt: Ronaldo schiebt die Kugel vorbei an Gulacsi.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
RB Leipzigs Willi Orban (M.) war lange Zeit der Garant, dass Portugal kein Tor erzielen konnte. Letztlich wurde er zum tragischen Unglücksraben.
RB Leipzigs Willi Orban (M.) war lange Zeit der Garant, dass Portugal kein Tor erzielen konnte. Letztlich wurde er zum tragischen Unglücksraben.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Titelfoto: Bildmontage: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa, Bernadett Szabo/Reuters-Pool/AP/dpa

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