Forsberg schlägt Lewandowski! Schweden dank Mini-Rekord Gruppensieger, Polen raus

St. Petersburg (Russland) - Die letzten Würfel in der Gruppe E sind gefallen! Schweden hat bei der Europameisterschaft im abschließenden Vorrundenspiel Polen mit 3:2 (1:0) geschlagen und sich den ersten Platz gesichert. Die Osteuropäer hingegen sind mit insgesamt nur einem Zähler ausgeschieden.

Beste und zuversichtliche Stimmung bei den polnischen Fans vor dem letzten EM-Gruppenspiel gegen die bereits fürs Achtelfinale qualifizierten Schweden.
Beste und zuversichtliche Stimmung bei den polnischen Fans vor dem letzten EM-Gruppenspiel gegen die bereits fürs Achtelfinale qualifizierten Schweden.  © Kirill Kudryavtsev/AFP Pool/AP/dpa

Emil Forsberg traf in der Gazprom Arena schon in der 2. Minute zum 1:0 für Schweden und legte auch das 2:0 (59. Minute) nach. Robert Lewandowski (61./84.) gelang zwar ebenfalls per Doppelpack noch der Ausgleich, Viktor Claesson erzielte aber den 3:2-Siegtreffer für Schweden (90.+4).

Schwedens Coach Janne Andersson wechselte nach dem 1:0 gegen die Slowakei und dem bereits sicheren Erreichen des Achtelfinales einmal: Robin Quaison begann im Sturm für Marcus Berg (nicht im Kader).

Im Vergleich zum überraschenden 1:1 gegen Spanien veränderte Paulo Sousa seine polnische Startelf ebenfalls auf einer Position: Grzegorz Krychowiak ersetzte nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre Jakub Moder (nicht im Kader).

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Schweden war in den ersten beiden Gruppenspielen ohne Gegentor geblieben. Das musste Polen ändern, denn die Osteuropäer brauchten einen Sieg, um weiterzukommen.

Doch es waren die "Tre Kronor", die in Person von Forsberg umgehend netzten: Über rechts wurde der Ball flott nach vorn getrieben, Alexander Isak kam nicht durch, die Abwehr brachte die Kugel aber nicht hinten raus, sodass sie RB Leipzigs Angreifer in den Strafraum mitnehmen und trocken flach ins lange Eck versenken konnte - 1:0 für Schweden (2.).

"Bialo-czerwoni", also die Weiß-Roten, standen schon nach 83 Sekunden mit dem Rücken zur Wand und benötigten zwingend zwei Treffer. Forsberg hingegen durfte sich über das zweitschnellste Tor einer EM-Endrunde freuen - und knackte den Rekord seines Leipziger Kollegen Yussuf Poulsen, der beim 1:2 gegen Belgien sechs Tage zuvor 99 Sekunden benötigte.

RB Leipzigs Emil Forsberg erzielte für Schweden nach 83 Sekunden das zweitschnellste Tor bei einer EM-Endrunde, knackte diesen Rekord seines RB-Kollegen Yussuf Poulsen (Dänemark) nach nur sechs Tagen.
RB Leipzigs Emil Forsberg erzielte für Schweden nach 83 Sekunden das zweitschnellste Tor bei einer EM-Endrunde, knackte diesen Rekord seines RB-Kollegen Yussuf Poulsen (Dänemark) nach nur sechs Tagen.  © Kirill Kudryavtsev/AFP Pool/AP/dpa

Schwedens Mannschaftsaufstellung im abschließenden EM-Gruppenspiel gegen Polen

Die Startelf von Polen im EM-Gruppenfinale gegen Schweden

EURO 2020: Robert Lewandowski köpft zweimal an die Latte, auch Piotr Zielinski verpasst Ausgleich

Doppelter Lattenkracher! Robert Lewandowski (2.v.l.) köpfte nach einer Ecke gleich zweimal nur ans Aluminium.
Doppelter Lattenkracher! Robert Lewandowski (2.v.l.) köpfte nach einer Ecke gleich zweimal nur ans Aluminium.  © Igor Russak/dpa

Chancen waren insgesamt Mangelware in Sankt Petersburg. Doch nach 17 Minuten lag der Ausgleich gleich zweimal in der Luft.

Lewandowski köpfte nach einer Ecke zweimal aus kürzester Entfernung an die Latte, nach dem zweiten Versuch kullerte das Spielgerät auch noch durch die Beine des an der Torlinie einschussbereit wartenden Krychowiak, um danach entschärft zu werden (17.).

Polen ließ sich weder von dem schnellen Rückstand noch von der verpassten Doppelchance seines Weltfußballers entmutigen, war offensiv präsent, blieb aber durch die Mitte, über die Flügel und auch bei Standards glücklos.

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Immer wieder suchte das ins Hintertreffen geratene und erst einen Punkt auf der Habenseite zählende Gruppenschlusslicht seinen herausragenden Stürmer, fand Lewandowski aber zu selten, blieb stattdessen zu oft an dem teilweise mit neun Mann verteidigenden Gegner hängen.

