Finnlands Abwehrschlacht bleibt ohne Belohnung! Belgien knackt die Uhus

St. Petersburg - Die große Abwehrschlacht der Uhus blieb ohne Belohnung! Belgien hat Finnland am 3. Gruppenspieltag der Europameisterschaft 2020 nach ganz hartem Kampf mit 2:0 (0:0) niedergerungen. Damit sind die Red Devils als überlegener Erster weiter, während der Gegner Dritter ist und noch ein wenig Resthoffnung hat - sofern es (viel) Schützenhilfe gibt.

Der pfeilschnelle und dribbelstarke belgische Youngster Jeremy Doku sorgte mit seinen Aktionen für einige kleine Highlights, agierte andererseits aber noch ein wenig überhastet.
Der pfeilschnelle und dribbelstarke belgische Youngster Jeremy Doku sorgte mit seinen Aktionen für einige kleine Highlights, agierte andererseits aber noch ein wenig überhastet.  © dpa/Igor Russak

Die belgischen Tore in der Gazprom Arena erzielten Lukas Hradecky zum 1:0 (74. Minute/Eigentor) und Romelu Lukaku zum 2:0 (81.).

Finnlands Coach Markku Kanerva nahm nach der 0:1-Niederlage gegen Russland nur einen Wechsel vor: Der frühere Profi der SpVgg Greuther Fürth, Tim Sparv, ersetzte Rasmus Schüller.

Belgiens Roberto Martinez warf nach dem 2:1-Sieg gegen Dänemark und dem damit feststehenden Achtelfinaleinzug hingegen die Rotationsmaschine an und nahm gleich acht Veränderungen vor: Vermaelen, Dedryck Boyata, Axel Witsel, Kevin De Bruyne, Eden Hazard, Nacer Chadli, Leandro Trossard und Jeremy Doku spielten für Jan Vertonghen, Thomas Meunier, Leander Dendoncker, Youri Tielemans, Yannick Carrasco, Dries Mertens (alle Bank), Toby Alderweireld und Thorgan Hazard (beide nicht im Kader).

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Die neuformierten Red Devils übernahmen zu Beginn das Zepter und drängten die Uhus in die Defensive. Chancen blieben jedoch Mangelware, weil die Finnen sehr gut standen und die Belgier das Abwehrbollwerk nicht knacken konnten.

Ein Beinahe-Eigentor von Paulus Arajuuri nach einer missglückten Klärungsaktion im Anschluss an eine Flanke von De Bruyne (22.) und ein Schüsschen von Witsel (23.) waren die ersten Annäherungen. Doch beide Male war Bayer 04 Leverkusens Nummer eins, Hradecky, zur Stelle.

Finnlands Startelf für das EM-Gruppenfinale gegen Belgien

Belgiens Anfangsformation für das EM-Gruppenfinale gegen Finnland

Belgien rennt (planlos) weiter gegen das finnische Abwehrbollwerk an, kommt aber nicht durch!

Der belgische Sturmbulle Romelu Lukaku durfte nach einem Abseitstor auch einen Treffer bejubeln, der zählte.
Der belgische Sturmbulle Romelu Lukaku durfte nach einem Abseitstor auch einen Treffer bejubeln, der zählte.  © dpa/Igor Russak

Ihrerseits bekam Suomi das gefährliche Sturmduo Joel Pohjanpalo und Teemu Pukki allerdings überhaupt nicht eingesetzt. Stattdessen hatte Lukaku eine Kopfballmöglichkeit, doch erneut packte Hradecky sicher zu (37.).

Fünf Minuten später tauchte er dann noch bei einem Schlenzer des auffälligen Doku ab und parierte klasse!

Davon abgesehen spielten die Belgier schlichtweg zu langsam, um die konzentriert agierenden Uhus auszuhebeln, weshalb es zur Pause dieser wenig mitreißenden Partie beim torlosen Remis blieb.

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In der zweiten Halbzeit blieb das Bild bis auf kurze und wirkungslose Angriffsversuche des Underdogs dasselbe. Belgien rannte an, Finnland lieferte einen beherzten Kampf und warf alles in die Abwehrschlacht hinein.

Vor allem Hradecky rückte vermehrt in den Fokus, musste bei einem Schuss von Hazard zupacken (58.) und wehrte auch dessen nächsten Versuch bravourös ab (63.).

Auf der anderen Seite hatte Finnland in der 61. Minute (!) den ersten Abschluss. Nach Vorlage von Pukki und Pohjanpalo parierte Thibaut Courtois den leicht abgefälschten Schuss von Glen Kamara allerdings problemlos.

Lukas Hradeckys Eigentor und Romelu Lukaku erlösen Belgien gegen Finnland

Große Erleichterung bei den Red Devils: Thomas Vermaelen (2.v.l.) köpft zum 1:0 für Belgien ein, der Treffer wurde aber als Eigentor von Lukas Hradecky (2.v.r.) gewertet.
Große Erleichterung bei den Red Devils: Thomas Vermaelen (2.v.l.) köpft zum 1:0 für Belgien ein, der Treffer wurde aber als Eigentor von Lukas Hradecky (2.v.r.) gewertet.  © dpa/Igor Russak
Belgien bejubelte mit den Fans nicht nur das Weiterkommen, sondern drei Siege in drei Spielen bei 7:1 Toren und damit Platz eins.
Belgien bejubelte mit den Fans nicht nur das Weiterkommen, sondern drei Siege in drei Spielen bei 7:1 Toren und damit Platz eins.  © dpa/Igor Russak

Wenig später war das Bollwerk dann geknackt. Jere Uronen verlor den Ball tief in der gegnerischen Hälfte, die aufgerückten Finnen kamen nicht mehr schnell genug hinterher, Trossard bediente De Bruyne, der Lukaku mit einem perfekten Pass freispielte. Der Sturmtank behielt wenige Meter vor Hradecky die Ruhe und schob zum 1:0 ein (65.) - doch der Treffer zählte nicht!

Der deutsche Schiedsrichter Felix Brych und das VAR-Team hatten eine hauchzarte Abseitsstellung ausgemacht, die linke Fußspitze war zu weit vorne! Es blieb daher vorerst weiter beim 0:0 (67.).

Aber nicht lange. Denn die Kräfte der Uhus schwanden immer mehr und so waren sie bei einer Ecke nicht mehr auf der Höhe. De Bruyne brachte sie von der linken Seite mit viel Schnitt in die Mitte, wo Vermaelen per Aufsetzer an den rechten Pfosten köpfte, von Hradecky sprang das Leder knapp hinter die Linie in den Kasten, ehe der Schlussmann klären konnte - 1:0 für Belgien (74.)!

Nun suchten die Finnen, die zu diesem Zeitpunkt auf Rang vier abgerutscht waren, die Offensive. Doch Robin Lods Schlenzer ging einen halben Meter drüber (79.), dann fiel die Entscheidung: De Bruyne bediente Lukaku, der sich unnachahmlich um Daniel O'Shaughnessy drehte und wuchtig in die rechte untere Ecke abschloss - 2:0 für den haushohen Favoriten (81.)!

Die Begegnung war damit endgültig entschieden, Suomi war stehend K.o. und Belgien brachte den Vorsprung sicher über die Zeit. Die Red Devils treten im Achtelfinale am Sonntag (21 Uhr) gegen einen Dritten an.

Titelfoto: dpa/Igor Russak

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