Ösi-Drama! Österreichs Bundesliga-Stars liefern Italien Mega-Kampf, fliegen aber raus

London - Was für ein Nervenkitzel! Österreich verlangte Italien bei der Europameisterschaft 2020 in einem hochspannenden Achtelfinale alles ab, verlor nach Verlängerung aber trotz ganz großem Kampf unglücklich mit 1:2 (0:2/0:0/0:0).

Österreichs Keeper Daniel Bachmann zeigte eine starke Leistung und spornte seine Vorderleute damit zusätzlich an.
Österreichs Keeper Daniel Bachmann zeigte eine starke Leistung und spornte seine Vorderleute damit zusätzlich an.  © dpa/Justin Tallis/AFP Pool/AP

Die Tore vor rund 19.000 Zuschauern im Wembley Stadion erzielten Federico Chiesa zum 1:0 (95. Minute) und Matteo Pessina zum 2:0 für die Squadra Azzurra (105.), ehe es Sasa Kalajdzic mit seinem Treffer zum 1:2 für die Ösis nochmal spannend machte (114.).

Italiens Trainer Roberto Mancini nahm nach dem 1:0-Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Wales sieben Wechsel vor. Giovanni Di Lorenzo, Francesco Acerbi, Leonardo Spinazzola, Nicolo Barella, Domenico Berardi, Lorenzo Insigne und Ciro Immobile ersetzten Rafael Toloi, Alessandro Bastoni, Emerson, Federico Bernadeschi, Matteo Pessina, Federico Chiesa und Andrea Belotti (alle Bank).

Österreichs Coach Franco Foda setzte hingegen auf dasselbe Team, das die Ukraine mit 1:0 besiegt hatte. Und das demonstrierte Selbstvertrauen, spielte munter mit, stand darüber hinaus defensiv sehr sicher.

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Die Mannschaft, in der zehn von elf Profis in der deutschen Bundesliga aktiv sind bzw. waren, forderte den Favoriten zu Beginn ordentlich. Die erste Chance hatte jedoch die Squadra Azzurra, nachdem Marcel Sabitzer am eigenen Strafraum einen Ball verlor und Spinazzola abzog, aber einen Meter am kurzen Eck vorbeizielte (11.).

Kurz danach prüfte Insigne mit Daniel Bachmann den einzigen Mann der Alpenregion, der nie in Deutschland aktiv war, doch der Torhüter packte sicher zu (14.). Wenig später stellte der Keeper vom englischen Premier-League-Aufsteiger FC Watford seine Fähigkeiten erstmals richtig unter Beweis. Spinazzola legte von links flach an die 16-Meter-Linie zurück, wo Barella den Ball mit dem rechten Außenrist direkt nahm, aber an Bachmanns reaktionsschneller Fußabwehr scheiterte (17.).

Italiens Startelf für das EM-Achtelfinale gegen Österreich

Österreichs Anfangsformation für das EM-Achtelfinale gegen Italien

Ciro Immobiles Kunstschuss für Italien landet an Österreichs Dreiangel!

Nicht zu fassen! Ex-BVB-Stürmer Ciro Immobile scheiterte mit seinem satten Distanzschuss am linken Kreuzeck.
Nicht zu fassen! Ex-BVB-Stürmer Ciro Immobile scheiterte mit seinem satten Distanzschuss am linken Kreuzeck.  © dpa/Ben Stansall/Pool AFP/AP

Nur eine Minute später setzte sich auf der anderen Seite Marko Arnautovic mit seinem bulligen Körper durch, jagte die Kugel allerdings über das Gehäuse. Trotzdem nahm der Druck auf Österreich nun vermehrt zu. Italien rannte mit Tempo, Wucht, spielerischer Klasse und Leichtigkeit an, presste tief in der gegnerischen Hälfte und ließ Fodas Mannen so keine Luft zum Atmen.

Es sprach für die Stärke der Kicker der Alpenregion, dass sie die brenzligen Situationen in dieser Phase immer noch irgendwie bereinigt bekam.

Wie brandgefährlich die Azzurri sind, zeigte Immobile dann in der nächsten Szene. Der Torjäger fasste sich nahezu ansatzlos aus 25 Metern ein Herz, traf das Leder satt - und jagte es ans linke Kreuzeck, von wo es neben das Gehäuse ins Aus sprang (32.). Was für ein Pech!

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Anschließend war es der erneut sehr auffällige Spinazzola, der Bachmann mit seinem platzierten, aber zu langsamen Schuss prüfte und zur nächsten Rettungstat zwang (42.).

Italien fand die entscheidende Lücke in der dicht gestaffelten und hochkonzentrierten Ösi-Verteidigung auch weiterhin nicht, weshalb es zur Pause beim torlosen Remis blieb.