Zum Ende des ersten Durchgangs hin hatte sich ein einseitiges, wenn auch qualitativ kaum hochwertiges Match in eine Richtung entwickelt.

Richtig spannend wurde es aber kurz vor dem Kabinengang noch einmal: Piotr Zielinski nutzte eine Lücke aus 18 Metern einfach mal, zog aber zu unplatziert ab, zwang Torhüter Robin Olsen dennoch zu einer starken Tat (45.+1).

Glücklos im ersten Durchgang: FC Bayern Münchens Weltfußballer Robert Lewandowski.
Glücklos im ersten Durchgang: FC Bayern Münchens Weltfußballer Robert Lewandowski.  © Igor Russak/dpa

EM 2020: Polen fehlt das Abschlussglück - Emil Forsberg erhöht, Robert Lewandowski sorgt für Spannung

Beim Public Viewing in Warschau fieberten polnische Fans mit ihrer Mannschaft.
Beim Public Viewing in Warschau fieberten polnische Fans mit ihrer Mannschaft.  © Pawel Supernak/PAP/dpa

Polens Nationaltrainer Paulo Sousa schien in der Halbzeit die richtigen Worte gefunden zu haben, anders war der Sturmlauf nach Wiederbeginn nicht zu erklären.

Schon in der 47. Minute fand Zielinski wieder seinen Meister in Olsen, später packte Platzverweis-Rückkehrer Krychowiak einen schönen Hammer aus, bei seinem platzierten Flachschuss war Torhüter Olsen aber rechtzeitig in der Ecke (52.).

Zwischenzeitlich hätten aber auch die "Drei Kronen" erhöhen können: Isak drang in die Box ein, zog nach innen und verschaffte sich so eine gute Schussposition, doch Keeper Wojciech Szczesny blockte den Versuch ab. Forsbergs Nachschuss blieb in der Abwehr hängen (50.).

Keine zehn Zeigerumdrehungen später war der gelb-blaue Bann aber zum zweiten Mal gebrochen: Der kurz zuvor eingewechselte Dejan Kulusevski hatte Platz auf dem rechten Flügel, sprintete in die gefährliche Zone und hatte dann noch den Blick für Forsberg, der per Direktabnahme das 2:0 besorgte (59.).

Aber dann schlugen die Rot-Weißen zu! Lewandowski wurde lang geschickt, Victor Lindelöf und Mikael Lustig fanden keinen Zugriff, der Münchner legte das Leder wunderbar ins lange obere Eck - nur noch 1:2 aus Sicht der Polen (61.).

Ausgleich von Jakub Swierczok zählt nicht, der von Robert Lewandowski schon - Viktor Claesson mit Siegtor zum Gruppensieg!

Emil Forsberg (l.) traf nach knapp einer Stunde zum 2:0 für Schweden.
Emil Forsberg (l.) traf nach knapp einer Stunde zum 2:0 für Schweden.  © Kirill Kudryavtsev/AFP Pool/AP/dpa

Auch auf der Seite des jetzt auf den Ausgleich schielenden Teams konnte ein Joker für Aufsehen sorgen: Jakub Swierczok drückte einen Querball über die Linie, stand aber deutlich im Abseits (65.).

Weil im Parallelspiel Spanien 5:0 gegen die Slowakei führte, wäre Schweden beim Kassieren des mittlerweile nicht unwahrscheinlichen 2:2 nur noch als Zweiter im Achtelfinale gestanden.

Die gute Nachricht war, dass die K.o.-Phase definitiv gesichert war.

Die schlechten News kamen aber noch: Polen steigerte sich immer weiter, spulte Angriff um Angriff ab - und belohnte sich! Der eingewechselte Przemyslaw Frankowski schlug eine Flanke vor den Kasten, wo Lewandowski freistehend den Ball runternehmen und zum 2:2 einschieben konnte (84.). Was war hier los?

Es war auch bis in die fünfminütige Nachspielzeit eine mittlerweile komplett offene Begegnung, die noch in beide Richtungen hätte ausschlagen können.

Claesson schlug nach Kulusevski-Vorlage aber doch noch in den polnischen Sturmlauf, erzielte ganz spät den 3:2-Siegtreffer - der Gruppensieg war perfekt (90.+4)!

Bayerns Superstar Robert Lewandowski schnürte ebenso wie Forsberg einen Doppelpack - konnte Polens Pleite aber nicht verhindern.
Bayerns Superstar Robert Lewandowski schnürte ebenso wie Forsberg einen Doppelpack - konnte Polens Pleite aber nicht verhindern.  © Maxim Shemetov/Pool Reuters/AP/dpa
Schwedens Jubeltraube nach dem Last-Minute-Treffer von Viktor Claesson (M. hinten).
Schwedens Jubeltraube nach dem Last-Minute-Treffer von Viktor Claesson (M. hinten).  © Igor Russak/dpa

Während die EM für Polen gelaufen ist, trifft Schweden im Achtelfinale am Dienstag (21 Uhr) auf einen Dritten der Gruppe B oder C - also Finnland oder Ukraine.

Titelfoto: Bildmontage: Igor Russak/dpa, Kirill Kudryavtsev/AFP Pool/AP/dpa

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