Österreich dreht gegen Italien auf, Tor von Marko Arnautovic zählt wegen Abseits nicht

Das einzige Tor in der regulären Spielzeit: Dieser Kopfballtreffer von Marko Arnautovic (r.) zählte wegen einer denkbar knappen Abseitsstellung nicht.
Das einzige Tor in der regulären Spielzeit: Dieser Kopfballtreffer von Marko Arnautovic (r.) zählte wegen einer denkbar knappen Abseitsstellung nicht.  © dpa/Catherine Ivill/GETTY POOL/AP

Im zweiten Durchgang beging Di Lorenzo kurz vor dem Strafraum ein Foul, doch Alaba schlenzte den folgenden Freistoß aus etwas mehr als 16 Metern hauchzart über den Kasten (52.). Die Squadra Azzurra war nun etwas nervöser, weil Österreich weiter nach vorne schob und mehr für die Offensive tat.

Gleichzeitig hielt die Defensive um die Bundesliga-Abwehrkanten Aleksandar Dragovic (Bayer 04 Leverkusen) und Martin Hinteregger (Eintracht Frankfurt) weiter stand und zermürbte die Italiener ein wenig.

Auf der anderen Seite fasste sich RB Leipzigs Kapitän Marcel Sabitzer ein Herz, aber Leonardo Bonucci fälschte den Ball zur Ecke ab (62.). Im Anschluss an diese parierte Gianluigi Donnarumma einen zu laschen Versuch von Arnautovic (63.).

Dann war es vermeintlich geschehen: Stefan Lainer chippte die Kugel aus dem rechten Halbfeld in die Mitte, wo David Alaba hochstieg, sich gegen Di Lorenzo durchsetzte, per Kopf quer für Arnautovic legte - und der Sturmbulle nickte mithilfe der Latte ins Tor ein (65.)! Doch der Treffer zählte nach VAR-Überprüfung wegen einer knappen Abseitsstellung nicht (67.).

Die Azzurri wirkten mittlerweile ratlos und hatten größer werdende Probleme mit dem bissigen, wehrhaften und individuell gut besetzten Gegner, der als echte Einheit agierte. Mehr als zwei harmlose Abschlüsse sprangen so nicht heraus. Erst in der Schlussphase der regulären Spielzeit kamen die Italiener nochmal auf, erneut fehlte die Durchschlagskraft, weshalb es in die Verlängerung ging.

Federico Chiesa und Matteo Pessina treffen für Italien, Sasa Kalajdzic für Österreich!

Das 2:0 für die Squadra Azzurra: Matteo Pessina (2.v.l.) lässt Martin Hinteregger (3.v.l.) stehen und überwindet Daniel Bachmann (l.) mit einem wuchtigen Schuss in die lange Ecke.
Das 2:0 für die Squadra Azzurra: Matteo Pessina (2.v.l.) lässt Martin Hinteregger (3.v.l.) stehen und überwindet Daniel Bachmann (l.) mit einem wuchtigen Schuss in die lange Ecke.  © dpa/Justin Tallis/AFP Pool/AP
Am Ende jubelten die Italiener um Federico Chiesa (3.v.l.) über ein Einzug ins Viertelfinale. Der große Fight der Österreicher um Marko Arnautovic (r.) blieb ohne Belohnung.
Am Ende jubelten die Italiener um Federico Chiesa (3.v.l.) über ein Einzug ins Viertelfinale. Der große Fight der Österreicher um Marko Arnautovic (r.) blieb ohne Belohnung.  © dpa/Ben Stansall/Pool AFP/AP/Frank Augstein/

Die erste Chance der Extra-Zeit hatte die Squadra Azzurra, doch der neu gekommene Chiesa fand in Bachmann seinen Meister (94.).

Eine Zeigerumdrehung später machte es der Joker dann viel besser. Der Angreifer von Juventus Turin nahm einen herrlichen Chippass von Spinazzola in den Lauf mit dem Kopf an, ließ Konrad Laimer aussteigen, zog nach innen, aus spitzem Winkel halbrechter Position wuchtig ab - und jagte die Kugel aus fünf Metern zum 1:0 in die lange Ecke!

Auch die nächste Chance gehörte Italien. Bachmann kratzte Insignes Freistoß allerdings gekonnt aus der rechten oberen Ecke (104.). Kurz vor Ablauf der ersten Halbzeit fiel dann die Vorentscheidung: Dragovic bekam den Ball einmal nicht entscheidend geklärt, sodass der eingewechselte Pessina Hinteregger in halblinker Position umkurven und aus spitzem Winkel in die rechte Ecke verwandeln konnte - 2:0 für die Azzurri (105.)!

Beeindruckend war, dass sich die Ösis nicht aufgaben. Stattdessen klatschte ein Distanzkracher vom wenige Sekunden zuvor neu gebrachten Louis Schaub an den rechten Pfosten (106.), dazu wurde Sabitzer einmal geblockt und schoss anschließend drüber (111.). Wenig später köpfte Sturmriese Kalajdzic, obwohl er klar gehalten wurde, am ersten Pfosten eine Schaub-Ecke ein - nur noch 1:2 (114.)!

Nun war es eine Abwehrschlacht der Squadra Azzurra, doch trotz aller österreichischen Angriffsversuche blieb es beim 2:1-Sieg des Favoriten. Für Italien geht es nun am 2. Juli (21 Uhr) mit der Partie gegen den Sieger des Spiels Belgien vs. Portugal weiter.

Titelfoto: dpa/Ben Stansall/Pool AFP/AP/Frank Augstein/

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